Dienstag, 28. Februar 2017

erste Bilder aus Vietnam

Tet-Festmeile in Can Tho

am Silvesterabend

Akrobatik statt Alkohol

in Can Tho


Standard-Frühstück

Ho-Chi-Minh-Stadt





Jennys Geburtstag im Zoo/botanischen Garten

Mittwoch, 15. Februar 2017

Im Mekong-Delta

Von Kep nahmen wir einen Bus nach Ha Tien, dem ersten Ort nach der kambodschanisch-vietnamesischen Grenze. An der Grenze mussten wir etwas warten und in einen anderen Bus umsteigen. Dort lernten wir ein kanadisches Pärchen und einen Weißrussen kennen. Zusammen fuhren wir dann weiter, jedoch nicht lange. Ha Tien erreichten wir schon eine halbe Stunde nach dem Grenzposten, während die anderen weiter nach Ho-Cho-Minh-Stadt fuhren. Die Zimmersuche entpuppte sich als recht einfach, da wir mitten im Zentrum rausgelassen wurden. Wir fanden schon nach wenigen Minuten ein riesengroßes und günstiges Zimmer, vergaßen jedoch einen Blick in das Bad zu werfen, welches ziemlich verschimmelt war. Immerhin hatte es eine Tür, sodass wir das Bad unter Quarantäne stellen konnten. Als wir dann raus auf Erkundungstour gingen, staunten wir nicht schlecht. Wir hatten gleich um die Ecke einen großen Markt stehen mit einem unglaublich großen Angebot an Früchten. So eine Vielfalt hatten wir das letzte Mal in Thailand gehabt. Vor allem die Pitahayas, auch als Drachenfrüchte bekannt, haben es uns sehr angetan. Allerdings mussten wir ganz schön suchen, um einen akzeptablen Preis zu finden. In Vietnam muss wirklich bei allem gehandelt werden, sonst bezahlt man teilweise einen höheren Preis als in Deutschland. Und das geht eben schon beim Obst los. Einziges Tabu ist es bei Waren zu handeln, die mit einem Festpreis ausgeschrieben sind. Da sollte man zu diesem Preis kaufen oder eben weiterlaufen. Der Bezug von frischem Obst war also gesichert, nun musste nur noch eine Quelle für feste Nahrung ausfindig gemacht werden und das war gar nicht so einfach. Wir reisten am 24. Januar ein und am 28. Jaunar begann das Tet-Fest, das vietnamesische Neujahrsfest und ist vergleichbar mit der Zeit bei uns um Weihnachten und Silvester.Das ganze Land ist in Aufruhr und steckt in den Vorbereitungen. Viele Menschen sind bereits losgereist zu ihren Familien, die in anderen Teilen des Landes wohnen und das hat zurfolge, dass viele Geschäfte, Läden und Restaurants schon jetzt geschlossen sind. Und zwar sehr viele um genau zu sein. Wir verbrachten zwei Tage in Ha Tien und fanden grad mal eine Anlaufstelle in der Stadt, aber ein richtiges Schmuckstück entdeckten wir auf der anderen Flußseite, außerhalb des Zentrums. Wir waren grad auf dem Weg zum Busbahnhof, der in dieser Gegend gelegen ist, um uns schon Tickets für die Weiterfahrt zu sichern. Da fanden wir in einer kleinen Querstraße ein kleines Schild, auf dem „com chay“ stand, was soviel bedeutet wie „Reis mit Gemüse“. Zum Glück drückt sich die vietnamesische Schreibsprache in lateinischen Lettern aus, so war die Sprachbarierre nicht mehr all zu groß. Wir gingen zu der familiengeführten Essensstelle und aßen uns pappsatt an dem leckeren Essen. Hinzu kam der unschlagbare günstige Preis von 5.000 Dong, was etwas um die 20 Cent pro Mahlzeit entspricht. 20 Cent hat jeder.
Die Stadt an sich hat bis auf dem Markt und dem Flussufer nicht sehr viel zu bieten, aber für einen kurzen Aufenthalt war es schon okay dort. Vor allem lernten wir dort, dass wir unsere Fähigkeiten im Handeln stark verbessern müssen, die vietnamesischen Händlerinnen sind wahre Profis und lassen die thailändischen und kambodschanischen Händler ziemlich alt aussehen. Rückblickend gesehen haben wir auf dem Markt in Ha Tien durchschnittlich den vierfachen Preis vom Realwert bezahlt.
Da das Tet-Fest nun bevorstand und in Ha Tien, das immerhin 90.000 Einwohner hat, kaum Restaurants offen hatten, entschlossen wir uns während der Feiertage in einer größeren Stadt zu verweilen. Das hatte zudem den Vorteil einen besseren Einblick in die Tradition dieses Festes zu bekommen, da in größeren Orten naturgemäß größer gefeiert wird. Wir entschlossen uns mit dem Bus nach Can Tho zu fahren, einer Stadt etwas kleiner als München. Wir buchten vorsichtshalber vorab ein Zimmer und hatten Glück. Schön sauber war es, kein Schimmel und es wurde sogar alle zwei Tage sauber gemacht und frische Bettwäsche bezogen. Ein Novum auf unserer Reise. Wir stationierten uns mitten im Zentrum in einer regen Seitengasse mit vielen Obstständen. Dort