Samstag, 28. Januar 2017

Die Tempel von Angkor

Das neue Jahr begann so wie das alte aufgehört hatte. Rucksack packen, den Busbahnhof aufsuchen und in den nächsten Ort weitermachen. Für die erste Station im neuen Jahr hatten wir uns einen richtigen Knaller ausgesucht. Die Tempel von Angkor Wat. Wer eventuell noch nie davon gehört hat: Die Tempel sind Überbleibsel aus der Zeit der Khmer, die lange Zeit die Region Kambodscha regiert hatten. Noch heute bezeichnen sich die Einwohner Kambodschas als Khmer, auch die Landessprache trägt den Namen. Was ist nun so besonders an genau diesen Tempeln? Die gesamte Anlage ist riesengroß. Wenn man von Angkor Wat, dem Haupttempel, ausgeht, kann man immer noch 80 Kilometer raus fahren und findet weitere Tempel und Pagoden seiner Zeit. Als Maßstab dieser alten Stadt dient vielleicht auch dieser Vergleich: Während seiner Blütezeit bewohnten Angkor eine Million Menschen. London brachte es da grade mal auf 50.000 Einwohner.
Heute wird Angkor gerne in einem Atemzug mit Machu Picchu in Peru und der Felsenstadt Petra in Jordanien genannt. Als Ausgangspunkt für die Touren dient der kleine Ort Siem Reap, der natürlich voll auf Tourismus ausgerichtet ist und von diesem lebt. Wir buchten dieses mal wieder ein Zimmer, es war grade Hochsaison. Dieses fanden wir relativ zügig und wir waren froh, dass es sauber war und keine Ameisen hatte, immerhin hatten wir gleich für fünf Nächte gebucht. Noch am selben Tag wollten wir unsere Erkundungstour durch die Anlagen beginnen. Wie genau schauen wir uns solch eine Anlage nur an? Zunächst wollten wir uns über die Beschaffenheit und Preise der Fahrräder kundig machen. Doch mit einem mal standen wir vor einem Rollerverleih. Auf zehn Euro pro Tag konnten wir dann noch handeln und so liehen uns einen Roller aus. Dabei gab es aber einen Haken, den wir erst später im Hotel ausfindig machten. Für Ausländer ist es nämlich verboten sich in Siem Reap Roller auszuleihen. Überall in Kambodscha ist das kein Problem, nur in Siem Reap nicht. Man munkelt, dass die Tuk-Tukmafia wohl dahinterstehe und mit der Polizei gemeinsame Sache mache. Das ärgerte uns erstmal richtig, was nun machen? Unsere Dame von der Rezeption sagte, das sei zwar richtig, aber in der Praxis werde man kaum kontrolliert. Das reichte uns nicht. Wir hatten keine Papiere und wollten Angkor genießen und nicht davor fürchten müssen jederzeit kontrolliert zu werden. Denn wenn wir einmal in eine Kontrolle gelangen würden, dann würde es richtig teuer werden. Wenn man Pech hat stehen nicht nur einer sondern gleich zwei, drei oder noch mehr Beamte vor einem, die nur darauf warten, dass man ihnen ein paar Scheine zusteckt. Also hakten wir die $40 für den Roller ab und überlegten, ob wir uns kostengünstig Fahrräder ausleihen oder einen Tuk-Tukfahrer mieten würden. Die Haupttempel waren alle mehr oder weniger auf einem Fleck und nur knapp 6 Kilometer von Siem Reap entfernt. Das sprach für das Fahrrad, natürlich neben der Ausleihgebühr von einem Dollar pro Tag und Person. Die Sonne ballerte dieser Tage allerdings ohne Gnade und das neue Jahr wollten wir mit allem anderen als schwitzigen Tempelbesuchen beginnen. Also dachten wir uns Scheiß drauf, das Geld muss fließen und entschieden uns für das Tuk-Tuk. Am nächsten Morgen brachten wir erstmal den Roller zurück. Natürlich würde es keine Polizeikontrollen geben und der Verleiher würde die Kosten voll übernehmen für diesen unwahrscheinlichen Fall, aber wir blieben unserer Linie treu. Zu unserem Erstaunen bekamen wir sogar $30 zurück, mussten also nur den angebrochenen Tag bezahlen, was wir als überaus fair von Seiten des Verleihers empfanden.
