Dienstag, 29. November 2016

Kontinentalwechsel - auf nach Bangkok!

Der Flughafen in Sofia ist recht übersichtlich und so gab es weder Probleme noch Stress beim Einchecken. Die Wartezeit wurde durch Lesen und Essen überbrückt und pünktlich startete unser Flieger in Richtung Moskau. Dort hatten wir dann noch einmal genauso lange Aufenthalt wie der Flug dorthin dauerte, drei Stunden. Ich schrieb etwas Reisebericht und wir sortierten zusammen einen Teil der gemachten Fotos aus. Ist schon ganz schön viel zusammen gekommen, auch dort verging die Zeit wie im Flug. Weiter ging es von Moskau nach Bangkok, dieser Flug sollte etwa achteinhalb Stunden andauern. Wir erreichten die thailändische Hauptstadt morgens 8.30 Uhr Ortszeit. Etwas zerknautscht, wir hatten nicht geschlafen, verließen wir den Flieger. Nachdem wir uns erfolgreich unseren 30-Tage-Stempel und unser Gepäck abholten, suchten wir die Metro auf. Der Flughafen in Bangkok ist zwar alles andere als klein, dafür ist jedoch alles so gut ausgeschildert, dass wir auch dort keine Probleme hatten alles zu finden. Statt mit einem völlig überteuerten Taxi ins Zentrum zu fahren, zahlten wir nun insgesamt keine zwei Euro am Fahrkartenautomat. Die Fahrt dorthin dauerte eine gute halbe Stunde. Die Bahn war sehr sauber und klimatisiert. Zum Glück stiegen wir gleich am Flughafen ein, bereits an der dritten Station war die Bahn hoffnungslos überfüllt. Einige Menschen trugen einen Mundschutz. Das sieht auf dem ersten Blick etwas beängstigend aus, weil man denkt es geht hier wohl grad nen Virus rum. Wie wir später erfuhren, haben Thais sehr empfindliche Nasen und in den Straßen kann es geruchsmäßig manchmal ganz schön zur Sache gehen.
Als wir im Zentrum ankamen waren wir trotzdem noch etwa 5 Kilometer von unserem Zimmer entfernt. Vom Bahnhof stiegen wir dann in ein Taxi und kamen so eine Viertelstunde später in unserem Hotel an. Die Fahrt dorthin war recht amüsant. Dort hatten wir nämlich unsere erste europäisch-asiatische Konversation mit dem Taxifahrer, der klischeehafter nicht hätte Englisch sprechen können. Die Betonung der Wörter war dermaßen übertrieben, dass Jenny und ich uns anschauten und dachten, der verarscht uns doch grade. War trotzdem ein ganz netter Typ, auch wenn er komische Fragen stellte, alá: Wie viele Partner hattet ihr schon? Wie gesagt, die Fahrt ging grad mal eine Viertelstunde und so hielt sich dieses witzige Gespräch in Grenzen und wir standen mitten im schwülen Bangkok vor unserem Hotel. Da es nach Ortszeit noch vormittags war konnten wir noch nicht auf unser Zimmer. Wir besorgten uns also in einer der unzähligen Touri-Infos eine Karte und bedienten dort gleich mal das zweite thailändische Klischee. Ein offensichtlicher Ladyboy übergab uns die Karte und erklärte uns mit nasaler Stimme einige Sehenswürdigkeiten. So ganz konnten wir in diesem Moment noch nicht fassen in Asien zu sein, eine Mischung aus Müdigkeit, Schwüle und bizarren Situationen ließ alles etwas wie einen Traum erscheinen. Wir liefen etwas durch die Straßen und staunten nicht schlecht, verhungern würden wir hier auf keinen Fall. So ziemlich jeder Zentimeter Bordsteinkante war eingenommen von Straßenverkäufern, die in ihren Woks brutzelten, was das Zeug hielt. Zum Glück fanden wir nach ein paar Minuten einen kleinen Park. Dort setzten wir uns auf eine Bank mit Blick auf dem Fluss und holten etwas Schlaf nach. Drei Stunden später betraten wir dann unser Zimmer für die nächsten Tage. So ziemlich das simpelste Zimmer in dem wir bis zu diesem Zeitpunkt vorlieb genommen haben: Ein Bett, ein Mülleimer, zwei Fenster und ein Ventilator. Allerdings muss man dazu sagen, dass solche Zimmer kaum mehr als 10 Euro pro Nacht kosten, in diesem Fall 8 Euro, und das ist schon ein unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis, vor allem wenn man die Lage in der Stadt mit berücksichtigt. Am Abend gingen wir dann durch die Straßen und begutachteten erstmal die ganzen Leckereien. Natürlich probierten wir sie auch und nahmen alles mit was uns gefiel.
