Das neue Jahr begann so wie das
alte aufgehört hatte. Rucksack packen, den Busbahnhof aufsuchen und
in den nächsten Ort weitermachen. Für die erste Station im neuen
Jahr hatten wir uns einen richtigen Knaller ausgesucht. Die Tempel
von Angkor Wat. Wer eventuell noch nie davon gehört hat: Die Tempel
sind Überbleibsel aus der Zeit der Khmer, die lange Zeit die Region
Kambodscha regiert hatten. Noch heute bezeichnen sich die Einwohner
Kambodschas als Khmer, auch die Landessprache trägt den Namen. Was
ist nun so besonders an genau diesen Tempeln? Die gesamte Anlage ist
riesengroß. Wenn man von Angkor Wat, dem Haupttempel, ausgeht, kann
man immer noch 80 Kilometer raus fahren und findet weitere Tempel und
Pagoden seiner Zeit. Als Maßstab dieser alten Stadt dient vielleicht
auch dieser Vergleich: Während seiner Blütezeit bewohnten Angkor
eine Million Menschen. London brachte es da grade mal auf 50.000
Einwohner.
Heute wird Angkor gerne in einem
Atemzug mit Machu Picchu in Peru und der Felsenstadt Petra in
Jordanien genannt. Als Ausgangspunkt für die Touren dient der kleine
Ort Siem Reap, der natürlich voll auf Tourismus ausgerichtet ist
und von diesem lebt. Wir buchten dieses mal wieder ein Zimmer, es war
grade Hochsaison. Dieses fanden wir relativ zügig und wir waren
froh, dass es sauber war und keine Ameisen hatte, immerhin hatten wir
gleich für fünf Nächte gebucht. Noch am selben Tag wollten wir
unsere Erkundungstour durch die Anlagen beginnen. Wie genau
schauen wir uns solch eine Anlage nur an? Zunächst wollten wir uns
über die Beschaffenheit und Preise der Fahrräder kundig machen. Doch
mit einem mal standen wir vor einem Rollerverleih. Auf zehn Euro pro
Tag konnten wir dann noch handeln und so liehen uns einen Roller aus.
Dabei gab es aber einen Haken, den wir erst später im Hotel
ausfindig machten. Für Ausländer ist es nämlich verboten sich in Siem
Reap Roller auszuleihen. Überall in Kambodscha ist das kein
Problem, nur in Siem Reap nicht. Man munkelt, dass die Tuk-Tukmafia
wohl dahinterstehe und mit der Polizei gemeinsame Sache mache. Das
ärgerte uns erstmal richtig, was nun machen? Unsere Dame von der
Rezeption sagte, das sei zwar richtig, aber in der Praxis werde man
kaum kontrolliert. Das reichte uns nicht. Wir hatten keine Papiere
und wollten Angkor genießen und nicht davor fürchten müssen
jederzeit kontrolliert zu werden. Denn wenn wir einmal in eine
Kontrolle gelangen würden, dann würde es richtig teuer werden. Wenn man Pech hat stehen nicht nur einer sondern gleich zwei, drei
oder noch mehr Beamte vor einem, die nur darauf warten, dass man
ihnen ein paar Scheine zusteckt. Also hakten wir die $40 für den
Roller ab und überlegten, ob wir uns kostengünstig Fahrräder
ausleihen oder einen Tuk-Tukfahrer mieten würden. Die Haupttempel
waren alle mehr oder weniger auf einem Fleck und nur knapp 6
Kilometer von Siem Reap entfernt. Das sprach für das Fahrrad,
natürlich neben der Ausleihgebühr von einem Dollar pro Tag und
Person. Die Sonne ballerte dieser Tage allerdings ohne Gnade und das
neue Jahr wollten wir mit allem anderen als schwitzigen
Tempelbesuchen beginnen. Also dachten wir uns Scheiß drauf, das Geld
muss fließen und entschieden uns für das Tuk-Tuk. Am nächsten
Morgen brachten wir erstmal den Roller zurück. Natürlich würde es
keine Polizeikontrollen geben und der Verleiher würde die Kosten voll
übernehmen für diesen unwahrscheinlichen Fall, aber wir blieben
unserer Linie treu. Zu unserem Erstaunen bekamen wir sogar $30
zurück, mussten also nur den angebrochenen Tag bezahlen, was wir als
überaus fair von Seiten des Verleihers empfanden.