Danach gingen wir erst einmal frühstücken. Wir überlegten, was wir uns für den heutigen Tag alles anschauen würden und entschieden uns für drei Tempel, von denen einer etwa 40 Kilometer außerhalb lag. Wir wussten noch nicht, wie lange wir brauchen würden pro Anlage und wollten keinesfalls hetzen. Also entschieden wir uns für die weniger-ist-mehr-Option und schlenderten nach dem Frühstück los, um einen geeigneten Fahrer zu finden. An diesen mangelt es in Siem Reap ganz gewiss nicht und sie sind wirklich nicht zu beneiden. Trotz der Touristenmassen bleibt der Großteil der Tuk-Tukfahrer auf dem Trockenen sitzen, so viel Konkurrenz gibt es. Und in der Nebensaison stehen sich noch mehr von ihnen die Beine in den Bauch. Unsere Suche dauerte so ziemlich genau vom Frühstück bis zur nächsten Straßenecke. Ein Fahrer schlief grad auf der Rückbank seines Gefährts und ich dachte mir noch: der sieht aber sympathisch aus. Ich wollte ihn jedoch nicht wecken und als wir kaum zehn Meter weiter an ihm vorbeigegangen sind, hörten wir von hinten das altvertraute „Tuk-Tuk, Sir?“. Wir machten kehrt und handelten einen Preis für unsere Route aus. Danach war die Sache geritzt und unser Fahrer stellte sich als Fred vor. Also stiegen wir ein und fuhren erstmal Eintrittskarten kaufen. Man sollte wissen, dass die Ticketschalter für die Anlagen zwischen Siem Reap und Angkor Wat liegen. Wer vergisst Tickets zu kaufen darf noch mal ein paar Kilometer kehrt machen. Zum Glück gibt es ungefähr an die 50 Schalter im Verkaufsgebäude, so dauerte die Geschichte nur wenige Minuten. Wir kauften uns ein 3-Tagesticket für jeweils $40. Der Tag lief dann etwa so ab. Fred fuhr uns zu den einzelnen Tempeln und wir schauten uns diese an, während er draußen auf uns wartete. Ich erspare mir jetzt Einzelheiten zu jedem der Tempel. Manche sind auch recht unspektakulär, aber trotzdem schön anzusehen. Bei manchen fragten wir uns nach deren damalige Funktion und manche hauten uns dann doch wirklich von den Socken. Am ersten Tag der letzte Tempel war so einer. Ein riesiger Komplex war das, ich glaube es ist sogar der größte von allen. Wir liefen durch die Ruinen, die zu jeder Himmelsrichtung einen Flügel hatte. Aus der Luft muss der Tempel wie ein großes steinernes Kreuz aussehen. Die Flügel bestehen wiederum aus vielen kleinen nacheinander angereihten Kammern mit offenen Türen. Wenn man nun also durch eine Tür schaut, dann sieht man die Kammer danach und durch diese wiederum die Kammer danach und so weiter. Das wirkte wie in einem überdimensionalen Spiegelkabinett. Fred wusste natürlich, dass wir uns einen 3-Tagespass gekauft hatten und bot seine Dienste gleich für den Folgetag an. Der Preis, den er uns für den nächsten Tag nannte, war für uns okay, so ersparten wir uns die Verhandlung über diesen und die Suche nach einem neuen Fahrer. Am zweiten Tag standen zwei große und zwei kleine Tempel auf dem Programm. Am beeindruckensten war mit Abstand der Tha Prohm. Hier sieht man wie sich Mutter Erde alles zurückholt. Gewaltig aussehende Bäume bohren hier ihre kraftvollen Wurzeln durch Mauern und Gestein. Es ist wirklich unglaublich wie Natur und von Menschenhand Gemachtes miteinander verschmelzen. Es gab in den populären Tempeln wie diesen natürlich Unmengen an Touristenscharen, aber die meisten Angkor-Besucher kommen per Reisetruppe. Wir konnten immer mal wieder Teile der Anlage erkunden, wo wir sogar teils ganz alleine waren. Gerade über Mittag, wenn es für die Massen Essen gibt und die Sonne unerträglich heiß wird. Auch der Takeo war ziemlich gut. Die Stufen, die es gilt zu besteigen um ihn zu besichtigen, sind steiler gebaut als die Münchener Allianzarena. Steil und schmal. Ein ganzer Fuß passt nur