zahlten wir noch mehr als in Ha Tien, also begannen wir die Zahlen zu lernen und ein paar Standardfloskeln. Und siehe da, bei dem ein oder anderen Händler gab es nun die ersten Rabatte. In so ein großer Stadt mangelte es auch nicht an Angebot und so fanden wir nach zwei Tagen sogar ein Stand, an dem wir gar nicht erst zu handeln brauchten, weil die Preise für uns okay waren. Restaurants mit vegetarischem Angebot hatten auch einige offen, sogar während der Tet-Zeit. Das Fest an sich feierten wir zunächst am Abend vor „Silvester“ auf einem großen Platz mit einer Bühne und Show. Diese war gegen 22 Uhr zu Ende und die Menschen machten sich auf zum Flussufer. Auf dem Weg dorthin liefen wir einen endlos langgezogenen Park entlang, der mit Blumen, Figuren und jeder Menge Lichtern geschmückt war. Am Flussufer verbrachten wir dann die Zeit bis Mitternacht. Komischerweise blieb ein Feuerwerk aus, obwohl eines in Planung stand. Auch eine Feuerwehr war anwesend. Kurz nach 0 Uhr zogen die Menschen verdutzt wieder Richtung Innenstadt und Park. Die nächsten Tage war dann schon deutlich weniger los auf den Straßen. Der Verkehr war trotzdem noch verrückt, aber überschaubar und es gab nur noch ein paar wenige Verkäufer am Straßenrand. Wir schauten uns in dieser Zeit die Stadt an, was recht angenehm war, wenn man nicht immer gucken muss, wo man genau hintritt und von wo der nächste Roller kommt.
Es gibt dort einen richtig tollen Park entlang dem Flussufer von etwa einem Kilometer Länge sowie kleinere Parks inmitten der Stadt. Die waren wegen dem Tet-Fest besonders schön ausgeschmückt.
Außerdem gibt es neben den großen Boulevards auch kleine Straßen und Gassen, die sich gut zum Spazieren eignen. Von unserem Hotel aus konnten wir sogar Bustickets für die nächste Station buchen. Wir hatten uns den Ort Ben Tre ausgeschaut, denn dort soll es angeblich viele Süßigkeiten hergestellt aus Kokosnüssen geben.
Es gibt zwei Sachen in Vietnam, die uns absolut gar nicht gefallen. Eine Sache ist, dass man als Tourist ausschließlich als Goldesel angesehen wird. Ich meine damit nicht, dass man auf dem Markt oder beim Essen in einer lokalen Kantine den doppelten Preis als üblich bezahlt. Damit haben wir an sich kein Problem und das ist uns in anderen Ländern auch schon passiert und absolut legitim. Aber in Vietnam haben wir nach nun bereits etwas über drei Wochen Erfahrungen gemacht, die uns den Aufenthalt etwas verderben und es uns schwer machen offene Menschen von denen, die nur unser Geld wollen, zu unterscheiden. Wir kommen einfach nicht an die Menschen ran, unsere sozialen Beziehungen und Gespräche mit Einheimischen sind fast ausschließlich geschäftlicher Natur. Hier sind wir froh meist „nur“ den doppelten Preis für die alltäglichen Dinge zu zahlen. Ich werde in jedem Bericht mal die „beste“ Geschichte raushauen.
In Can Tho trafen wir in einem der Parks auf Xui, einem 18-jährigen und cleveren Burschen. Er warnte uns quasi schon vor und zu unserem Erstaunen äußerte er sich auch nicht grade positiv zu seinen Landsleuten. Unseren ersten richtigen Knaller erlebten wir dann bei der Zimmersuche in Bent Tre. Der Ort ist mit knapp 200.000 Einwohnern wieder deutlich kleiner als Can Tho und auch hier hatten viele Geschäfte noch geschlossen aufgrund des Tet-Festes. Bei den Hotels sah es ähnlich aus. Viele waren ausgebucht oder verlangten absurd hohe Preise. Dann liefen wir wieder etwas zurück, um außerhalb der Stadt nach einem Zimmer zu suchen. Wir liefen dann auf einen Grundstück, das nach privater Vermietung roch und hatten Recht. Ein paar Augenblicke später standen zwei alte Frauen mit ihrer Enkelin vor uns, die dolmetschte. Zuerst wurde uns gesagt, dass ein Zimmer 300.000 Dong kosten würde. Das war uns zu viel und als wir kehrt machen wollten, rief uns die junge Dolmetschterin 200.000 Dong hinterher. Wir ließen uns das Zimmer zeigen und um jeglichen Missverständnissen aus dem Weg zu gehen, hakten wir noch mal wegen dem Preis nach, der uns mit 200.000 Dong bestätigt wurde. Danach fiel die Tür ins Schloss und Jenny wie auch ich entledigten uns augenblicklich unserer Blase. Unmittelbar danach klopfte es Sturm an unserer Tür und die beiden alten Frauen standen vor der Tür und redeten wie wild auf ihre Enkelin ein, die uns mitteilte, dass das Zimmer nun doch 300.000 Dong kosten würde. Okay, kein Problem, dachten wir uns und schnallten uns unsere Rucksäcke auf, um