Mittwoch, 15. Februar 2017

Im Mekong-Delta

Von Kep nahmen wir einen Bus nach Ha Tien, dem ersten Ort nach der kambodschanisch-vietnamesischen Grenze. An der Grenze mussten wir etwas warten und in einen anderen Bus umsteigen. Dort lernten wir ein kanadisches Pärchen und einen Weißrussen kennen. Zusammen fuhren wir dann weiter, jedoch nicht lange. Ha Tien erreichten wir schon eine halbe Stunde nach dem Grenzposten, während die anderen weiter nach Ho-Cho-Minh-Stadt fuhren. Die Zimmersuche entpuppte sich als recht einfach, da wir mitten im Zentrum rausgelassen wurden. Wir fanden schon nach wenigen Minuten ein riesengroßes und günstiges Zimmer, vergaßen jedoch einen Blick in das Bad zu werfen, welches ziemlich verschimmelt war. Immerhin hatte es eine Tür, sodass wir das Bad unter Quarantäne stellen konnten. Als wir dann raus auf Erkundungstour gingen, staunten wir nicht schlecht. Wir hatten gleich um die Ecke einen großen Markt stehen mit einem unglaublich großen Angebot an Früchten. So eine Vielfalt hatten wir das letzte Mal in Thailand gehabt. Vor allem die Pitahayas, auch als Drachenfrüchte bekannt, haben es uns sehr angetan. Allerdings mussten wir ganz schön suchen, um einen akzeptablen Preis zu finden. In Vietnam muss wirklich bei allem gehandelt werden, sonst bezahlt man teilweise einen höheren Preis als in Deutschland. Und das geht eben schon beim Obst los. Einziges Tabu ist es bei Waren zu handeln, die mit einem Festpreis ausgeschrieben sind. Da sollte man zu diesem Preis kaufen oder eben weiterlaufen. Der Bezug von frischem Obst war also gesichert, nun musste nur noch eine Quelle für feste Nahrung ausfindig gemacht werden und das war gar nicht so einfach. Wir reisten am 24. Januar ein und am 28. Jaunar begann das Tet-Fest, das vietnamesische Neujahrsfest und ist vergleichbar mit der Zeit bei uns um Weihnachten und Silvester.Das ganze Land ist in Aufruhr und steckt in den Vorbereitungen. Viele Menschen sind bereits losgereist zu ihren Familien, die in anderen Teilen des Landes wohnen und das hat zurfolge, dass viele Geschäfte, Läden und Restaurants schon jetzt geschlossen sind. Und zwar sehr viele um genau zu sein. Wir verbrachten zwei Tage in Ha Tien und fanden grad mal eine Anlaufstelle in der Stadt, aber ein richtiges Schmuckstück entdeckten wir auf der anderen Flußseite, außerhalb des Zentrums. Wir waren grad auf dem Weg zum Busbahnhof, der in dieser Gegend gelegen ist, um uns schon Tickets für die Weiterfahrt zu sichern. Da fanden wir in einer kleinen Querstraße ein kleines Schild, auf dem „com chay“ stand, was soviel bedeutet wie „Reis mit Gemüse“. Zum Glück drückt sich die vietnamesische Schreibsprache in lateinischen Lettern aus, so war die Sprachbarierre nicht mehr all zu groß. Wir gingen zu der familiengeführten Essensstelle und aßen uns pappsatt an dem leckeren Essen. Hinzu kam der unschlagbare günstige Preis von 5.000 Dong, was etwas um die 20 Cent pro Mahlzeit entspricht. 20 Cent hat jeder.
Die Stadt an sich hat bis auf dem Markt und dem Flussufer nicht sehr viel zu bieten, aber für einen kurzen Aufenthalt war es schon okay dort. Vor allem lernten wir dort, dass wir unsere Fähigkeiten im Handeln stark verbessern müssen, die vietnamesischen Händlerinnen sind wahre Profis und lassen die thailändischen und kambodschanischen Händler ziemlich alt aussehen. Rückblickend gesehen haben wir auf dem Markt in Ha Tien durchschnittlich den vierfachen Preis vom Realwert bezahlt.