Danach gingen wir erst einmal
frühstücken. Wir überlegten, was wir uns für den heutigen Tag
alles anschauen würden und entschieden uns für drei Tempel,
von denen einer etwa 40 Kilometer außerhalb lag. Wir wussten noch
nicht, wie lange wir brauchen würden pro Anlage und wollten
keinesfalls hetzen. Also entschieden wir uns für die weniger-ist-mehr-Option und schlenderten nach dem Frühstück los, um einen
geeigneten Fahrer zu finden. An diesen mangelt es in Siem Reap ganz
gewiss nicht und sie sind wirklich nicht zu beneiden. Trotz der
Touristenmassen bleibt der Großteil der Tuk-Tukfahrer auf dem
Trockenen sitzen, so viel Konkurrenz gibt es. Und in der Nebensaison
stehen sich noch mehr von ihnen die Beine in den Bauch. Unsere Suche
dauerte so ziemlich genau vom Frühstück bis zur nächsten
Straßenecke. Ein Fahrer schlief grad auf der Rückbank seines
Gefährts und ich dachte mir noch: der sieht aber sympathisch aus.
Ich wollte ihn jedoch nicht wecken und als wir kaum zehn Meter weiter
an ihm vorbeigegangen sind, hörten wir von hinten das altvertraute
„Tuk-Tuk, Sir?“. Wir machten kehrt und handelten einen Preis für
unsere Route aus. Danach war die Sache geritzt und unser Fahrer
stellte sich als Fred vor. Also stiegen wir ein und fuhren erstmal
Eintrittskarten kaufen. Man sollte wissen, dass die Ticketschalter
für die Anlagen zwischen Siem Reap und Angkor Wat liegen. Wer
vergisst Tickets zu kaufen darf noch mal ein paar Kilometer kehrt
machen. Zum Glück gibt es ungefähr an die 50 Schalter im Verkaufsgebäude, so dauerte
die Geschichte nur wenige Minuten. Wir kauften uns ein 3-Tagesticket
für jeweils $40. Der Tag lief dann etwa so ab. Fred fuhr uns zu den
einzelnen Tempeln und wir schauten uns diese an, während er draußen
auf uns wartete. Ich erspare mir jetzt Einzelheiten zu jedem der
Tempel. Manche sind auch recht unspektakulär, aber trotzdem schön
anzusehen. Bei manchen fragten wir uns nach deren damalige Funktion
und manche hauten uns dann doch wirklich von den Socken. Am ersten
Tag der letzte Tempel war so einer. Ein riesiger Komplex war das, ich
glaube es ist sogar der größte von allen. Wir liefen durch die
Ruinen, die zu jeder Himmelsrichtung einen Flügel hatte. Aus der
Luft muss der Tempel wie ein großes steinernes Kreuz aussehen. Die
Flügel bestehen wiederum aus vielen kleinen nacheinander angereihten
Kammern mit offenen Türen. Wenn man nun also durch eine Tür schaut,
dann sieht man die Kammer danach und durch diese wiederum die Kammer
danach und so weiter. Das wirkte wie in einem überdimensionalen Spiegelkabinett. Fred
wusste natürlich, dass wir uns einen 3-Tagespass gekauft hatten und
bot seine Dienste gleich für den Folgetag an. Der Preis, den er uns
für den nächsten Tag nannte, war für uns okay, so ersparten wir uns
die Verhandlung über diesen und die Suche nach einem neuen Fahrer. Am zweiten Tag standen zwei große und
zwei kleine Tempel auf dem Programm. Am beeindruckensten war mit
Abstand der Tha Prohm. Hier sieht man wie sich Mutter Erde alles
zurückholt. Gewaltig aussehende Bäume bohren hier ihre kraftvollen
Wurzeln durch Mauern und Gestein. Es ist wirklich unglaublich wie
Natur und von Menschenhand Gemachtes miteinander verschmelzen. Es gab
in den populären Tempeln wie diesen natürlich Unmengen an
Touristenscharen, aber die meisten Angkor-Besucher kommen per
Reisetruppe. Wir konnten immer mal wieder Teile der Anlage erkunden,
wo wir sogar teils ganz alleine waren. Gerade über Mittag, wenn es
für die Massen Essen gibt und die Sonne unerträglich heiß wird.
Auch der Takeo war ziemlich gut. Die Stufen, die es gilt zu besteigen
um ihn zu besichtigen, sind steiler gebaut als die Münchener
Allianzarena. Steil und schmal. Ein ganzer Fuß passt nur quer auf
eine Stufe. Auch Tag zwei war also ereignisreich und für den dritten
Tag hatten wir uns dann Angkor Wat höchstpersönlich vorgenommen.