ein anderes Zimmer zu finden. Damit hatten die alten Frauen nicht gerechnet und stellten sich kurzerhand in den Türrahmen. Die Enkelin, die uns richtig Leid tat und sich tausendmal entschuldigte, versuchte uns zum Bleiben zu überreden, doch wir blieben unserer Linie natürlich treu. Das Zimmer war zwar auf dem ersten Blick sauber, jedoch schlicht und hatte nicht mal ein Fenster. Auf keinen Fall war es das Geld wert, schon gar nicht wenn man noch die Lage von fünf Kilometer abseits des Stadtzentrums berücksichtigt. Aber mal ganz abgesehen vom Geld, es handelt sich hier immerhin nur um ein paar Euro, ist die Masche doch recht mies. Erst runtergehen mit dem Preis, um direkt nach dem Zusagen wieder hochzugehen. Die groteske Situation wollte auch kein Ende nehmen, selbst als die Frauen begriffen, dass wir auf jeden Fall wieder abziehen würden. Nun wollten sie doch wenigstens Geld haben, für das Benutzen der Toilette. 50.000 Dong, was etwa zwei Euro sind und ein ziemlich taktloser Preis ist, wenn man bedenkt, dass öffentliche Toiletten 2.000 Dong kosten. Manchmal auch 4.000, denn auch da zahlt der Touri drauf. Jenny platzte fast der Kragen, während ich die Möglichkeit ergriff und der Enkelin unsere Reisepässe wieder abnahm, die wir vorher schon abgegeben hatten. Danach drängelten wir uns durch die Tür und gingen weiter auf Zimmersuche. Wir dachten, ist das grad wirklich passiert?
Irgendwann fanden wir dann etwas abseits der Stadt doch eines, immerhin in Nähe des Busbahnhofs. Ben Tre an sich ist auch ein nettes Städtchen. Wir haben in den anderthalb Tagen dort einiges von der Stadt gesehen, schon alleine weil wir dauernd auf Essenssuche waren. Am Flussufer gab es einen kleinen Obstmarkt, auf dem sich der letzte Touri vermutlich vor längerer Zeit hin verirrt hat. Zumindest konnten wir all unser Obst zum Originalpreis kaufen, da die Preise auf kleinen Kartonstücken aufgezeichnet waren. So konnten wir für nur einen Dollar vier Kilogramm bzw elf Stück Drachenfrüchte kaufen. Die lokalen Süßigkeitenstände fanden wir auch und tatsächlich, dort gab es leckere Kokosnuss-Bonbons. Wäre das Tet-Fest schon vorüber gewesen und es wäre etwas mehr los gewesen in Ben Tre, dann wären wir sicher noch ein oder zwei Tage länger geblieben. Jennys Geburtstag stand jedoch bevor und den wollten wir sicher nicht damit verbringen, den halben Tag nach etwas Essbaren Ausschau zu halten. Wir zogen weiter in die größte Stadt des Landes, Ho-Cho-Minh-Stadt ehemals Saigon. Hier leben 7,5 Millionen Menschen, eine Megametropole also. Jedoch kam uns die Stadt recht entspannt vor. Klar, der Verkehr ist irre, aber wo nicht in Asien? Dafür gab es hier richtige Fußwege und Bürgersteige, die einluden durch die Stadt zu spazieren. Und so taten wir es auch. Einen Tag sind wir ins Zentrum und haben uns die Kathedrale und den Markt angeschaut und sind einfach ziellos durch die Stadt gelaufen. Einen anderen Tag waren wir in Chinatown, das war schon ein längerer Fußmarsch, vor allem bei der Hitze. Unser Hotel lag ziemlich günstig in der Nähe eines großen Parks, in dem wir uns Abend oft setzten und schauten wie die Menschen Da Cau spielten oder anderen Sportarten und -spielen nachgingen. Bis jetzt gab es in jeder Stadt ein ziemlich leckeres Getränk in den Straßen zu kaufen. Frischgepresster Zuckerrohrsaft mit einem Schuss Limette und auf Eiswürfeln. Der ist richtig lecker und war immer unser Feierabendgetränk. In einer kleinen Gasse fanden wir dann auch noch éinen schönen Straßenstand, der für uns leckeres Essen zauberte. Meist gab es Nudeln oder Reis, aber die vietnamesische Küche ist auch bekannt für ihre Pancakes. Dabei handelt es sich um Plinse, deren Füllung man sich aussuchen kann. Es gibt sie mit Früchten, aber auch Käse und Fleisch. Wir entschieden uns für die Gemüsevariante und wurden nicht enttäuscht. Sehr lecker wars gewesen, so sehr sogar, dass wir die letzten beiden Tage mehr Pancakes aßen als „richtige“ Mahlzeiten. An Jennys Geburtstag gingen wir dann in den botanischen Garten und Zoo, es ist alles ein riesiges Gelände in der Nähe des Flussufers. Dort brauchten wir auch fast den ganzen Tag, um alles anzuschauen. Danach waren wir platt. Ho-Cho-Minh-Stadt hat uns super gefallen, doch wie immer nach dem Aufenthalt in einer großen Stadt, brauchen wir dann erst einmal ein paar Tage Ruhe und Erholung. Da kam der Küstenort Mui Ne genau richtig auf unserer Reiseroute...

