Wir hatten sonnige Tage in der
Hauptstadt, das Wetter war einfach super und das gegen Ende September. Ehe
auch auf dem Balkan der Herbst anfangen sollte seine raue Seite zu
zeigen, entschlossen wir uns die letzten warmen Tage am Meer zu
verbringen. Mit dem Bus ging es von Tirana nach Dürres, welches
keine ganze Stunde entfernt von der Hauptstadt direkt an der Adria
liegt. Dürres besteht im Wesentlichen aus zwei Stadtteilen. Da ist
zum einen die Innenstadt mit Zentrum, Hafen und Sehenswürdigkeiten.
Zum anderen gibt es noch den Strandabschnitt, zu dem eine sehr lange
Hauptstraße parallel verläuft. Dort gibt es die meisten Apartments,
Hotels und Restaurants und auch wir hatten dort ein Zimmer gebucht.
Der Bus von Tirana nach Dürres hielt im Zentrum und statt die 5 Euro
für ein Taxi auszugeben, welches uns hartnäckig angeboten wurde, versuchten wir unser Glück zunächst per
Fuß. Irgendwann gelangten wir auch tatsächlich auf die Rruga
Pavaresia, der langen Hauptstraße in unserem Stadtteil. Doch leider
fanden wir an kaum einer Querstraße ein Straßenschild, es war quasi
einem Lottospiel gleich, den richtigen Abzweig zu finden. Aber das
eigentliche Problem lag woanders. Unsere Unterkunft trug den Namen "Dhoma Dhe Garsonjere", was auf Deutsch soviel heißt wie: Ein Zimmer
mit Küche. Diese Betitelung sollte in einem der kompliziertesten
Missverständnisse gipfeln, die wir je erlebt haben. Aber immer der
Reihe nach. Wir entschieden uns dann erstmal doch für ein Taxi.
Obwohl wir nun schon im richtigen Stadtteil waren, wusste Taxifahrer
Nummer 2 nicht, wo unser Hotel lag. Dass das am ungünstigen Namen
lag, wussten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht. Taxifahrer Nummer 3
runzelte zwar die Stirn, aber nur wenige Momente gestikulierte er uns
sicher wirkend zu, dass er wüsste, wo das besagte Hotel ist. Hierbei
ist noch zu erwähnen, dass wir nur die Straße und den „Hotelnamen“
hatten. Keine Straßennummer, geschweige denn eine Telefonnummer. Ich
handelte ihn noch von 6 auf 5 Euro herunter und los ging das
Abenteuer. Wir fuhren etwas durch die Gegend, der Taxifahrer war nun
doch nicht mehr so sicher und fragte mit herunter gelassener Scheibe
andere Passanten nach dem Weg. Endlich fanden wir auch jemanden, der
Englisch sprach und uns über die doppeldeutige Namensgebung des
Hotels aufklärte. Der Taxifahrer sprach leider kein Wort Englisch,
fuhr dann jedoch die Straße entlang, die ich ihm nannte. Irgendwann
waren wir dann soweit weg vom Strand, dass ich mir hundertprozentig
sicher war, dass wir nicht mehr richtig waren. Der Taxifahrer zeigte
auf jedes Hotel, egal ob Absteige oder 4-Sterne und rief mit jedem
Mal verzweifelter: Dhoma Dhe Garsonjere, DHOMA DHE GARSONJERE! Er
dachte halt, wir suchen ein Zimmer mit einer Küche. Ich versuchte
ihm zu erklären, dass das der Name sei, aber die Sprachbarriere war
einfach zu hoch. Wir waren dann schließlich soweit außerhalb der
Stadt, dass ich erstaunt war, als wir vor einem Nobelhotel zwischen
all den heruntergekommenen Häusern hielten. Wir gingen ins Hotel,
dort wurde zum Glück Englisch gesprochen. Der etwa Mitte zwanzigjährige Kellner war sehr nett und recherchierte per
Smartphone, wo denn nun das verdammte Hotel zu finden war. Er meinte
nur, sehr unprofessionell, keine Telefonnummer mit anzugeben, aber
immerhin konnte er dem Taxifahrer erklären, dass wir zurück zum
Strand müssten. Der Taxifahrer war kurz vorm Explodieren, er schaute
mich mit großen Augen an und tippte auf seine Armbanduhr. Zu allem Überfluss fing auch noch sein Handy an zu klingeln, vermutlich die
nächsten Aufträge. Zum Glück hatten wir einen Festpreis
ausgehandelt, dachte ich mir. Taxameter wäre ziemlich teuer
geworden, allein in dem Hotel brachten wir eine Viertelstunde zu,
weil der Kellner gut betuchte Gäste zu bedienen hatte.
