In
der Hauptstadt hatte sich inzwischen natürlich nichts geändert. Der
Verkehr war ein totales Chaos und die Tuk-Tukfahrer penetrierten uns
mit ihren ständigen Fragen und Angeboten. Dennoch war es wieder
schön dort zu sein, das erste Mal auf der gesamten Reise, dass wir
in einem Ort zweimal bleiben würden. Der Bus hielt auf einem völlig
anderen Bahnhof, sodass wir erstmal durch die halbe Stadt mussten.
Wenn man beim Essen schon nur noch Einheimischenpreise bezahlt und
dann auch noch eine doppeltgroße Portion bekommt, dann kann man
sicher sein gaaanz weit weg vom Schlag zu sein. Auch unser Hotel lag
diesmal in einem etwas anderem Viertel, aber wir fanden den etwas zu
langen Weg ohne Irrtümer. So chaotisch der Verkehr ist, so genial
ist das Straßennetz Phnom Penhs. Die Straßen haben alle Nummern,
nur die größeren Straßen sind auch zusätzlich mit Namen versehen.
Dabei führen alle geraden Straßen meist von West nach Ost, die
Ungeraden von Nord nach Süd, so weiß man an jeder Kreuzung wo man
grade steckt und in welche Richtung man muss, wenigstens so ungefähr.
Unser
Zimmer war gut, auch wenn´s jetzt doppelt so weit weg zum Nachtmarkt
war und so entschlossen wir uns gleich nochmal zwei volle Tage zu
bleiben. Wie schon geschrieben, zum erstem Mal hatten wir nun einen
doppelten Aufenthalt zu vermerken und das fühlte sich toll an. Wir
kannten die Wege, wussten wo es was zu essen gab und machten zu dem
auch noch andere Gegenden unsicher. Ich mag das Wort eigentlich gar
nicht nutzen, aber doch, wir fühlten uns in gewisser Hinsicht schon
etwas heimisch, zu Hause. Tagsüber schlenderten wir durch die
Straßen und Gegenden, die wir noch nicht kannten. Am Morgen und am
Abend stärkten wir uns auf dem Cental Markt und Nachtmarkt. Dass
unser Verkäufer auf dem Cental Markt uns wiedererkannte erstaunte
uns nicht, wir haben beide darauf gewettet, so oft hatten wir schon
bei ihm gefrühstückt. Aber dass wir sogar auf dem Nachtmarkt
wiedererkannt wurden, dass hätten wir beide nicht gedacht. Dort ist
nun doch schon deutlich mehr Betrieb und Touristen und Einheimische
sind dort zu gleichen Anteilen vertreten. Vielleicht lag es daran,
dass wir uns immer etwas in der Landessprache versuchen. Vor allem
unser Essen wollen wir so immer bestellen und das führt manchmal zu
ziemlich ulkigen Situationen.
Für
unsere letzten Tage in Kambodscha haben wir uns den Süden
aufgespart, endlich würde es an die Küste, ans Meer gehen. Im
Prinzip gibt es drei „große“ Sehenswürdigkeiten in diesem Land:
natürlich denkt jeder Tourist erstmal an Angkor Wat, die klare
Nummer eins. Dann gibt es noch für Geschichtsinteressierte die
Killing Fields und das Genozidmuseum in und um Phnom Penh. In den
70er Jahren herrschten hier die roten Khmer, die dafür sorgten, dass
Kambodschas jüngste Vergangenheit blutdurchtränkt und tiefschwarz
ist. Die Schandtaten und das Ausmaß dessen, was sich hierzulande
abspielte, kann man ziemlich gut mit Nazi-Deutschland vergleichen.
Und
dann gibt es noch die Strände um den Badeort Sihanoukville. Wer in
Kambodscha feiern will und Malle-Feeling sucht, der ist hier genau
richtig. Da wir aber nur noch eine gute Woche zur Verfügung hatten
und wir das Feiern lieber anderen überlassen, entschieden wir uns
dafür zwei andere Küstenorte, unweit von Sihanoukville, zu
besuchen. Der erste Ort hieß Kampot. Dort quartierten wir uns ein
paar Tage ein, denn es ließ sich dort auch ziemlich gut aushalten.