Sonntag, 5. Februar 2017

Bilder aus Kampot und Kep

Kinder auf dem Weg zur Schule

Kampot

unterwegs auf der Insel


Salzfelder


Da Cau mit den Jungs

Sonnenuntergang über Kampot

im Kep-Nationalpark


auf dem Krabbenmarkt



endlich Strand!

unser Restaurant

mit schönem Ausblick


An der Küste Kambodschas

In der Hauptstadt hatte sich inzwischen natürlich nichts geändert. Der Verkehr war ein totales Chaos und die Tuk-Tukfahrer penetrierten uns mit ihren ständigen Fragen und Angeboten. Dennoch war es wieder schön dort zu sein, das erste Mal auf der gesamten Reise, dass wir in einem Ort zweimal bleiben würden. Der Bus hielt auf einem völlig anderen Bahnhof, sodass wir erstmal durch die halbe Stadt mussten. Wenn man beim Essen schon nur noch Einheimischenpreise bezahlt und dann auch noch eine doppeltgroße Portion bekommt, dann kann man sicher sein gaaanz weit weg vom Schlag zu sein. Auch unser Hotel lag diesmal in einem etwas anderem Viertel, aber wir fanden den etwas zu langen Weg ohne Irrtümer. So chaotisch der Verkehr ist, so genial ist das Straßennetz Phnom Penhs. Die Straßen haben alle Nummern, nur die größeren Straßen sind auch zusätzlich mit Namen versehen. Dabei führen alle geraden Straßen meist von West nach Ost, die Ungeraden von Nord nach Süd, so weiß man an jeder Kreuzung wo man grade steckt und in welche Richtung man muss, wenigstens so ungefähr.
Unser Zimmer war gut, auch wenn´s jetzt doppelt so weit weg zum Nachtmarkt war und so entschlossen wir uns gleich nochmal zwei volle Tage zu bleiben. Wie schon geschrieben, zum erstem Mal hatten wir nun einen doppelten Aufenthalt zu vermerken und das fühlte sich toll an. Wir kannten die Wege, wussten wo es was zu essen gab und machten zu dem auch noch andere Gegenden unsicher. Ich mag das Wort eigentlich gar nicht nutzen, aber doch, wir fühlten uns in gewisser Hinsicht schon etwas heimisch, zu Hause. Tagsüber schlenderten wir durch die Straßen und Gegenden, die wir noch nicht kannten. Am Morgen und am Abend stärkten wir uns auf dem Cental Markt und Nachtmarkt. Dass unser Verkäufer auf dem Cental Markt uns wiedererkannte erstaunte uns nicht, wir haben beide darauf gewettet, so oft hatten wir schon bei ihm gefrühstückt. Aber dass wir sogar auf dem Nachtmarkt wiedererkannt wurden, dass hätten wir beide nicht gedacht. Dort ist nun doch schon deutlich mehr Betrieb und Touristen und Einheimische sind dort zu gleichen Anteilen vertreten. Vielleicht lag es daran, dass wir uns immer etwas in der Landessprache versuchen. Vor allem unser Essen wollen wir so immer bestellen und das führt manchmal zu ziemlich ulkigen Situationen.
Für unsere letzten Tage in Kambodscha haben wir uns den Süden aufgespart, endlich würde es an die Küste, ans Meer gehen. Im Prinzip gibt es drei „große“ Sehenswürdigkeiten in diesem Land: natürlich denkt jeder Tourist erstmal an Angkor Wat, die klare Nummer eins. Dann gibt es noch für Geschichtsinteressierte die Killing Fields und das Genozidmuseum in und um Phnom Penh. In den 70er Jahren herrschten hier die roten Khmer, die dafür sorgten, dass Kambodschas jüngste Vergangenheit blutdurchtränkt und tiefschwarz ist. Die Schandtaten und das Ausmaß dessen, was sich hierzulande abspielte, kann man ziemlich gut mit Nazi-Deutschland vergleichen.