quer auf eine Stufe. Auch Tag zwei war also ereignisreich und für den dritten Tag hatten wir uns dann Angkor Wat höchstpersönlich vorgenommen. Dazu machten schon zeitig los, um 4.45 Uhr holte uns Fred ab. Der Sonnenaufgang über Angkor Wat zählt zu den Sachen, „die man gesehen haben muss“. Also setzten wir uns zusammen mit allen anderen Frühaufstehern vor die Tempelanlage und warteten auf die aufgehende Sonne, die uns DEN ultimativen Aufgang an diesem Morgen vorenthielt. Als es dann hell war, gingen wir wie alle anderen in die Anlage auf Erkundungstour. Ich hoffe es kommt keiner Gotteslästerung gleich, aber wir haben es uns dann doch spektakulärer vorgestellt. Versteht mich nicht falsch, die Größe ist schier beeindruckend und wir sind froh das alles gesehen und erlebt haben zu dürfen. Aber den Tha Prohm vom Vortag und auch den Bayon, den wir uns direkt nach Angkor Wat anschauten, hauten uns da mehr vom Hocker. Vermutlich ist es wie bei allen Dingen, die schon dieses „Musst du gesehen haben“-Image weghaben. Die Erwartungshaltung ist so hoch, dass man eigentlich nur noch halbwegs befriedigt aus der Sache rauskommt. Vielleicht haben uns deshalb auch andere Tempel mehr beeindruckt. Wie auch immer. Ich habe ja bereits angedeutet, dass wir uns noch den Bayon angeschaut haben. Dabei handelt es sich um eine Tempelanlage auf der 54 große steinerne Säulen zu finden sind. Jede Säule trägt wiederum vier Gesichter, zu jeder Himmelsrichtung eines. Der damalige König, Jayaarvarman VII, der diesen und die meisten anderen bedeutenden Tempel bauen ließ, wollte dem Volk damals damit eines symbolisieren: Ich habe meine Augen und Ohren überall, meine Freunde. Bei einer Million Einwohner ist es selbsterklärend, dass sich unter diesen auch Widersacher befinden, die schnell auch eine größere Menge an Revolutionären hinter sich bringen könnte. Um dieser Sache vorab entgegenwirken zu können, ließ König Jayaarvarman VII Bauten wie den Bayon errichten.

Danach schauten wir noch beim Königspalast und der Elefantenterrasse vorbei und schon war unser 3-Tagespass abgelaufen und wir auf dem Rückweg nach Siem Reap. Insgesamt kostete uns Fred $50 für die drei Tage, die Pässe zusammen $80. Also insgesamt $130 für drei Tage und zwei Personen ist die Sache schon wert. Ein Tag ist zu wenig, da kann man sich wirklich nur die „besten“ Tempel anschauen und muss schon ganz schön auf die Tube drücken. Eine Woche ist wiederum wirklich nur für richtige Geschichtsfreunde zu empfehlen, die sich wirklich jede noch so kleine und/oder entlegene Anlage anschauen wollen. Also waren drei Tage auch genau richtig. Man sollte allerdings aufpassen, dass man nicht von früh bis spät seinen Pass ausreizt. Das ist theoretisch zwar möglich, aber vermutlich hat man dann schon am Vormittag von Tag 2 die Schnauze voll. Man darf die Hitze und teilweise nicht auszuhaltenden Menschenmassen nicht unterschätzen. Manche Tempel sind wirklich sehr groß, so dass man auch mit Tuk-Tukfahrer noch einige Kilometer per Fuß zurücklegt. Das schlaucht alles und es soll ja in erster Linie Spaß machen. Nach unserer Erkundungstour durch Angkor entspannten wir noch einen Tag in Siem Reap. Wir hatten mittlerweile ein Stammrestaurant mit netter Bedienung gefunden und verbrachten dort unsere Zeit. Dann schlenderten wir noch etwas über die Märkte und am Flussufer entlang. Zum Schluss suchten wir noch einen der Supermärkte auf. Richtige Supermärkte sind extrem selten geworden seit wir Thailand verließen, aber Siem Reap ist halt voll auf westliche Besucher ausgelegt. So konnten wir unseren Bestand an Hygieneartikeln wieder auf Vordermann bringen ehe es weiter in den nächsten Ort ging..

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