Die Straßenstände waren super lecker und die Menschen dort sind
sehr nett und aufgeschlossen. Aus Kampot kommt übrigens ein Pfeffer,
der wohl auch international an Bedeutung gewann, schlicht und einfach
als Kampot-Pfeffer bekannt. Auf den Tischen der Straßenstände war
er auch zu finden und so mussten wir nicht extra die $40 pro
Kilogramm löhnen, die man wohl direkt beim Bauer bezahlt. Ist auf
jeden Fall sehr lecker und auch Jenny, die eigentlich nicht sehr oft
nachwürzt, streute sich diesen über all ihre Portionen. Ein
Highlight in diesen Tagen war sicherlich das Erkunden der Insel. Der
Ort ist quasi durch Flussverläufe dreigeteilt. Auf der einen Seite
gibt es das Stadtzentrum mit allem drum und dran: Restaurants,
Reiseagenturen, Busbahnhof, Märkte usw. Auf der anderen Seite geht’s
weniger touristisch zu, dort hatten wir uns ein Zimmer genommen und
wurden schon manchmal mit großen Augen angeguckt, wenn wir durch die
Straßen liefen. Von unserem Stadtteil aus konnte man noch auf eine
kleine Insel fahren. Diese erkundeten wir per Fahrrad an einem Tag
und dort geht es noch richtig ursprünglich zur Sache. Die einfachen
Hütten und das Verschmelzen des alltäglichen Lebens der Menschen
dort mit dem Wasser ist wirklich unglaublich. Außerdem verirrten
sich dort anscheinend noch weniger Weiße hin als angenommen, wir
wurden alle paar hundert Meter mit „Hello, hello“-Rufen
empfangen. Die Kinder kamen an und wollten uns anfassen, solche
Momente sind wirklich sehr schön, auch für uns, wenn wir sehen wie
sich die Kleinen freuen und ihre Neugier ausleben können. Wir fuhren
also einmal um die gesamte Insel, auf der andere Seite fanden wir
endlos lange Salzfelder. Das war auch wieder so eine Insel, die auf
der Karte recht winzig wirkt, ist man erstmal auf ihr, kann man sich
jedoch kaum vorstellen auf einer Insel zu sein, bei solch scheinbar
endlosen Weiten.
An
anderen Tagen blieben wir dann in der Stadt und schlenderten durch
die Gegend. Der Nachtmarkt war okay, der große Markt am Tage wirkte
da schon eher wie eine kleine Stadt in der Stadt. Einmal waren wir in
einem Restaurant essen und als wir da so draußen saßen, beobachtete
ich einen älteren Herr mit Zauselbart. Er trank ein paar Bier und
rauchte selbstgedrehte Zigaretten, die eher wie Tüten aussahen. Als
er seine Rauchware im Restaurant verkaufen wollte, wurde ich
neugierig und wir kamen ins Gespräch. So lernten wir Old Joe kennen,
einem Mitte 50-jährigen Aussteiger, der in den letzten zwölf Jahren
nur als Gast nach Deutschland geflogen ist. Knapp zehn Jahre hat er
in Thailand gelebt, nun lebt er in Kambodscha und verkauft Tabak. Mit
Anfang 40 war er einem Burnout nahe und als Leiharbeiter hatte
er immer nur schlecht bezahlte und unsichere Jobs. Er schmiss hin und
ging nach England, um dort ein paar Monate zu leben und ein
Zertifikat an irgendeiner Schule als Englischlehrer zu machen. Danach
ging es dann nach Thailand, wo er auch tatsächlich jahrelang an
Schulen gearbeitet hat. Jedoch kamen ihm immer wieder Visaprobleme
und Gesetzesänderungen in die Quere, sodass er von Thailand die
Schnauze voll hatte und rüber nach Kambodscha machte. Hier braucht
man wohl nicht mal sein längeres Verweilen begründen, keine
Einkommensnachweise oder dergleichen und man muss nicht mal nach
Phnom Penh, um sein Visa zu verlängern. Die Kohle und den Reisepass
für ein paar Tage abgeben und schon hat man für die nächsten 12
Monate wieder Ruhe. Er finanziert sich sein Leben mit dem Verkauf von
Tabak (muss ein spezieller sein) und ab und an mal
Englischunterricht, aber nur noch privat und nicht an Schulen. Ist
auf jeden Fall immer interessant jemanden zu zuhören, der so radikal
sein Leben ändert, ohne zu quatschen und großartig Pläne zu
schmieden.