Und dann gibt es noch die Strände um den Badeort Sihanoukville. Wer in Kambodscha feiern will und Malle-Feeling sucht, der ist hier genau richtig. Da wir aber nur noch eine gute Woche zur Verfügung hatten und wir das Feiern lieber anderen überlassen, entschieden wir uns dafür zwei andere Küstenorte, unweit von Sihanoukville, zu besuchen. Der erste Ort hieß Kampot. Dort quartierten wir uns ein paar Tage ein, denn es ließ sich dort auch ziemlich gut aushalten. Die Straßenstände waren super lecker und die Menschen dort sind sehr nett und aufgeschlossen. Aus Kampot kommt übrigens ein Pfeffer, der wohl auch international an Bedeutung gewann, schlicht und einfach als Kampot-Pfeffer bekannt. Auf den Tischen der Straßenstände war er auch zu finden und so mussten wir nicht extra die $40 pro Kilogramm löhnen, die man wohl direkt beim Bauer bezahlt. Ist auf jeden Fall sehr lecker und auch Jenny, die eigentlich nicht sehr oft nachwürzt, streute sich diesen über all ihre Portionen. Ein Highlight in diesen Tagen war sicherlich das Erkunden der Insel. Der Ort ist quasi durch Flussverläufe dreigeteilt. Auf der einen Seite gibt es das Stadtzentrum mit allem drum und dran: Restaurants, Reiseagenturen, Busbahnhof, Märkte usw. Auf der anderen Seite geht’s weniger touristisch zu, dort hatten wir uns ein Zimmer genommen und wurden schon manchmal mit großen Augen angeguckt, wenn wir durch die Straßen liefen. Von unserem Stadtteil aus konnte man noch auf eine kleine Insel fahren. Diese erkundeten wir per Fahrrad an einem Tag und dort geht es noch richtig ursprünglich zur Sache. Die einfachen Hütten und das Verschmelzen des alltäglichen Lebens der Menschen dort mit dem Wasser ist wirklich unglaublich. Außerdem verirrten sich dort anscheinend noch weniger Weiße hin als angenommen, wir wurden alle paar hundert Meter mit „Hello, hello“-Rufen empfangen. Die Kinder kamen an und wollten uns anfassen, solche Momente sind wirklich sehr schön, auch für uns, wenn wir sehen wie sich die Kleinen freuen und ihre Neugier ausleben können. Wir fuhren also einmal um die gesamte Insel, auf der andere Seite fanden wir endlos lange Salzfelder. Das war auch wieder so eine Insel, die auf der Karte recht winzig wirkt, ist man erstmal auf ihr, kann man sich jedoch kaum vorstellen auf einer Insel zu sein, bei solch scheinbar endlosen Weiten.
An anderen Tagen blieben wir dann in der Stadt und schlenderten durch die Gegend. Der Nachtmarkt war okay, der große Markt am Tage wirkte da schon eher wie eine kleine Stadt in der Stadt. Einmal waren wir in einem Restaurant essen und als wir da so draußen saßen, beobachtete ich einen älteren Herr mit Zauselbart. Er trank ein paar Bier und rauchte selbstgedrehte Zigaretten, die eher wie Tüten aussahen. Als er seine Rauchware im Restaurant verkaufen wollte, wurde ich neugierig und wir kamen ins Gespräch. So lernten wir Old Joe kennen, einem Mitte 50-jährigen Aussteiger, der in den letzten zwölf Jahren nur als Gast nach Deutschland geflogen ist. Knapp zehn Jahre hat er in Thailand gelebt, nun lebt er in Kambodscha und verkauft Tabak. Mit Anfang 40 war er einem Burnout nahe und  als Leiharbeiter hatte er immer nur schlecht bezahlte und unsichere Jobs. Er schmiss hin und ging nach England, um dort ein paar Monate zu leben und ein Zertifikat an irgendeiner Schule als Englischlehrer zu machen. Danach ging es dann nach Thailand, wo er auch tatsächlich jahrelang an Schulen gearbeitet hat. Jedoch kamen ihm immer wieder