Von Kep nahmen wir einen Bus nach Ha
Tien, dem ersten Ort nach der kambodschanisch-vietnamesischen Grenze.
An der Grenze mussten wir etwas warten und in einen anderen Bus
umsteigen. Dort lernten wir ein kanadisches Pärchen und einen
Weißrussen kennen. Zusammen fuhren wir dann weiter, jedoch nicht
lange. Ha Tien erreichten wir schon eine halbe Stunde nach dem
Grenzposten, während die anderen weiter nach Ho-Cho-Minh-Stadt
fuhren. Die Zimmersuche entpuppte sich als recht einfach, da wir
mitten im Zentrum rausgelassen wurden. Wir fanden schon nach wenigen
Minuten ein riesengroßes und günstiges Zimmer, vergaßen jedoch
einen Blick in das Bad zu werfen, welches ziemlich verschimmelt war.
Immerhin hatte es eine Tür, sodass wir das Bad unter Quarantäne
stellen konnten. Als wir dann raus auf Erkundungstour gingen,
staunten wir nicht schlecht. Wir hatten gleich um die Ecke einen
großen Markt stehen mit einem unglaublich großen Angebot an
Früchten. So eine Vielfalt hatten wir das letzte Mal in Thailand
gehabt. Vor allem die Pitahayas, auch als Drachenfrüchte bekannt,
haben es uns sehr angetan. Allerdings mussten wir ganz schön suchen,
um einen akzeptablen Preis zu finden. In Vietnam muss wirklich bei
allem gehandelt werden, sonst bezahlt man teilweise einen höheren
Preis als in Deutschland. Und das geht eben schon beim Obst los.
Einziges Tabu ist es bei Waren zu handeln, die mit einem Festpreis
ausgeschrieben sind. Da sollte man zu diesem Preis kaufen oder eben
weiterlaufen. Der Bezug von frischem Obst war also gesichert, nun
musste nur noch eine Quelle für feste Nahrung ausfindig gemacht
werden und das war gar nicht so einfach. Wir reisten am 24. Januar
ein und am 28. Jaunar begann das Tet-Fest, das vietnamesische
Neujahrsfest und ist vergleichbar mit der Zeit bei uns um Weihnachten
und Silvester.Das ganze Land ist in Aufruhr und steckt in den
Vorbereitungen. Viele Menschen sind bereits losgereist zu ihren
Familien, die in anderen Teilen des Landes wohnen und das hat
zurfolge, dass viele Geschäfte, Läden und Restaurants schon jetzt
geschlossen sind. Und zwar sehr viele um genau zu sein. Wir
verbrachten zwei Tage in Ha Tien und fanden grad mal eine
Anlaufstelle in der Stadt, aber ein richtiges Schmuckstück
entdeckten wir auf der anderen Flußseite, außerhalb des Zentrums.
Wir waren grad auf dem Weg zum Busbahnhof, der in dieser Gegend
gelegen ist, um uns schon Tickets für die Weiterfahrt zu sichern. Da
fanden wir in einer kleinen Querstraße ein kleines Schild, auf dem
„com chay“ stand, was soviel bedeutet wie „Reis mit Gemüse“.
Zum Glück drückt sich die vietnamesische Schreibsprache in
lateinischen Lettern aus, so war die Sprachbarierre nicht mehr all zu
groß. Wir gingen zu der familiengeführten Essensstelle und aßen
uns pappsatt an dem leckeren Essen. Hinzu kam der unschlagbare
günstige Preis von 5.000 Dong, was etwas um die 20 Cent pro Mahlzeit
entspricht. 20 Cent hat jeder.
Die Stadt an sich hat bis auf dem Markt
und dem Flussufer nicht sehr viel zu bieten, aber für einen kurzen
Aufenthalt war es schon okay dort. Vor allem lernten wir dort, dass wir
unsere Fähigkeiten im Handeln stark verbessern müssen, die
vietnamesischen Händlerinnen sind wahre Profis und lassen die
thailändischen und kambodschanischen Händler ziemlich alt aussehen.