Am
letzten Abend saßen wir grade in einem Park, da kamen ein paar junge
Männer und spielten Da Cau. Dabei handelt es sich um eine Art
Fedeballspiel, das mit dem Fuß gespielt wird. Wir haben das auch
schon öfter mal gesehen, vor allem auf der langen Uferpromenade in
Phnom Penh. Nun hatte ich sogar die Gelegenheit mitzuspielen, da uns
die Jungs fragten und natürlich spielte ich etwas mit. Es macht
richtig viel Spaß und ist viel einfacher als Hackisack, falls die
noch jemanden in Erinnerung geblieben sind. Die Jungs, die Da Cau
natürlich öfter spielten, hatten richtige karateähnliche und
akrobatische Showeinlagen drauf. Dem Spiel schon zu zuschauen macht
Spaß, es selbst zu spielen noch viel mehr und außerdem war es mal
wieder ein Beweis mehr dafür, wie unwichtig es im Prinzip ist, nicht
ansatzweise die Sprache des anderen zu sprechen und verstehen, wir
haben alle viel gelacht. Als es dunkel wurde machten wir uns auf zum
Essen und nach Hause. Schon am nächsten Morgen ging es für uns nach
Kep, der letzten Station in Kambodscha. Kep ist ein richtig kleiner
Ort, hat jedoch ein paar Sachen zu bieten. Natürlich freuten wir uns
schon seit Wochen, Monaten endlich aufs Meer. Das fanden wir dort,
sodass wir natürlich die meiste Zeit am Strand verbrachten und
unsere Oberkörper nachbräunten. Die Balkansonne ist schon eine
Weile her. An einem Tag besuchten und wanderten wir durch den
Nationalpark, der nicht weit weg war. Ein schönes und ruhiges
Stückchen Natur mit guter Aussicht auf Kep und das Meer. Wir trafen
dort ein anderes deutsches Paar, die schon fast genauso lange
unterwegs waren wie wir und wanderten ein Teil der Strecke zusammen.
Eine weitere Sehenswürdigkeit ist der Krabbenmarkt. Jeder der auf
Seefrüchte, Fisch und alles, was aus dem Meer kommt steht, sollte
sich diesen nicht entgehen lassen. Dort kauften wir auch unser Obst.
Unser Hotel war etwa zwei Kilometer außerhalb von Ort und Strand,
wir liehen uns immer ein Fahrrad aus und erkundeten auch noch die
restliche Gegend entlang des Meeres. Ganz oben über den Zimmern,
hatte unser Hotel noch ein schönes Restaurant mit Blick aufs Meer.
War zwar etwas teurer als gewohnt, aber das Essen war großartig und
die Portionen waren auch nicht ohne. So verbrachten wir einige
zeitlose Tage in einer Gegend, in der es sich auch für ein paar
Wochen aushalten lässt. Immer wenn wir uns nur nach dem Stand der
Sonne orientieren wann wir aufstehen oder abends wieder nach Hause
fahren und wir nicht einmal mehr wissen welcher Wochentag momentan
ist, dann ist das immer ein gutes Zeichen dafür, dass wir einen
erholsamen Aufenthalt hatten. Und Kep ist einer dieser Orte.
Auch
die Zeit für Kambodscha ging viel zu schnell vorüber. Das Land hat
auch außer Angkor Wat sehr viel zu bieten und die Menschen sind
wirklich sehr sehr sehr positiv eingestellt, wenn man bedenkt wie die
jüngste Geschichte dieses Landes aussieht. Selbst ein beinloses
Landminenopfer kann hier noch ein ehrliches Lächeln auf seine Lippen
bringen. Mal schauen, wie es im nächsten Kapitel, Vietnam, wird...
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