Visaprobleme und Gesetzesänderungen in die Quere, sodass er von Thailand die Schnauze voll hatte und rüber nach Kambodscha machte. Hier braucht man wohl nicht mal sein längeres Verweilen begründen, keine Einkommensnachweise oder dergleichen und man muss nicht mal nach Phnom Penh, um sein Visa zu verlängern. Die Kohle und den Reisepass für ein paar Tage abgeben und schon hat man für die nächsten 12 Monate wieder Ruhe. Er finanziert sich sein Leben mit dem Verkauf von Tabak (muss ein spezieller sein) und ab und an mal Englischunterricht, aber nur noch privat und nicht an Schulen. Ist auf jeden Fall immer interessant jemanden zu zuhören, der so radikal sein Leben ändert, ohne zu quatschen und großartig Pläne zu schmieden.
Am letzten Abend saßen wir grade in einem Park, da kamen ein paar junge Männer und spielten Da Cau. Dabei handelt es sich um eine Art Fedeballspiel, das mit dem Fuß gespielt wird. Wir haben das auch schon öfter mal gesehen, vor allem auf der langen Uferpromenade in Phnom Penh. Nun hatte ich sogar die Gelegenheit mitzuspielen, da uns die Jungs fragten und natürlich spielte ich etwas mit. Es macht richtig viel Spaß und ist viel einfacher als Hackisack, falls die noch jemanden in Erinnerung geblieben sind. Die Jungs, die Da Cau natürlich öfter spielten, hatten richtige karateähnliche und akrobatische Showeinlagen drauf. Dem Spiel schon zu zuschauen macht Spaß, es selbst zu spielen noch viel mehr und außerdem war es mal wieder ein Beweis mehr dafür, wie unwichtig es im Prinzip ist, nicht ansatzweise die Sprache des anderen zu sprechen und verstehen, wir haben alle viel gelacht. Als es dunkel wurde machten wir uns auf zum Essen und nach Hause. Schon am nächsten Morgen ging es für uns nach Kep, der letzten Station in Kambodscha. Kep ist ein richtig kleiner Ort, hat jedoch ein paar Sachen zu bieten. Natürlich freuten wir uns schon seit Wochen, Monaten endlich aufs Meer. Das fanden wir dort, sodass wir natürlich die meiste Zeit am Strand verbrachten und unsere Oberkörper nachbräunten. Die Balkansonne ist schon eine Weile her. An einem Tag besuchten und wanderten wir durch den Nationalpark, der nicht weit weg war. Ein schönes und ruhiges Stückchen Natur mit guter Aussicht auf Kep und das Meer. Wir trafen dort ein anderes deutsches Paar, die schon fast genauso lange unterwegs waren wie wir und wanderten ein Teil der Strecke zusammen. Eine weitere Sehenswürdigkeit ist der Krabbenmarkt. Jeder der auf Seefrüchte, Fisch und alles, was aus dem Meer kommt steht, sollte sich diesen nicht entgehen lassen. Dort kauften wir auch unser Obst. Unser Hotel war etwa zwei Kilometer außerhalb von Ort und Strand, wir liehen uns immer ein Fahrrad aus und erkundeten auch noch die restliche Gegend entlang des Meeres. Ganz oben über den Zimmern, hatte unser Hotel noch ein schönes Restaurant mit Blick aufs Meer. War zwar etwas teurer als gewohnt, aber das Essen war großartig und die Portionen waren auch nicht ohne. So verbrachten wir einige zeitlose Tage in einer Gegend, in der es sich auch für ein paar Wochen aushalten lässt. Immer wenn wir uns nur nach dem Stand der Sonne orientieren wann wir aufstehen oder abends wieder nach Hause fahren und wir nicht einmal mehr wissen welcher Wochentag momentan ist, dann ist das immer ein gutes Zeichen dafür, dass wir einen erholsamen Aufenthalt hatten. Und Kep ist einer dieser Orte.


