Dienstag, 17. Januar 2017

Laos - von Vientiane bis in den Süden

Nach einigen schönen Tagen in Vang Vieng ging es nun weiter in die Hauptstadt Vientiane. Sie ist mit einer Viertelmillion Einwohner recht überschaubar und gemütlich. Wir fanden dort einen riesengroßen Park am Flussufer, DAS war unsere Attraktion. Wir spielten Karten, lasen Bücher und lagen auf der Wiese. Anscheinend wird in Laos kaum bis gar nicht Karten gespielt, ab und an schauten uns neugierige Passanten dabei zu. Ein Chinese setzte sich sogar zu uns und schaute ein paar Runden zu. Ansonsten machten wir nicht all zu viel dort. Obligatorisch besuchten wir auch mal einen Tempel, aber die Zeiten des Top10-Sehenswürdigkeiten-Abklapperns sind schon lange vorbei und wenn uns danach ist nichts zu tun, dann machen wir auch nichts. Und wenn ein Land dazu einlädt, dann sowieso Laos.
Von nun an sollten die Busfahrten weniger stressig werden. Zumindest gab es nun keine schlängeligen Straßen mehr, da das Hochland hinter uns lag. In Paksan machten wir zwei Nächte Zwischenhalt und aßen leckere Suppen auf dem Markt. Weiter ging´s dann in ein Dorf namens Ban Khoun Kham. Der Ort liegt etwa 40 Kilometer abseits der Nord-Süd-Hauptroute und dort war es dann wieder bergig. Wir fanden sogleich eine ansprechende Unterkunft und genossen die Kochkünste der Wirtin. Unsere Teller glichen dem bergigen Panorama um uns herum, so voll waren sie. Und geschmeckt hat es wie in ganz Laos noch nicht. Noch am gleichen Tag spazierten wir gut gestärkt los und fanden einen Aussichtspunkt über dem Tal.
Der eigentliche Grund für unseren Abstecher von der Hauptroute war jedoch die Kong Lo – Höhle. Sie ist etwa eine halbe Stunde mit dem Tuk-Tuk von unserem Dorf gelegen und so besuchten wir sie gleich am nächsten Tag. Da man die Höhle nur per Boot durchqueren kann, mieteten wir uns eines plus Fährmann. Dieser führte uns durch die 7,5 Kilometer (!) lange Höhle und zurück. Zwischendurch machten wir halt auf einer Halbinsel innerhalb der Höhle, wo es abstrakte Gesteinsformationen zu bestaunen gab wie sie Mutter Natur nur im Verlaufe von Jahrhunderten und -tausenden zustande bringt. Es gibt in der Höhle teils richtige Sandbänke mit sehr feinem Sand wie man ihn typischerweise vom Meer kennt. Nur braun würde man hier nicht werden, schon nach einigen hundert Metern wurde es stockdunkel. Zur Eintrittskarte bekommt man zum Glück auch eine Stirnlampe dazu. Da wir die Höhle komplett durchquerten, machten wir noch kurz halt auf der anderen Seite in einem sehr kleinen Dorf. Dort konnte man sich mit Essen einkleiden und eine Pinkelpause einlegen. Immerhin ging die ganze Fahrt etwa zweieinhalb Stunden.
Als wir mit dem Tuk-Tuk zurück nach Ban Khoun Kham fuhren, hatten wir noch etwas Zeit und machten einen Abstecher zu einem anderen Aussichtspunkt, den wir schon auf der Fahrt zu unserem Dorf entdeckt hatten. Den Tuk-Tukfahrer hat´s gefreut, für den kleinen Abstecher gab es nochmal extra Geld und eine Zigarettenpause. Die Gegend dort ist wirklich sehr schön, total dünn besiedelt und man trifft auch kaum auf andere Touristen. Wir haben nur noch ein anderes Paar beim Abendessen kennengelernt, die ersten und letzten Luxemburger, die wir bislang je getroffen haben. Wie sie uns erzählten gibt es aber auch nur 300.000 gebürtige Luxemburger, somit ist die Chance welche im Ausland zu treffen wirklich ziemlich gering.
Die nächsten beiden Orte bereisten wir als Durchgangsstation Richtung Süden. Als erstes ging es von Ban Khoun Kham nach Thakek. Die Fahrt ging zwar nur drei oder vier Stunden, aber wir fuhren die komplette Strecke im Tuk-Tuk. Eigentlich ist der Begriff nicht korrekt, denn Tuk-Tuk´s gibt es ja in ihrer Originalform nur in Thailand weit verbreitet. In Laos heißen sie eigentlich „sorngtheau“ und heißen übersetzt „zweite Reihe“. Das sind umgebaute Pick-up Transporter, die auf der Ladefläche Bänke haben, jeweils links und rechts und manchmal noch in der Mitte eine. Aber wir nennen sie hier auch Tuk-Tuk und auch die Fahrer bieten uns diese als solche an. Mit unserem Sorngtheau-Tuk.Tuk fuhren wir zeitweise mit 20 Mann, mindestens jedoch mit 15. Das kann ziemlich eng werden, wenn dann auch noch jeder seinen Koffer oder ein paar Kisten oder Kanister mitbringt. Aber irgendwie geht’s immer, alles eine Sache der Einstellung.