Es gibt im wesentlichen mehrere Kategorien an Straßenständen, in jedem Ort auch außerhalb von Bangkok. Da sind zum einen die, die frisches Essen zubereiten. Suppen, Nudel- und Reisgerichte mit oder ohne Fleisch/Meeresfrüchte sowie Frühlingsrollen und Fleischspieße. Da wir uns bis auf ein oder zwei Ausnahmen vegetarisch ernähren, fiel dabei schon einmal ein Großteil der Stände weg. Es wird in Asien doch mehr Fleisch gegessen, als wir vorher glaubten, aber vor allem in einer Stadt wie Bangkok ist für jeden Gaumen was dabei. Zurück zu den Ständen. Es gibt natürlich auch unzählige Obststände. Diese unterteilt man noch mal in die, welche das reine Obst verkaufen. Mangos, Bananen, Papayas und vor allem Kokosnüsse! Wie ich diese Zeilen verfasse sind wir bereits über drei Wochen in Thailand und vor allem Kokosnüsse haben es uns besonders angetan, so dass wir allein davon locker 30 bis 40 Stück zusammen vernascht haben. Die Verkäufer schlagen dazu mit einem Buschmesser ein Loch oben rein. Dann heißt es das frische köstliche Wasser (oft sind die Kokosnüsse in Kühlboxen voller Eis gelagert) mit einem Strohhalm zu trinken. Und zu guter Letzt haben wir immer unsere mitgebrachten DDR-Rostfrei-Löffel mit im Tagesrucksack, mit denen wir das leckere Kokosfleisch auslöffeln. Eine Kokosnuss kostet je nach Ort und Stand zwischen 70 Cent und 1,20 Euro. Der perfekte Snack für zwischendurch und zu jeder Tageszeit.
Die zweite Art von Obstständen verkauft das Obst nicht pur, sondern in Form von Shakes. Die Sortenvielfalt ist dieselbe wie bei den normalen Obstständen. Das Obst wird jetzt nur zusammen mit Eiswürfeln im Mixer verarbeitet. Grade bei den Temperaturen hier ist das immer für gut für unterwegs in der Stadt. Leider wird in vielen kleineren Städten statt frisches Obst ausschließlich Sirup benutzt, so dass wir auf diese Form von Erfrischung nur in Großstädten zurückgriffen.
Eine weitere Kategorie an Ständen bietet Leckereien zum Naschen und Desserts an. Hier gibt es Minidonuts, Kokosplinse, Waffeln (mit Bananen und Nutella oder Käse), süße Kartoffel und und und. Da das alles neu für uns war gaben wir grade in Bangkok gefühlt unser halbes Reisebudget nur für Essen aus. 
Auch wenn alles spottgünstig ist, es läppert sich zusammen, wenn man sich jeden Tag von Stand zu Stand futtert. Aber natürlich haben wir uns auch die Stadt angeschaut. Am ersten Tag waren wir im Zoo unterwegs und erkundeten weiter unser Stadtviertel. Natürlich gibt es auch viele Tempel. Und zwar so viele, dass es unmöglich ist sie sich alle anzusehen. In einem der berühmtesten, dem Wat Pho, liegt ein 46 Meter langer und 15 Meter hoher vergoldeter Buddha. Das ist schon sehr beeindruckend so etwas zu sehen. Und überhaupt sehen die Tempel auch von außen wie innen sehr schön aus, vor allem am Anfang, wenn man das alles noch nie gesehen hat. Ohne diese tollen Glaubensstätten runterreden zu wollen, aber wir haben mittlerweile so viele Tempel gesehen, dass uns diesbezüglich kaum noch etwas umhaut. Und trotzdem schauen wir sie uns immer mal wieder an, schon allein um manchmal den Trubel von der Straße zu entkommen. Nach einem Tag mit Schwerpunkt Tempel anschauen, folgte ein erlebnisreicher Tag in Chinatown. Bei uns vor der Haustür gings ja schon ab, aber Chinatown setzte dem Ganzen nochmal die Krone auf. Unglaublich wie viele Stände und Menschen es dort gibt. Ich würde behaupten, dort gibt es nichts was es nicht zu kaufen gibt. Außer vielleicht Atom- U-Boote oder Marsraketen. Aber wer weiß, wir haben auch dort nur einen Bruchteil gesehen, so riesig war es dort. Gutes Stichwort, denn Bangkok ist so riesig, dass es keinen Sinn machen würde alles zu Fuß zu erkunden. Am Anfang nahmen wir das Taxi, welches zwar auch sehr günstig ist, aber sich nur sehr langsam durch den dichten Stadtverkehr bewegt. Die letzten beiden Tage nutzten wir dann das Boot. Ja, es verkehren Boote durch Bangkok. Für etwa 40 Cent kann man sich zwischen den etwa 20 Pieren hin und her bewegen. Und da es dort weder Ampeln noch Stau gibt, ist das auch die beste Variante, vor allem wenn man weitere Strecken zurücklegen will.