Da das Tet-Fest nun bevorstand und in Ha Tien, das immerhin 90.000 Einwohner hat, kaum Restaurants offen hatten, entschlossen wir uns während der Feiertage in einer größeren Stadt zu verweilen. Das hatte zudem den Vorteil einen besseren Einblick in die Tradition dieses Festes zu bekommen, da in größeren Orten naturgemäß größer gefeiert wird. Wir entschlossen uns mit dem Bus nach Can Tho zu fahren, einer Stadt etwas kleiner als München. Wir buchten vorsichtshalber vorab ein Zimmer und hatten Glück. Schön sauber war es, kein Schimmel und es wurde sogar alle zwei Tage sauber gemacht und frische Bettwäsche bezogen. Ein Novum auf unserer Reise. Wir stationierten uns mitten im Zentrum in einer regen Seitengasse mit vielen Obstständen. Dort zahlten wir noch mehr als in Ha Tien, also begannen wir die Zahlen zu lernen und ein paar Standardfloskeln. Und siehe da, bei dem ein oder anderen Händler gab es nun die ersten Rabatte. In so ein großer Stadt mangelte es auch nicht an Angebot und so fanden wir nach zwei Tagen sogar ein Stand, an dem wir gar nicht erst zu handeln brauchten, weil die Preise für uns okay waren. Restaurants mit vegetarischem Angebot hatten auch einige offen, sogar während der Tet-Zeit. Das Fest an sich feierten wir zunächst am Abend vor „Silvester“ auf einem großen Platz mit einer Bühne und Show. Diese war gegen 22 Uhr zu Ende und die Menschen machten sich auf zum Flussufer. Auf dem Weg dorthin liefen wir einen endlos langgezogenen Park entlang, der mit Blumen, Figuren und jeder Menge Lichtern geschmückt war. Am Flussufer verbrachten wir dann die Zeit bis Mitternacht. Komischerweise blieb ein Feuerwerk aus, obwohl eines in Planung stand. Auch eine Feuerwehr war anwesend. Kurz nach 0 Uhr zogen die Menschen verdutzt wieder Richtung Innenstadt und Park. Die nächsten Tage war dann schon deutlich weniger los auf den Straßen. Der Verkehr war trotzdem noch verrückt, aber überschaubar und es gab nur noch ein paar wenige Verkäufer am Straßenrand. Wir schauten uns in dieser Zeit die Stadt an, was recht angenehm war, wenn man nicht immer gucken muss, wo man genau hintritt und von wo der nächste Roller kommt.
Es gibt dort einen richtig tollen Park entlang dem Flussufer von etwa einem Kilometer Länge sowie kleinere Parks inmitten der Stadt. Die waren wegen dem Tet-Fest besonders schön ausgeschmückt.
Außerdem gibt es neben den großen Boulevards auch kleine Straßen und Gassen, die sich gut zum Spazieren eignen. Von unserem Hotel aus konnten wir sogar Bustickets für die nächste Station buchen. Wir hatten uns den Ort Ben Tre ausgeschaut, denn dort soll es angeblich viele Süßigkeiten hergestellt aus Kokosnüssen geben.
