Nach
fünf Nächten in Siem Reap fühlten wir uns schon beinahe heimisch,
also brachen wir auf in den nächsten Ort und der hieß Battambang.
In Kambodscha gibt es einen riesengroßen See, den Tonle Sap. Auf dem
Weg von Phnom Penh nach Siem Reap fuhren wir nördlich des Sees
entlang. Nun ging es etwas Richtung Süden, ehe es dann unterhalb des
Sees wieder zurück nach Phnom Penh gehen würde. Battambang ist zwar
offiziell die zweitgrößte Stadt in Kambodscha, aber dennoch recht
überschaubar. Ich denke unsere Heimatstadt Cottbus dient als guter
Vergleich von der Größe her. Gleich am Anreisetag hatten wir das
Glück den Nationalfeiertag miterleben zu dürfen, der auch in
Battambang groß gefeiert wurde. Ein riesiger Nachtmarkt und eine
abgedrehte Bühnenshow versüßten uns den Abend. Ohne Mist, die
beiden Jungs und vier Mädels auf der Bühne gaben wirklich alles.
Jeder Choreograph hätte verständnislos den Kopf geschüttelt, aber
vielleicht war es genau dieses Unperfekte, was uns zwei Stunden lang
zuschauen ließ. Außerdem fanden wir an den zahlreichen Ständen
geröstete Esskastanien, die wir bereits in Mazedonien lieb gewonnen
hatten.
Nach
zwei Nächten wechselten wir dann erstmal unsere Unterkunft. Wir
fanden in Battambang wirklich ein Zimmer mit eigenem Bad für
sagenhafte $4 die Nacht. Allerdings hatte es keine Fenster bzw. nur
eines Richtung Flur. Wir haben nicht sehr oft Zimmer ohne Fenster,
aber wenn doch, dann sind wir meist froh wieder weitermachen zu
können. Ich weiß nicht was es war, aber die Luft dort war wirklich
unzumutbar. Wir fanden dann ein Zimmer für $5 mit einem Fenster und
auch sonst war dort alles super. Das es solch günstige Unterkünfte
gibt, hätten wir nicht gedacht. Zumindest nicht in der Anzahl. Dort
verbrachten wir noch einmal zwei Nächte, wobei ein Tag für mich
komplett auf dem Zimmer stattfand. Ich hatte wie schon in Kratie
wieder Fieber, zum Glück war aber am nächsten Tag wieder alles in
Ordnung. Jenny erledigte die Einkäufe und ich kurierte mich aus. Wir
glauben aber, dass es nicht wirklich Fieber war, sondern eher
Überhitzung. Man darf wirklich nicht vergessen zu trinken, an
manchen Tagen holen wir uns schon einen Sonnenbrand, wenn wir nur
eine halbe Stunde in der direkten Sonne verbringen. In Laos hatten
wir einige Zeit penibel darauf geachtet viel zu trinken. Da ging es
schon morgens nach dem Aufstehen los. Jenny schaffte etwa 0.75 und
ich eine ganze 1.5 Liter Flasche Wasser. Im Konflikt steht das ganze
jedoch an Tagen, die wir mit dem Bus fahren. Im Schnitt fahren wir
etwa vier Stunden von einem Ort in den nächsten. Das kann ganz schön
lange werden wenn die Blase voll ist, vor allem für Jenny. Geht man
vor zum Busfahrer und fragt nach einer Pinkelpause, dann hält der
Bus meist unverzüglich. Die Herren haben´s da recht einfach und
stellen sich an den Straßenrand. Die einheimischen Frauen machen es
genauso, aber als westlicher Besucher hat man da auch noch nach
einigen Wochen seine Hemmungen sich vor allen zu entleeren.
Wie
dem auch sei, wir trinken jetzt wieder jede Menge Wasser, auch wenn
das ziemlich kostspielig sein kann, natürlich nur relativ gesehen.
In manchen Orten bekommt man als Tourist eine 1.5 Liter Flasche nicht
unter 75 Cent verkauft. Manchmal gibt’s Rabatt, weil wir meist
Sechserträger kaufen, aber es gab auch schon Tage, da haben wir
allein für Wasser $5 bis $6 ausgeben müssen. Und da waren wir noch
nicht mal im Restaurant, wo die Flasche meist auch erst ab $1 zu
haben ist. Ist auch kein Problem, nur manchmal sind die Relationen
schon witzig. Wir schlafen oft für $8 oder weniger die Nacht in
Gasthäusern und geben am selben Tag den gleichen Betrag für ein
paar Rasierer und neue Zahnbürsten aus oder halt Wasser.
Von
Battambang wollten wir eigentlich wieder zurück nach Phnom Penh. Wir
hatten aber noch etwas Zeit über, um nach Vietnam zu kommen und
natürlich wollten wir auch hier unsere 30 Tage im Pass voll
ausreizen. Wir entschieden uns für einen Zwischenstop auf halber
Strecke in einem kleinen Ort namens Krakor. Der Ort liegt wirklich
mitten im Nirgendwo, die Hauptstraße von Battambang nach Phnom Penh
sorgt einzig dafür, dass sich ein paar Reisende dorthin verirren.