Und dann gibt es natürlich noch das legendäre Tuk-Tuk, ein Wahrzeichen dieser verrückten Stadt, wenn nicht ganz Thailands. Das muss man einfach mal gemacht haben, wenn man in Thailand ist. Vom Handeln über den Fahrpreis, von dem man weiß, dass er aufgrund unseren europäischen Aussehens drei Mal so hoch angesetzt ist wie üblich, über die halsbrecherische Fahrt durch Bangkoks Rush-Hour bis zum Gefühl der Dankbarkeit überlebt zu haben, dass einem beim Aussteigen überkommt. Aber Achtung: denn in Bangkok hat sich eine beinahe mafiöse Struktur unter den Tuk-Tuks entwickelt und das ganze läuft folgendermaßen ab: Tuk-Tukfahrer quatschen Touris an und bieten Stadtrundfahrten für 20 Baht (50 Cent) an. Wer dort einsteigt kann sein Tagesprogramm vergessen. Denn statt zu den Sehenswürdigkeiten wird man gezielt zu Schneider und Juweliere oder zu anderen Geschäfte gefahren, die dem Fahrer für frische „Kundschaft“ Provision zahlen. Dort wird man dann gebeten „nur mal zu gucken“. Dabei bleibts aber nicht und oft wird man belabert und genötigt etwas zu kaufen. Zum Glück wurde uns das vorher erklärt und es ist schon traurig wie viele Tuk-Tukfahrer da mitmischen. Ich übertreibe nicht wenn ich sage, dass wir an jedem Tag in Bangkok etwa 10-15 Mal angeredet wurden. Ist natürlich in den meisten Fällen beiläufig und man lächelt wohl wissend und geht einfach weiter. Aber manche werden selbst auf der Straße richtig aufdringlich. Sobald man mal die Karte vorholt, steht wie von Geisterhand schon einer vor uns und fragt uns: Where are you going? Ist immer die gleiche Eröffnungsfrage.
Einmal sind wir dann aber doch auf einen Typen reingefallen. Es gibt natürlich nicht nur die Tuk-Tukmasche, sehr beliebt sind auch falsche Touristeninformationen, die es zu Unmengen in der ganzen Stadt gibt. Wir laufen grad in der Nähe des Königspalastes entlang einer nicht endend wollenden Schlange von schwarz gekleideten Menschen. Der König ist vor kurzem gestorben. Er wurde und wird unendlich verehrt, so dass Thais aus dem ganzen Lande mit Reisebussen in die Hauptstadt fuhren, um Abschied zu nehmen. Jedenfalls laufen wir da grade lang und staunen nicht schlecht über die Menschenmengen. Da quatscht uns „John“ an. Wirklich ganz nett, wo wir denn hin wollen, was uns gefällt an Thailand. Und so weiter, halt Honig ums Maul schmieren. Es war der letzte Tag in Bangkok bevor es mit dem Zug nach Ayutthaya ging, so der Plan. Da meinte John, Zug ist ganz schlecht, alles voll. Wegen dem König. Nächsten Tage sind alle Waggons ausgebucht. Hmm, klang plausibel und wir wollten in der Tat noch zur Touri-Info. Es gibt eine Offizielle, die sich von den Betrüger-Touri-Infos abhebt durch eine staatliche Lizenz. Allerdings war die grad meilenweit entfernt und wir wollten erstmal noch zum Aussichtspunkt, zu dem wir auch grad auf dem Weg waren. Jedenfalls wusste der John gleich Rat, es gibt hier gleich um die Ecke eine Touri-Info. Da kann er uns hinbringen, er müsse sowieso in die Richtung. Kostenloses Wasser und Toilette gibt’s dort auch. Das passte um so mehr und kam Jennys voller Blase entgegen. Also ließen wir uns von John in die Info bringen und in der Tat sah erstmal alles ziemlich nach normaler Touri-Info aus. Also nahmen wir