Auch die Zeit für Kambodscha ging viel zu schnell vorüber. Das Land hat auch außer Angkor Wat sehr viel zu bieten und die Menschen sind wirklich sehr sehr sehr positiv eingestellt, wenn man bedenkt wie die jüngste Geschichte dieses Landes aussieht. Selbst ein beinloses Landminenopfer kann hier noch ein ehrliches Lächeln auf seine Lippen bringen. Mal schauen, wie es im nächsten Kapitel, Vietnam, wird...

Donnerstag, 2. Februar 2017

Bilder vom Tonle Sap

Nationalfeiertag in Battambang

Fischer versuchen ihr Glück im Fluss

ein Leben auf dem Wasser



auch eine Kirche gibt´s hier


mitten in der Vallachei unter einfachsten Bedingungen




In Battambang und am Tonle Sap

Nach fünf Nächten in Siem Reap fühlten wir uns schon beinahe heimisch, also brachen wir auf in den nächsten Ort und der hieß Battambang. In Kambodscha gibt es einen riesengroßen See, den Tonle Sap. Auf dem Weg von Phnom Penh nach Siem Reap fuhren wir nördlich des Sees entlang. Nun ging es etwas Richtung Süden, ehe es dann unterhalb des Sees wieder zurück nach Phnom Penh gehen würde. Battambang ist zwar offiziell die zweitgrößte Stadt in Kambodscha, aber dennoch recht überschaubar. Ich denke unsere Heimatstadt Cottbus dient als guter Vergleich von der Größe her. Gleich am Anreisetag hatten wir das Glück den Nationalfeiertag miterleben zu dürfen, der auch in Battambang groß gefeiert wurde. Ein riesiger Nachtmarkt und eine abgedrehte Bühnenshow versüßten uns den Abend. Ohne Mist, die beiden Jungs und vier Mädels auf der Bühne gaben wirklich alles. Jeder Choreograph hätte verständnislos den Kopf geschüttelt, aber vielleicht war es genau dieses Unperfekte, was uns zwei Stunden lang zuschauen ließ. Außerdem fanden wir an den zahlreichen Ständen geröstete Esskastanien, die wir bereits in Mazedonien lieb gewonnen hatten.
Nach zwei Nächten wechselten wir dann erstmal unsere Unterkunft. Wir fanden in Battambang wirklich ein Zimmer mit eigenem Bad für sagenhafte $4 die Nacht. Allerdings hatte es keine Fenster bzw. nur eines Richtung Flur. Wir haben nicht sehr oft Zimmer ohne Fenster, aber wenn doch, dann sind wir meist froh wieder weitermachen zu können. Ich weiß nicht was es war, aber die Luft dort war wirklich unzumutbar. Wir fanden dann ein Zimmer für $5 mit einem Fenster und auch sonst war dort alles super. Das es solch günstige Unterkünfte gibt, hätten wir nicht gedacht. Zumindest nicht in der Anzahl. Dort verbrachten wir noch einmal zwei Nächte, wobei ein Tag für mich komplett auf dem Zimmer stattfand. Ich hatte wie schon in Kratie wieder Fieber, zum Glück war aber am nächsten Tag wieder alles in Ordnung. Jenny erledigte die Einkäufe und ich kurierte mich aus. Wir glauben aber, dass es nicht wirklich Fieber war, sondern eher Überhitzung. Man darf wirklich nicht vergessen zu trinken, an manchen Tagen holen wir uns schon einen Sonnenbrand, wenn wir nur eine halbe Stunde in der direkten Sonne verbringen. In Laos hatten wir einige Zeit penibel darauf geachtet viel zu trinken. Da ging es schon morgens nach dem Aufstehen los. Jenny schaffte etwa 0.75 und ich eine ganze 1.5 Liter Flasche Wasser. Im Konflikt steht das ganze jedoch an Tagen, die wir mit dem Bus fahren. Im Schnitt fahren wir etwa vier Stunden von einem Ort in den nächsten. Das kann ganz schön lange werden wenn die Blase voll ist, vor allem für Jenny. Geht man vor zum Busfahrer und fragt nach einer Pinkelpause, dann hält der Bus meist unverzüglich. Die Herren haben´s da recht einfach und stellen sich an den Straßenrand. Die einheimischen Frauen machen es genauso, aber als westlicher Besucher hat man da auch noch nach einigen Wochen seine Hemmungen sich vor allen zu entleeren.
Wie dem auch sei, wir trinken jetzt wieder jede Menge Wasser, auch wenn das ziemlich kostspielig sein kann, natürlich nur relativ gesehen. In manchen Orten bekommt man als Tourist eine 1.5 Liter Flasche nicht unter 75 Cent verkauft. Manchmal gibt’s Rabatt, weil wir meist Sechserträger kaufen, aber es gab auch schon Tage, da haben wir allein für Wasser $5 bis $6 ausgeben müssen. Und da waren wir noch nicht mal im Restaurant, wo die Flasche meist auch erst ab $1 zu haben ist. Ist auch kein Problem, nur manchmal sind die Relationen schon witzig. Wir schlafen oft für $8 oder weniger die Nacht in Gasthäusern und geben am selben Tag den gleichen Betrag für ein paar Rasierer und neue Zahnbürsten aus oder halt Wasser.