Es gibt zwei Sachen in Vietnam, die uns absolut gar nicht gefallen. Eine Sache ist, dass man als Tourist ausschließlich als Goldesel angesehen wird. Ich meine damit nicht, dass man auf dem Markt oder beim Essen in einer lokalen Kantine den doppelten Preis als üblich bezahlt. Damit haben wir an sich kein Problem und das ist uns in anderen Ländern auch schon passiert und absolut legitim. Aber in Vietnam haben wir nach nun bereits etwas über drei Wochen Erfahrungen gemacht, die uns den Aufenthalt etwas verderben und es uns schwer machen offene Menschen von denen, die nur unser Geld wollen, zu unterscheiden. Wir kommen einfach nicht an die Menschen ran, unsere sozialen Beziehungen und Gespräche mit Einheimischen sind fast ausschließlich geschäftlicher Natur. Hier sind wir froh meist „nur“ den doppelten Preis für die alltäglichen Dinge zu zahlen. Ich werde in jedem Bericht mal die „beste“ Geschichte raushauen.
In Can Tho trafen wir in einem der Parks auf Xui, einem 18-jährigen und cleveren Burschen. Er warnte uns quasi schon vor und zu unserem Erstaunen äußerte er sich auch nicht grade positiv zu seinen Landsleuten. Unseren ersten richtigen Knaller erlebten wir dann bei der Zimmersuche in Bent Tre. Der Ort ist mit knapp 200.000 Einwohnern wieder deutlich kleiner als Can Tho und auch hier hatten viele Geschäfte noch geschlossen aufgrund des Tet-Festes. Bei den Hotels sah es ähnlich aus. Viele waren ausgebucht oder verlangten absurd hohe Preise. Dann liefen wir wieder etwas zurück, um außerhalb der Stadt nach einem Zimmer zu suchen. Wir liefen dann auf einen Grundstück, das nach privater Vermietung roch und hatten Recht. Ein paar Augenblicke später standen zwei alte Frauen mit ihrer Enkelin vor uns, die dolmetschte. Zuerst wurde uns gesagt, dass ein Zimmer 300.000 Dong kosten würde. Das war uns zu viel und als wir kehrt machen wollten, rief uns die junge Dolmetschterin 200.000 Dong hinterher. Wir ließen uns das Zimmer zeigen und um jeglichen Missverständnissen aus dem Weg zu gehen, hakten wir noch mal wegen dem Preis nach, der uns mit 200.000 Dong bestätigt wurde. Danach fiel die Tür ins Schloss und Jenny wie auch ich entledigten uns augenblicklich unserer Blase. Unmittelbar danach klopfte es Sturm an unserer Tür und die beiden alten Frauen standen vor der Tür und redeten wie wild auf ihre Enkelin ein, die uns mitteilte, dass das Zimmer nun doch 300.000 Dong kosten würde. Okay, kein Problem, dachten wir uns und schnallten uns unsere Rucksäcke auf, um ein anderes Zimmer zu finden. Damit hatten die alten Frauen nicht gerechnet und stellten sich kurzerhand in den Türrahmen. Die Enkelin, die uns richtig Leid tat und sich tausendmal entschuldigte, versuchte uns zum Bleiben zu überreden, doch wir blieben unserer Linie natürlich treu. Das Zimmer war zwar auf dem ersten Blick sauber, jedoch schlicht und hatte nicht mal ein Fenster. Auf keinen Fall war es das Geld wert, schon gar nicht wenn man noch die Lage von fünf Kilometer abseits des Stadtzentrums berücksichtigt. Aber mal ganz abgesehen vom Geld, es handelt sich hier immerhin nur um ein paar Euro, ist die Masche doch recht mies. Erst runtergehen mit dem Preis, um direkt nach dem Zusagen wieder hochzugehen. Die groteske Situation wollte auch kein Ende nehmen, selbst als die Frauen begriffen, dass wir auf jeden Fall wieder abziehen würden. Nun wollten sie doch wenigstens Geld haben, für das Benutzen der Toilette. 50.000 Dong, was etwa zwei Euro sind und ein ziemlich taktloser Preis ist, wenn man bedenkt, dass öffentliche Toiletten 2.000 Dong kosten. Manchmal auch 4.000, denn auch da zahlt der Touri drauf. Jenny platzte fast der Kragen, während ich die Möglichkeit ergriff und der Enkelin unsere Reisepässe wieder abnahm, die wir vorher schon abgegeben hatten. Danach drängelten wir uns durch die Tür und gingen weiter auf Zimmersuche. Wir dachten, ist das grad wirklich passiert?