Wir lieben solch kleinen und unschuldigen Orte. Als Tourist wird man
mit großen ungläubigen Augen angestarrt und dann mit einem Lächeln
begrüßt. Man zahlt oft nur ein Drittel oder Viertel der Preise, die
man aus touristischen Gegenden kennt, vor allem auf den Märkten. Und
selbst die ansonsten etwas nervigen Tuk-Tukfahrer sind hier leicht
abzuwimmeln. Meist akzeptieren sie ein „Nein“ und manche warten
sogar darauf, dass man sie anspricht. Hier ist das Leben oft noch
sehr ursprünglich und als Weißer ist man eher eine Attraktion als
ein Goldesel. Wir hatten Glück, der Bus hielt genau vor dem einzigen
Gasthaus im ganzen Ort und die Zimmer waren sauber und hell. Wir
fanden auch noch eine Küche, wo es das beste Essen für uns seit
langem gab. Dort gingen wir bei unserem Aufenthalt in Krakor drei-
oder viermal Essen und immer gab es was anderes, alles vegetarisch
und die Mengen waren enorm. Cinda, unsere Wirtin, lernten wir auch
richtig gut kennen. Sie ist 25 Jahre jung und erzählte uns ihre
Lebensgeschichte. Ich will jetzt nicht zu weit ausholen, aber sie
befindet sich schon in einer nicht beneidenswerten Situation. Ihr
gesamtes Leben pendelt zwischen ihrem noch nicht aufgegebenen
Kindheitstraum eines Tages Dolmetscherin zu werden, der
bevorstehenden Heirat mit ihrem Freund, den sie aber nicht heiraten
will und der Arbeit in der Küche in Krakor, bei der sie mehr oder
weniger von ihrer Familie genötigt wird zu bleiben, hin und her.
Kurz: sie ist eine ganz normal junge Frau, möchte eigenständig und
unabhängig leben und die Welt sehen, doch ist sie gezeichnet von den
vielen Ketten, die sie halten und hindern. Das beeindruckende an
ihrer Geschichte war Cinda selbst. Sie hatte sich noch immer nicht
aufgegeben und sagte ganz selbstsicher, dass sie es dennoch schaffen
werde und von ihrem ersten Geld wolle sie sich Paris anschauen. Als
wir uns von Cinda am letzten Abend verabschiedeten, war uns mal
wieder bewusst, wie gut wir es haben. Dass wir im Geburtenlotto ein
gutes Los gezogen haben und uns weder Familie noch Arbeit noch sonst
irgendetwas oder irgendwer aufhält unser Leben zu leben, so wie wir
es für richtig halten. In unseren Gefilden sind es oft die Menschen
selbst, die sich im Weg stehen. Das ist schon paradox.
Eine
Sehenswürdigkeit hat Krakor allerdings doch zu bieten, zumindest
liegt sie in unmittelbarer Nähe. Nur ein paar wenige Kilometer
weiter nördlich liegt der Tonle Sap, der größte See in ganz
Südostasien. Dort gibt es einen Ort namens Kompong Luong. Es gibt
dort Häuser, Läden, eine Bäckerei, eine Eisfabrik, ein
Polizeirevier, ein Krankenhaus, eine Schule und sogar eine
Kirche.Warum das so besonders ist? Kompong Luong ist ein vollständig
auf dem Wasser gebauter Ort. Alles ist auf kleinen Schiffchen und
Floßen gebaut. Es gibt richtige Wasserwege und die Einheimischen
halten sich sogar Hunde und Katzen aus ihren Hausbooten. Das gesamte
Leben findet für etwa eintausend Familien auf dem Wasser statt, an
Land wird nur gegangen, um Fisch zu verkaufen. Um dem ganzen noch
eins draufzusetzen: Der Tonle Sap schwillt während der Regenzeit von
3000 km² auf knappe 13000 km² an, das Ufer ist je nach Saison etwa
1,5 bis 6 Kilometer von Krakor entfernt. Mit der Regen- und
Trockenzeit wandert auch Kompong Luong immer wieder hin und her,
sodass sich der Ort stets am Ufer befindet. Wir fuhren eine Stunde
durch den Ort mit einem Einheimischen per Boot. Das war schon etwas
ziemlich abgedrehtes, weil es wirklich genauso aussah wie andernorts,
nur eben auf dem Wasser.
Der Weg von Krakor nach Kompong Luong dauerte zwar mit dem Tuk Tuk nur eine Viertelstunde, war jedoch nicht weniger beeindruckend als das Örtchen auf dem Wasser. Hier leben die Menschen in so einfachen Hütten, wie wir es nur selten gesehen haben und das mitten im Nirgendwo. Solche Orte regen wirklich immer wieder zum Denken an.
Der Zwischenstop hat sich auf jeden Fall gelohnt, bevor es weiter Richtung Phnom Penh ging.
Der Weg von Krakor nach Kompong Luong dauerte zwar mit dem Tuk Tuk nur eine Viertelstunde, war jedoch nicht weniger beeindruckend als das Örtchen auf dem Wasser. Hier leben die Menschen in so einfachen Hütten, wie wir es nur selten gesehen haben und das mitten im Nirgendwo. Solche Orte regen wirklich immer wieder zum Denken an.
Der Zwischenstop hat sich auf jeden Fall gelohnt, bevor es weiter Richtung Phnom Penh ging.
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