Irgendwann saßen wir wieder zu Dritt
im Taxi, alle Beteiligten hatten die Schnauze voll und gestanden sich
ein, dass das Unterfangen Hotelsuche gescheitert war. Der Taxifahrer
fuhr zurück zur Pavaresia und ließ uns dort raus. Ich gab ihm die
wie verabredet 5 Euro und er sprang wie ein fluchendes
Rumpelstilzchen zurück in sein Auto. Klar war das ärgerlich und
verlorene Zeit für ihn, aber auch wir waren nicht an unserem Ziel
angelangt und sahen nicht ein, mehr als den vereinbarten Preis zu
bezahlen. Immerhin gab er sich ziemlich sicher, als ich ihm den
Zettel mit dem Namen und der Straße unter die Nase hielt. Nun
standen wir da und wussten erstmal nicht weiter, wie so oft. Zum
Glück hatten wir diese Situation schon gefühlte Tausendmale
erlebt, auch auf anderen Reisen und so wussten wir, dass am Ende des
Tages alles gut werden würde. Wir saßen nun aber erstmal eine
Viertelstunde ziemlich hilflos auf dem Gehweg herum und zogen somit
erste Blicke auf uns. Ein Zeichen dafür weiter zu machen. Altes
Spiel, Jenny hütet das Gepäck, René sucht Hilfe. Ich ging in ein
Hotel auf der anderen Straßenseite. Dort kam nach ein paar Minuten
ein junger Albaner, vielleicht so um die 18 Jahre an und fragte, ob
er mir helfen könnte. Er konnte zwar kein Englisch, dafür jedoch
ganz gut Deutsch. Der erste Lichtblick in dieser verworrenen
Situation! Sergej hatte eine Zeit lang in Dortmund gewohnt und konnte
deshalb unsere Sprache. Für sein junges Alter ist er schon ziemlich
herum gekommen in Europa: Mit 12 Jahren nach Griechenland. Später
folgten Aufenthalte in Italien, England und in anderen
Balkanländern. Es ging immer nur ums Geldverdienen. Jetzt hatte er
grad einen Job an der Rezeption des Hotels, in dem ich ihn traf.
Sergej zeigte mir ein Internetcafe nur ein paar hundert Meter die
Straße rauf. Dort schaute ich nochmal genau nach und zusammen fanden
wir schon mal heraus, dass die Straße schon mal die Falsche sei, die
in der Bestätigungsmail stand. Immerhin fanden wir noch eine
Telefonnummer und Sergej rief dort an. Er sprach mit einem Mann, der
uns an einer Tankstelle in der Nähe abholen sollte. Ich fand das
übelst krass, wie freundlich dieser junge Kerl war. Er wollte sogar
die angebrochene Viertelstunde Im Internetcafe für mich bezahlen.
Das erübrigte sich jedoch, denn der Typ dort wiederum war froh
geholfen haben zu können und wollte kein Geld dafür. Welch eine Hilfsbereitschaft! dachte ich mir. Danach holten wir Jenny ab und
Sergej brachte uns dann zu besagter Tankstelle. Dort warteten wir
dann gemeinsam mit einem doch etwas mulmigen Bauch auf den Mann, der uns
abholen sollte. Zumindest wurde uns dann mit jeder Minute, die wir warteten etwas komischer. Aber es war ja mitten am Tage und wir standen hier
auf der Hauptstraße in der zweitgrößten Stadt im ganzen Land. Und
überhaupt sind 99,9% dieser unwohlen Gefühle auf Propaganda und
Meinungen aus Medien und/oder von Menschen zurückzuführen, die noch nie in ihrem Leben
in dieser oder einer ähnlicher Situation gesteckt haben. Auch wir
sind vor einigen Vorurteilen nicht frei, das zeigt sich ganz deutlich
im eben beschriebenem Szenario.