Rückblickend gesehen haben wir auf dem Markt in Ha Tien
durchschnittlich den vierfachen Preis vom Realwert bezahlt.
Da das Tet-Fest nun bevorstand und in
Ha Tien, das immerhin 90.000 Einwohner hat, kaum Restaurants offen
hatten, entschlossen wir uns während der Feiertage in einer größeren
Stadt zu verweilen. Das hatte zudem den Vorteil einen besseren
Einblick in die Tradition dieses Festes zu bekommen, da in größeren
Orten naturgemäß größer gefeiert wird. Wir entschlossen uns mit
dem Bus nach Can Tho zu fahren, einer Stadt etwas kleiner als
München. Wir buchten vorsichtshalber vorab ein Zimmer und hatten
Glück. Schön sauber war es, kein Schimmel und es wurde sogar alle
zwei Tage sauber gemacht und frische Bettwäsche bezogen. Ein Novum
auf unserer Reise. Wir stationierten uns mitten im Zentrum in einer
regen Seitengasse mit vielen Obstständen. Dort zahlten wir noch mehr
als in Ha Tien, also begannen wir die Zahlen zu lernen und ein paar
Standardfloskeln. Und siehe da, bei dem ein oder anderen Händler gab
es nun die ersten Rabatte. In so ein großer Stadt mangelte es auch
nicht an Angebot und so fanden wir nach zwei Tagen sogar ein Stand,
an dem wir gar nicht erst zu handeln brauchten, weil die Preise für
uns okay waren. Restaurants mit vegetarischem Angebot hatten auch
einige offen, sogar während der Tet-Zeit. Das Fest an sich feierten
wir zunächst am Abend vor „Silvester“ auf einem großen Platz
mit einer Bühne und Show. Diese war gegen 22 Uhr zu Ende und die
Menschen machten sich auf zum Flussufer. Auf dem Weg dorthin liefen
wir einen endlos langgezogenen Park entlang, der mit Blumen, Figuren
und jeder Menge Lichtern geschmückt war. Am Flussufer verbrachten wir
dann die Zeit bis Mitternacht. Komischerweise blieb ein Feuerwerk
aus, obwohl eines in Planung stand. Auch eine Feuerwehr war anwesend.
Kurz nach 0 Uhr zogen die Menschen verdutzt wieder Richtung
Innenstadt und Park. Die nächsten Tage war dann schon deutlich
weniger los auf den Straßen. Der Verkehr war trotzdem noch verrückt,
aber überschaubar und es gab nur noch ein paar wenige Verkäufer am
Straßenrand. Wir schauten uns in dieser Zeit die Stadt an, was recht
angenehm war, wenn man nicht immer gucken muss, wo man genau hintritt
und von wo der nächste Roller kommt.
Es gibt dort einen richtig tollen Park
entlang dem Flussufer von etwa einem Kilometer Länge sowie kleinere
Parks inmitten der Stadt. Die waren wegen dem Tet-Fest besonders
schön ausgeschmückt.
Außerdem gibt es neben den großen
Boulevards auch kleine Straßen und Gassen, die sich gut zum
Spazieren eignen. Von unserem Hotel aus konnten wir sogar Bustickets
für die nächste Station buchen. Wir hatten uns den Ort Ben Tre
ausgeschaut, denn dort soll es angeblich viele Süßigkeiten
hergestellt aus Kokosnüssen geben.
Es gibt zwei Sachen in Vietnam, die uns
absolut gar nicht gefallen. Eine Sache ist, dass man als Tourist
ausschließlich als Goldesel angesehen wird. Ich meine damit nicht,
dass man auf dem Markt oder beim Essen in einer lokalen Kantine den
doppelten Preis als üblich bezahlt. Damit haben wir an sich kein
Problem und das ist uns in anderen Ländern auch schon passiert und
absolut legitim. Aber in Vietnam haben wir nach nun bereits etwas
über drei Wochen Erfahrungen gemacht, die uns den Aufenthalt etwas
verderben und es uns schwer machen offene Menschen von denen, die nur
unser Geld wollen, zu unterscheiden. Wir kommen einfach nicht an die Menschen ran, unsere sozialen Beziehungen und Gespräche mit Einheimischen sind fast ausschließlich geschäftlicher Natur. Hier sind wir froh meist „nur“
den doppelten Preis für die alltäglichen Dinge zu zahlen. Ich werde
in jedem Bericht mal die „beste“ Geschichte raushauen.