Platz und stellten unsere Frage: Wie kommen wir am besten nach Ayutthaya? Die Antwort bestand aus lauter Gegenfragen. Wo wir denn noch hin wollen? Nach Süden auf die Inseln zum Tauchen? Oder doch lieber nach Norden in den Dschungel? Wie lange bleiben Sie denn in Thailand? - Na wir wollen erstmal nach Ayutthaya und dann mal gucken. Nur soll es mit dem Zug Probleme geben haben wir gehört. So unsere Antwort. Und wer hätte das gedacht, natürlich gibt es mit dem Zug Probleme. Genauso wie mit dem Bus, denn seit Wochen sind alle Plätze ausgebucht. Ich sagte Jenny, sie solle sich die Toilette zeigen lassen damit dieser Besuch nicht ganz umsonst gewesen sei. Spätestens seit diesem Rumgeeier wussten wir, dass das hier keine richtige Touri-Info ist. Während Jenny ihre Blase leerte, ließ ich mir ein Paket zusammenstellen für unseren kompletten Thailandaufenthalt. Ich sagte, dass uns Pauschalreisen langweilen und wir uns immer offen halten wollen, wann wir wo und wie lange hinreisen. Kapierte er nicht und nach knapp einer halben Stunde verließen wir die „Touri-Info“, die ihr Geld damit verdient, Touristen überteuerte Komplettpakete zu verkaufen anstatt einfache Fragen nach dem Weg in die nächste Stadt zu beantworten. Das traurigste war noch, dass, als ich ihm sagte wir würden gern auch weniger touristische Orte besuchen wollen, er uns riet, das nicht zu machen. Thailands Zentrum sei sehr gefährlich und voller verrückter Ureinwohner würden dort leben. Ist nicht sicher und fahrlässig sich dort aufzuhalten. Der hat sein eigenes Land wirklich auf Bangkok, Chiang Mai im Norden und die Inseln im Süden reduziert. Ist im Prinzip die gleiche Masche wie mit den Tuk-Tuks, nur das es hier keine Fahrer gibt sondern Typen, die sich John nennen. Chapeau John, nice hand! Du hast es wirklich geschafft uns zu täuschen. Aber man sieht sich immer zweimal im Leben und das sollte bereits keine fünf Minuten sein nachdem wir die Touri-Info wieder verließen. John kam uns entgegen, im Schlepptau ein europäisch aussehendes Pärchen. Jenny und ich blickten uns an. War das nicht der Typ von eben? Da es ziemlich unwahrscheinlich schien, dass wir uns beide gleichzeitig verschaut hatten, machte ich kehrt und lief dem Paar hinterher. Das nächste potentielle Opfer erschrak sich richtig als ich ihn bei seiner Schulter packte. Ich fragte ihn ob er mit einem Einheimischen zu einer Touri-Info wolle und nach Bejahung dieser Frage erklärte ich ihm kurz die Situation. Er rief seine Freundin zu sich, die verdutzt – ohne John – wieder zurückkehrte. Die beiden erklärten uns dann, dass es ihnen auch schon komisch vorkam, aber ihm erstmal hinterher gingen. Genauso wie wir. Wir hielten noch ein kleines Pläuschchen mit dem spanisch-türkischen Paar aus Madrid und verabschiedeten uns zwei Straßen weiter wieder. Haa! Wenigstens haben wir John um seine Provision und ein paar Prozente als Schlepper gebracht, dachten wir uns. Danach schauten wir uns den Aussichtspunkt und Bangkok von oben an. Und auf dem Rückweg sahen wir noch einmal John, an der gleichen Straßenecke wartend an der wir ihn zwei Stunden zuvor in die Arme liefen. Das Rad dreht sich eben weiter, immer und überall.

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