Nach ein paar Minuten holte uns dann jedoch die
Realität wieder ein. Ein netter alter Mann holte uns ab, wir
verabschiedeten uns vom hilfsbereiten Sergej und nach etwa zehn
Minuten standen wir vor einem Haus, welches ich von den Bildern aus
dem Internet wiedererkannte. Der alte Mann übergab uns seiner Frau
und diese zeigte uns unser Zimmer für die nächsten Tage. Leider
konnten beide kein Englisch, sie waren sehr lieb zu uns. Die Frau
hieß Sabrina und gab mir einen dicken Kuss auf die Wange. Zu Jenny
machte sie die typische Ringfingergeste und traurig und verdutzt
verstand sie, dass wir nicht verheiratet waren. Sie freute sich
richtig, dass wir ihre Gäste waren. Ich gab ihr die 40 Euro, die uns
die drei Nächte kosteten und als die Tür hinter uns ins Schloss
fiel, ließen wir uns endlich auf unser Bett fallen. Was war das denn
bitte wieder für ein Ritt?! Auf der einen Seite wünschen wir uns in
dieser Situation ein Smartphone, dann wäre uns der ganze Stress
erspart geblieben. Auf der anderen Seite hat Jenny damit Recht, dass
es auch immer ohne geht und wir sonst so etwas gar nicht erleben
würden. Die Menschen sind wirklich freundlich und helfen gerne.
Am Abend machten wir dann noch einen
schönen Spaziergang am Meer. Die Hauptsaison war bereits
vorbei und somit waren wir nur zwei von wenigen weiteren Touristen.
Die albanischen Jugendlichen spielten Fussball am Strand. Ein paar
Verkäufer auf ihren Vierrädern versuchten Handtücher zu verkaufen. Die
Einheimischen saßen im Sand und ließen den Tag ausklingen. Die
ausgelassene Stimmung am Meer wurde mit einigen Brisen verbrannten
Marihuanas untermalt, welche uns um die Nase wehten. Als die
Dunkelheit begann Einzusetzen, kauften wir noch frisches Gemüse
und Kartoffeln ohne Ende. Unser Zimmer war nicht nur mit einem
eigenem Bad, sondern auch mit einer Küche ausgestattet. Das hieß
Kartoffelzeit! Leider spitzte sich zu dieser Zeit in Durres ein
unangenehmes Problem zu und das hieß Zahnschmerzen. Ich hatte schon
in den letzten 2 Wochen zuvor immer ein übles Drücken am rechten
unteren Backenzahn gespürt. Vielleicht wuchs der Weisheitszahn in
dieser Ecke, vielleicht war die Füllung, die ich dort hatte defekt,
vielleicht war es auch etwas ganz anderes. Mir graut es vor
Zahnarztbesuchen, aber mittlerweile war es doch recht schlimm
geworden und immerhin waren wir noch in einer großen Stadt, der es
an Zahnärzten nicht mangelte. Durch selektive Wahrnehmung nahmen wir
alle hundert Meter eine Zahnarztpraxis wahr. Am dritten Tag überwand
ich meine Angst und wir suchten eine Praxis auf. Der erste Zahnarzt
sagte mir, dass alles okay sei und wusste auch nicht, was zu machen
war. Ich verließ mich nicht auf die Abwesenheit des Schmerzes, der
kam und ging wie er lustig war und wir suchten weitere Praxen auf.
Doch selbst im dritten Anlauf wurde mir dasselbe diagnostiziert.
Wir schlenderten weiter durch die Stadt und schließlich sah Jenny
eine ziemlich modern hergerichtete Praxis. Wir beschlossen, diese als
letzten Versuch des Tages zu besuchen und diesmal hatten wir Glück.