In Can Tho trafen wir in einem der
Parks auf Xui, einem 18-jährigen und cleveren Burschen. Er warnte
uns quasi schon vor und zu unserem Erstaunen äußerte er sich auch
nicht grade positiv zu seinen Landsleuten. Unseren ersten richtigen
Knaller erlebten wir dann bei der Zimmersuche in Bent Tre. Der Ort
ist mit knapp 200.000 Einwohnern wieder deutlich kleiner als Can Tho
und auch hier hatten viele Geschäfte noch geschlossen aufgrund des
Tet-Festes. Bei den Hotels sah es ähnlich aus. Viele waren
ausgebucht oder verlangten absurd hohe Preise. Dann liefen wir wieder
etwas zurück, um außerhalb der Stadt nach einem Zimmer zu suchen.
Wir liefen dann auf einen Grundstück, das nach privater Vermietung
roch und hatten Recht. Ein paar Augenblicke später standen zwei alte
Frauen mit ihrer Enkelin vor uns, die dolmetschte. Zuerst wurde uns
gesagt, dass ein Zimmer 300.000 Dong kosten würde. Das war uns zu
viel und als wir kehrt machen wollten, rief uns die junge
Dolmetschterin 200.000 Dong hinterher. Wir ließen uns das Zimmer zeigen
und um jeglichen Missverständnissen aus dem Weg zu gehen, hakten wir
noch mal wegen dem Preis nach, der uns mit 200.000 Dong bestätigt
wurde. Danach fiel die Tür ins Schloss und Jenny wie auch ich
entledigten uns augenblicklich unserer Blase. Unmittelbar danach
klopfte es Sturm an unserer Tür und die beiden alten Frauen standen
vor der Tür und redeten wie wild auf ihre Enkelin ein, die uns
mitteilte, dass das Zimmer nun doch 300.000 Dong kosten würde. Okay,
kein Problem, dachten wir uns und schnallten uns unsere Rucksäcke
auf, um ein anderes Zimmer zu finden. Damit hatten die alten Frauen
nicht gerechnet und stellten sich kurzerhand in den Türrahmen. Die
Enkelin, die uns richtig Leid tat und sich tausendmal entschuldigte,
versuchte uns zum Bleiben zu überreden, doch wir blieben unserer
Linie natürlich treu. Das Zimmer war zwar auf dem ersten Blick
sauber, jedoch schlicht und hatte nicht mal ein Fenster. Auf keinen
Fall war es das Geld wert, schon gar nicht wenn man noch die Lage von
fünf Kilometer abseits des Stadtzentrums berücksichtigt. Aber mal
ganz abgesehen vom Geld, es handelt sich hier immerhin nur um ein
paar Euro, ist die Masche doch recht mies. Erst runtergehen mit dem
Preis, um direkt nach dem Zusagen wieder hochzugehen. Die groteske
Situation wollte auch kein Ende nehmen, selbst als die Frauen
begriffen, dass wir auf jeden Fall wieder abziehen würden. Nun
wollten sie doch wenigstens Geld haben, für das Benutzen der
Toilette. 50.000 Dong, was etwa zwei Euro sind und ein
ziemlich taktloser Preis ist, wenn man bedenkt, dass öffentliche
Toiletten 2.000 Dong kosten. Manchmal auch 4.000, denn auch da zahlt
der Touri drauf. Jenny platzte fast der Kragen, während ich die
Möglichkeit ergriff und der Enkelin unsere Reisepässe wieder
abnahm, die wir vorher schon abgegeben hatten. Danach drängelten wir
uns durch die Tür und gingen weiter auf Zimmersuche. Wir dachten,
ist das grad wirklich passiert?