Von Battambang wollten wir eigentlich wieder zurück nach Phnom Penh. Wir hatten aber noch etwas Zeit über, um nach Vietnam zu kommen und natürlich wollten wir auch hier unsere 30 Tage im Pass voll ausreizen. Wir entschieden uns für einen Zwischenstop auf halber Strecke in einem kleinen Ort namens Krakor. Der Ort liegt wirklich mitten im Nirgendwo, die Hauptstraße von Battambang nach Phnom Penh sorgt einzig dafür, dass sich ein paar Reisende dorthin verirren. Wir lieben solch kleinen und unschuldigen Orte. Als Tourist wird man mit großen ungläubigen Augen angestarrt und dann mit einem Lächeln begrüßt. Man zahlt oft nur ein Drittel oder Viertel der Preise, die man aus touristischen Gegenden kennt, vor allem auf den Märkten. Und selbst die ansonsten etwas nervigen Tuk-Tukfahrer sind hier leicht abzuwimmeln. Meist akzeptieren sie ein „Nein“ und manche warten sogar darauf, dass man sie anspricht. Hier ist das Leben oft noch sehr ursprünglich und als Weißer ist man eher eine Attraktion als ein Goldesel. Wir hatten Glück, der Bus hielt genau vor dem einzigen Gasthaus im ganzen Ort und die Zimmer waren sauber und hell. Wir fanden auch noch eine Küche, wo es das beste Essen für uns seit langem gab. Dort gingen wir bei unserem Aufenthalt in Krakor drei- oder viermal Essen und immer gab es was anderes, alles vegetarisch und die Mengen waren enorm. Cinda, unsere Wirtin, lernten wir auch richtig gut kennen. Sie ist 25 Jahre jung und erzählte uns ihre Lebensgeschichte. Ich will jetzt nicht zu weit ausholen, aber sie befindet sich schon in einer nicht beneidenswerten Situation. Ihr gesamtes Leben pendelt zwischen ihrem noch nicht aufgegebenen Kindheitstraum eines Tages Dolmetscherin zu werden, der bevorstehenden Heirat mit ihrem Freund, den sie aber nicht heiraten will und der Arbeit in der Küche in Krakor, bei der sie mehr oder weniger von ihrer Familie genötigt wird zu bleiben, hin und her. Kurz: sie ist eine ganz normal junge Frau, möchte eigenständig und unabhängig leben und die Welt sehen, doch ist sie gezeichnet von den vielen Ketten, die sie halten und hindern. Das beeindruckende an ihrer Geschichte war Cinda selbst. Sie hatte sich noch immer nicht aufgegeben und sagte ganz selbstsicher, dass sie es dennoch schaffen werde und von ihrem ersten Geld wolle sie sich Paris anschauen. Als wir uns von Cinda am letzten Abend verabschiedeten, war uns mal wieder bewusst, wie gut wir es haben. Dass wir im Geburtenlotto ein gutes Los gezogen haben und uns weder Familie noch Arbeit noch sonst irgendetwas oder irgendwer aufhält unser Leben zu leben, so wie wir es für richtig halten. In unseren Gefilden sind es oft die Menschen selbst, die sich im Weg stehen. Das ist schon paradox.
Eine Sehenswürdigkeit hat Krakor allerdings doch zu bieten, zumindest liegt sie in unmittelbarer Nähe. Nur ein paar wenige Kilometer weiter nördlich liegt der Tonle Sap, der größte See in ganz Südostasien. Dort gibt es einen Ort namens Kompong Luong. Es gibt dort Häuser, Läden, eine Bäckerei, eine Eisfabrik, ein Polizeirevier, ein Krankenhaus, eine Schule und sogar eine Kirche.Warum das so besonders ist? Kompong Luong ist ein vollständig auf dem Wasser gebauter Ort. Alles ist auf kleinen Schiffchen und Floßen gebaut. Es gibt richtige Wasserwege und die Einheimischen halten sich sogar Hunde und Katzen aus ihren Hausbooten. Das gesamte Leben findet für etwa eintausend Familien auf dem Wasser statt, an Land wird nur gegangen, um Fisch zu verkaufen. Um dem ganzen noch eins draufzusetzen: Der Tonle Sap schwillt während der Regenzeit von 3000 km² auf knappe 13000 km² an, das Ufer ist je nach Saison etwa 1,5 bis 6 Kilometer von Krakor entfernt. Mit der Regen- und Trockenzeit wandert auch Kompong Luong immer wieder hin und her, sodass sich der Ort stets am Ufer befindet. Wir fuhren eine Stunde durch den Ort mit einem Einheimischen per Boot. Das war schon etwas ziemlich abgedrehtes, weil es wirklich genauso aussah wie andernorts, nur eben auf dem Wasser.
Der Weg von Krakor nach Kompong Luong dauerte zwar mit dem Tuk Tuk nur eine Viertelstunde, war jedoch nicht weniger beeindruckend als das Örtchen auf dem Wasser. Hier leben die Menschen in so einfachen Hütten, wie wir es nur selten gesehen haben und das mitten im Nirgendwo. Solche Orte regen wirklich immer wieder zum Denken an.
Der Zwischenstop hat sich auf jeden Fall gelohnt, bevor es weiter Richtung Phnom Penh ging.