Dazu machten schon zeitig los, um 4.45 Uhr holte uns Fred ab. Der
Sonnenaufgang über Angkor Wat zählt zu den Sachen, „die man
gesehen haben muss“. Also setzten wir uns zusammen mit allen
anderen Frühaufstehern vor die Tempelanlage und warteten auf die
aufgehende Sonne, die uns DEN ultimativen Aufgang an diesem Morgen
vorenthielt. Als es dann hell war, gingen wir wie alle anderen in die
Anlage auf Erkundungstour. Ich hoffe es kommt keiner Gotteslästerung
gleich, aber wir haben es uns dann doch spektakulärer vorgestellt. Versteht
mich nicht falsch, die Größe ist schier beeindruckend und wir sind
froh das alles gesehen und erlebt haben zu dürfen. Aber den Tha
Prohm vom Vortag und auch den Bayon, den wir uns direkt nach Angkor
Wat anschauten, hauten uns da mehr vom Hocker. Vermutlich ist es wie
bei allen Dingen, die schon dieses „Musst du gesehen haben“-Image
weghaben. Die Erwartungshaltung ist so hoch, dass man eigentlich nur
noch halbwegs befriedigt aus der Sache rauskommt. Vielleicht haben
uns deshalb auch andere Tempel mehr beeindruckt. Wie auch
immer. Ich habe ja bereits angedeutet, dass wir uns noch den Bayon
angeschaut haben. Dabei handelt es sich um eine Tempelanlage auf der
54 große steinerne Säulen zu finden sind. Jede Säule trägt
wiederum vier Gesichter, zu jeder Himmelsrichtung eines. Der damalige
König, Jayaarvarman VII, der diesen und die meisten anderen
bedeutenden Tempel bauen ließ, wollte dem Volk damals damit eines
symbolisieren: Ich habe meine Augen und Ohren überall, meine
Freunde. Bei einer Million Einwohner ist es selbsterklärend, dass
sich unter diesen auch Widersacher befinden, die schnell auch eine
größere Menge an Revolutionären hinter sich bringen könnte. Um
dieser Sache vorab entgegenwirken zu können, ließ König
Jayaarvarman VII Bauten wie den Bayon errichten.
Danach schauten wir noch beim
Königspalast und der Elefantenterrasse vorbei und schon war unser
3-Tagespass abgelaufen und wir auf dem Rückweg nach Siem Reap.
Insgesamt kostete uns Fred $50 für die drei Tage, die Pässe
zusammen $80. Also insgesamt $130 für drei Tage und zwei Personen
ist die Sache schon wert. Ein Tag ist zu wenig, da kann man sich
wirklich nur die „besten“ Tempel anschauen und muss schon ganz
schön auf die Tube drücken. Eine Woche ist wiederum wirklich nur für richtige Geschichtsfreunde zu empfehlen, die sich wirklich jede noch so kleine und/oder entlegene Anlage anschauen wollen. Also waren drei
Tage auch genau richtig. Man sollte allerdings aufpassen, dass man
nicht von früh bis spät seinen Pass ausreizt. Das ist theoretisch
zwar möglich, aber vermutlich hat man dann schon am Vormittag von
Tag 2 die Schnauze voll. Man darf die Hitze und teilweise nicht
auszuhaltenden Menschenmassen nicht unterschätzen. Manche Tempel
sind wirklich sehr groß, so dass man auch mit Tuk-Tukfahrer noch
einige Kilometer per Fuß zurücklegt. Das schlaucht alles und es
soll ja in erster Linie Spaß machen. Nach unserer Erkundungstour
durch Angkor entspannten wir noch einen Tag in Siem Reap. Wir hatten
mittlerweile ein Stammrestaurant mit netter Bedienung gefunden und
verbrachten dort unsere Zeit. Dann schlenderten wir noch etwas über
die Märkte und am Flussufer entlang. Zum Schluss suchten wir noch einen der
Supermärkte auf. Richtige Supermärkte sind extrem selten geworden
seit wir Thailand verließen, aber Siem Reap ist halt voll auf
westliche Besucher ausgelegt. So konnten wir unseren Bestand an
Hygieneartikeln wieder auf Vordermann bringen ehe es weiter in den nächsten Ort ging..
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