Irgendwann fanden wir dann etwas
abseits der Stadt doch eines, immerhin in Nähe des Busbahnhofs. Ben Tre an sich ist auch ein nettes Städtchen. Wir haben in den
anderthalb Tagen dort einiges von der Stadt gesehen, schon alleine
weil wir dauernd auf Essenssuche waren. Am Flussufer gab es einen
kleinen Obstmarkt, auf dem sich der letzte Touri vermutlich vor
längerer Zeit hin verirrt hat. Zumindest konnten wir all unser Obst
zum Originalpreis kaufen, da die Preise auf kleinen Kartonstücken
aufgezeichnet waren. So konnten wir für nur einen Dollar vier
Kilogramm bzw elf Stück Drachenfrüchte kaufen. Die lokalen
Süßigkeitenstände fanden wir auch und tatsächlich, dort gab es
leckere Kokosnuss-Bonbons. Wäre das Tet-Fest schon vorüber gewesen
und es wäre etwas mehr los gewesen in Ben Tre, dann wären wir
sicher noch ein oder zwei Tage länger geblieben. Jennys Geburtstag
stand jedoch bevor und den wollten wir sicher nicht damit verbringen,
den halben Tag nach etwas Essbaren Ausschau zu halten. Wir zogen
weiter in die größte Stadt des Landes, Ho-Cho-Minh-Stadt ehemals
Saigon. Hier leben 7,5 Millionen Menschen, eine Megametropole also.
Jedoch kam uns die Stadt recht entspannt vor. Klar, der Verkehr ist
irre, aber wo nicht in Asien? Dafür gab es hier richtige Fußwege
und Bürgersteige, die einluden durch die Stadt zu spazieren. Und so
taten wir es auch. Einen Tag sind wir ins Zentrum und haben uns die
Kathedrale und den Markt angeschaut und sind einfach ziellos durch
die Stadt gelaufen. Einen anderen Tag waren wir in Chinatown, das war
schon ein längerer Fußmarsch, vor allem bei der Hitze. Unser Hotel
lag ziemlich günstig in der Nähe eines großen Parks, in dem wir
uns Abend oft setzten und schauten wie die Menschen Da Cau spielten
oder anderen Sportarten und -spielen nachgingen. Bis jetzt gab es in
jeder Stadt ein ziemlich leckeres Getränk in den Straßen zu kaufen.
Frischgepresster Zuckerrohrsaft mit einem Schuss Limette und auf
Eiswürfeln. Der ist richtig lecker und war immer unser
Feierabendgetränk. In einer kleinen Gasse fanden wir dann auch noch
éinen schönen Straßenstand, der für uns leckeres Essen zauberte.
Meist gab es Nudeln oder Reis, aber die vietnamesische Küche ist
auch bekannt für ihre Pancakes. Dabei handelt es sich um Plinse,
deren Füllung man sich aussuchen kann. Es gibt sie mit Früchten,
aber auch Käse und Fleisch. Wir entschieden uns für die
Gemüsevariante und wurden nicht enttäuscht. Sehr lecker wars
gewesen, so sehr sogar, dass wir die letzten beiden Tage mehr
Pancakes aßen als „richtige“ Mahlzeiten. An Jennys Geburtstag
gingen wir dann in den botanischen Garten und Zoo, es ist alles ein
riesiges Gelände in der Nähe des Flussufers. Dort brauchten wir
auch fast den ganzen Tag, um alles anzuschauen. Danach waren wir
platt. Ho-Cho-Minh-Stadt hat uns super gefallen, doch wie immer nach
dem Aufenthalt in einer großen Stadt, brauchen wir dann erst einmal
ein paar Tage Ruhe und Erholung. Da kam der Küstenort Mui Ne genau
richtig auf unserer Reiseroute...
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