Irgendwann fanden wir dann etwas abseits der Stadt doch eines, immerhin in Nähe des Busbahnhofs. Ben Tre an sich ist auch ein nettes Städtchen. Wir haben in den anderthalb Tagen dort einiges von der Stadt gesehen, schon alleine weil wir dauernd auf Essenssuche waren. Am Flussufer gab es einen kleinen Obstmarkt, auf dem sich der letzte Touri vermutlich vor längerer Zeit hin verirrt hat. Zumindest konnten wir all unser Obst zum Originalpreis kaufen, da die Preise auf kleinen Kartonstücken aufgezeichnet waren. So konnten wir für nur einen Dollar vier Kilogramm bzw elf Stück Drachenfrüchte kaufen. Die lokalen Süßigkeitenstände fanden wir auch und tatsächlich, dort gab es leckere Kokosnuss-Bonbons. Wäre das Tet-Fest schon vorüber gewesen und es wäre etwas mehr los gewesen in Ben Tre, dann wären wir sicher noch ein oder zwei Tage länger geblieben. Jennys Geburtstag stand jedoch bevor und den wollten wir sicher nicht damit verbringen, den halben Tag nach etwas Essbaren Ausschau zu halten. Wir zogen weiter in die größte Stadt des Landes, Ho-Cho-Minh-Stadt ehemals Saigon. Hier leben 7,5 Millionen Menschen, eine Megametropole also. Jedoch kam uns die Stadt recht entspannt vor. Klar, der Verkehr ist irre, aber wo nicht in Asien? Dafür gab es hier richtige Fußwege und Bürgersteige, die einluden durch die Stadt zu spazieren. Und so taten wir es auch. Einen Tag sind wir ins Zentrum und haben uns die Kathedrale und den Markt angeschaut und sind einfach ziellos durch die Stadt gelaufen. Einen anderen Tag waren wir in Chinatown, das war schon ein längerer Fußmarsch, vor allem bei der Hitze. Unser Hotel lag ziemlich günstig in der Nähe eines großen Parks, in dem wir uns Abend oft setzten und schauten wie die Menschen Da Cau spielten oder anderen Sportarten und -spielen nachgingen. Bis jetzt gab es in jeder Stadt ein ziemlich leckeres Getränk in den Straßen zu kaufen. Frischgepresster Zuckerrohrsaft mit einem Schuss Limette und auf Eiswürfeln. Der ist richtig lecker und war immer unser Feierabendgetränk. In einer kleinen Gasse fanden wir dann auch noch éinen schönen Straßenstand, der für uns leckeres Essen zauberte. Meist gab es Nudeln oder Reis, aber die vietnamesische Küche ist auch bekannt für ihre Pancakes. Dabei handelt es sich um Plinse, deren Füllung man sich aussuchen kann. Es gibt sie mit Früchten, aber auch Käse und Fleisch. Wir entschieden uns für die Gemüsevariante und wurden nicht enttäuscht. Sehr lecker wars gewesen, so sehr sogar, dass wir die letzten beiden Tage mehr Pancakes aßen als „richtige“ Mahlzeiten. An Jennys Geburtstag gingen wir dann in den botanischen Garten und Zoo, es ist alles ein riesiges Gelände in der Nähe des Flussufers. Dort brauchten wir auch fast den ganzen Tag, um alles anzuschauen. Danach waren wir platt. Ho-Cho-Minh-Stadt hat uns super gefallen, doch wie immer nach dem Aufenthalt in einer großen Stadt, brauchen wir dann erst einmal ein paar Tage Ruhe und Erholung. Da kam der Küstenort Mui Ne genau richtig auf unserer Reiseroute...

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