Thakek haben wir dann als Übernachtungsstation genutzt, von da aus sollte es eigentlich nach Pakse gehen. Wir fanden dann einen Mini-Van der nach Savannakhet, welches auf halber Strecke liegt, und entschlossen uns kurzerhand erstmal dorthin zu fahren. Als wir dort ankamen blieben wir dann mit zwei Nächten doch länger als geplant. Der Nachtmarkt war astrein, wir fanden ein bratkartoffelähnliches Gericht und auch der Ort an sich ist recht gemütlich, wenn auch unspektakulär. Immerhin konnten wir dort unsere Besorgungen in Sachen Hygieneartikel komplett erledigen, das ist nicht selbstverständlich in Laos. Das kostete uns ein halbes Vermögen. Nur mal als Beispiel. Rasierschaum (200ml) kosten dort sagenhafte 8 Euro. Davon gehen wir in manchen Orten zweimal essen, aber das Geld muss fließen.
Paksan, der nächste Ort, ist schon wieder eindeutig touristischer. Viele Weiße und Restaurants, die Hamburger anbieten. Das liegt vor allem daran, dass man von hier aus Ausflüge zum Bolaven-Palteau unternehmen kann, einer schönen Hochlandgegend im Süden von Laos. Leider hatten wir dafür keine Zeit mehr. Der Trip hätte mit mindestens drei Tagen zu Buche geschlagen, wir hatten noch fünf und die wollten wir auf den 4000 Inseln ganz tief im Süden verbringen. 
Der Name verspricht nicht zu viel, es ist wirklich kaum zu glauben, dass wir uns dort immer noch auf dem Mekong, einem Fluss, befanden. Man sieht weder das eine noch das andere Ufer und kommt sich vor wie auf einem riesigen See. In der Regenzeit schwillt diese Stelle des Mekong auf sagenhafte und unglaubliche 14 Kilometer Breite an! Das muss man sich mal vorstellen, das ist von Cottbus nach Drebkau und noch weiter und das ist nur die Breite. Es gibt dort ungefähr 5 oder 6 größere Inseln, wir ließen uns auf Don Khon nieder. Hier gibt es natürlich keine Tuk-Tukfahrer mehr sondern Bootsmänner, die von Insel zu Insel schippern. Wir waren kaum ausgestiegen, da kam auch schon eine nette Frau und zeigte uns ihre Zimmer. 6 Euro die Nacht, mit Blick auf dem Mekong und Hängematte vor der Haustür. Ein Restaurant führte sie nebenher auch, also war die Verpflegung auch abgedeckt. Unsere Zimmernachbarn, jeweils links und rechts, waren auch Deutsche und ganz korrekt. Zum einen Matthias aus Baden-Baden. Er ist schon etwas älter und reist schon sein Leben lang. Er arbeitet meist 6-8 Monate im Jahr und ist den Rest des Jahres unterwegs. So hatte er immer mal wieder eine Geschichte auf Lager. Unser anderer Nachbar war ein richtiges Sympathiebündel. Jörg, 41 Jahre, aus Nürnberg. Auch er war schon oft unterwegs und hatte meist seinen Jahresurlaub, 6 Wochen, am Stück genommen, um unterwegs zu sein. Nun hatte er nach 25 Jahren in der Gießerei die Schnauze voll vom Arbeiten und die Chance bekommen aufzuhören und dafür eine saftige Abfindung zu kassieren. Das ließ er sich nicht zweimal sagen, er vermietete sein Haus in der Heimat und nun guckt er sich alles an was geht. Laut eigener Aussage kehrt er erst im August 2020 spätestens wieder heim, dann erlischt nämlich sein Anspruch auf Arbeitslosengeld.
Don Khon ist wie ein kleiner Mikrokosmos. Es gibt von allem, was nötig ist alles nur ein paar wenige Male. Der Rest ist Idylle aus dem Bilderbuch. Es ist in Laos ohnehin schon sehr einfach die Zeit zu vergessen, hier geht es aber gar nicht anders. Wir machten Spaziergänge und schauten uns zwei Wässerfälle an, von dem einer sogar ziemlich groß war. Über die französische Brücke machten wir einen Ausflug auf die Nachbarinsel Don Det, die eher für wilde Parties bekannt ist. Davon bekommen wir bei uns jedoch kaum etwas mit. Jörg sorgte zwar von Morgens bis Abends für den süßlich angenehmen Geruch von verbranntem Marihuana, aber das war´s auch schon. Zwischendurch fuhr er am Nachmittag immer rüber nach Don Det, zum „Dämmerschoppen“, wie er es in seinem fränkisch nannte. Zwei Bars hatte er sich ausgeschaut und jeden Tag wechselte er von einer zur anderen hin und her. Damit es keinen Streit gäbe.
Wir hatten uns inzwischen eines der wenigen Restaurants ausgeschaut und verbrachten dort unsere Abende mit einem Paar aus Hamburg, George und Petra, während die Küche leckere Curry´s für uns kochte. Auf der Insel verbrachten wir dann auch noch Heiligabend, unseren letzten Tag in Laos. Am ersten Weihnachtsfeiertag mussten wir ausreisen, wobei die „Strafgebühr“ von etwas über einem Euro pro Tag bei Überziehen des Visa, noch tragbar gewesen wäre. Auch Matthias wollte nach Kambodscha weiterreisen, während Jörg, der sich ein Motorrad gekauft hatte, weiter nach Vietnam machen würde. Beide allerdings erst einen Tag später.
Auf den 4000 Inseln kann man wirklich hängen bleiben und einfach nur da sein. Sollten wir eines Tages noch einmal Laos bereisen, steht dieser Ort ganz sicher auf unserer Liste. Kaum waren wir im Norden in dieses wunderbar grüne und ursprüngliche Land eingereist, nun war unser Monat auch schon wieder vorbei. Es wurde Zeit ein neues Kapitel auf unserer Reise aufzuschlagen und das hieß Kambodscha...

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