Eine englischsprachige Zahnärztin empfing uns und endlich fanden wir
eine Praxis mit Röntgengerät. Nach ein paar Minuten saß ich auf
dem Stuhl und die nette Zahnärztin erneuerte meine Füllung im
Backenzahn, die anscheinend defekt war. Danach ließ ich mir noch
eine professionelle Zahnreinigung machen und alles war wieder in
Ordnung. Wir verließen mit meiner neuen Füllung als albanisches Souvenir die Praxis und gingen zum Reisealltag über. Ich
hatte dann zwar an einem anderen Zahn noch einige Tage lang
Schmerzen, aber dass ist nach einer Zahnreinigung wohl normal und
inzwischen ist auch alles wieder paletti. Den Rest der Zeit in Durres
waren wir oft am Strand, kochten in unserer Wohnung und spazierten
durch die Straßen. Durch einen dieser Spaziergänge erfuhren wir,
dass es noch eine zweite Bushaltestelle gab, keine Viertelstunde von
unserem Hotel entfernt. Unser nächstes Ziel war die südlichste
Stadt Albaniens, Saranda. Von besagter Bussammelstelle, einen
offiziellen Busbahnhof gibt es ja kaum in Albanien, fuhren wir dann
etwas über 4 Stunden nach Saranda runter.
Saranda liegt ziemlich nahe der
griechischen Grenze. Die Urlaubsinsel Korfu ist keine 30 Kilometer
mehr entfernt. Sprechen die Leute im restlichen Teil der Westküste
noch italienisch, ist hier griechisch die Zweitsprache. Die wohl
größte Sehenswürdigkeit in der Gegend (und auch des Landes) ist
Butrint, eine Ruinenstätte, die schon sehr ans antike Griechenland
erinnert. Dorthin machten wir einen Tagesausflug und flanierten mit
einigen anderen Touristen durch die Ruinen. Die Stätte war doch
weitläufiger als erwartet und so kam es, dass wir teilweise alleine
zwischen den alten Gemäuern spazierten. Auch das Wetter spielte wie
fast immer mit und so hatten wir einen tollen Tag, der von Kultur
geprägt war. Wir sind jetzt nicht sooo sehr die Interessenten von
Ausgrabungsstätten, aber Butrint kann man sich schon geben. Auch
Saranda ist ein ziemlich ansehnlicher Ort. Das Leben spielt sich
natürlich an der Strandpromenade ab, die von Palmen, Restaurants und
kleinen Grünflächen gesäumt ist. Auch ein kleiner Kieselstrand ist
vorhanden, der komischerweise immer ziemlich leer war. Uns sollte es
Recht sein, so konnten wir in Ruhe das Meer und die Sonne genießen.
An unserem letzten Tag in Saranda machten wir einen weiteren Ausflug
zu einer Karstquelle, dem sogenannten Blue Eye. Wir fuhren mit dem
Bus die 25 Kilometer aus der Stadt raus und wanderten noch etwa 20
Minuten ins Grüne hinein. Als wir das Wasser erreichten, trauten wir
unseren Augen nicht: Das Blue Eye macht seinem Namen wirklich alle
Ehre. Die Quelle sieht wunderschön aus; sie ist ein Farbspiel aus
weißen Kieseln, grünen Pflanzen und blauem Gestein.
Mit einer Durchschnittstemperatur von
12 Grad war es zwar etwas frisch, aber spätestens beim dritten Mal
rein springen hatten wir uns daran gewöhnt. Zwischendurch staunten
wir immer wieder über die Natur, die sich vor unserem Auge
abspielte. Wo kommt all das Wasser her, wie geht das? Es war einfach
ein herrlicher Ort. Erst später merkten wir, dass wir Glück hatten
und zeitig starteten an diesem Tag. Es kamen doch noch recht viele
Touristen vorbei, meist größere Familien. Mit einer finnischen
Familie kamen wir auch noch etwas ins Gespräch. Der Vater meinte,
für Finnen sei das Wasser noch warm und wir lachten.
Als es dann Nachmittag wurde und sich
doch noch einige dunkle Wolken am Himmel bildeten, brachen wir auf
Richtung Straße. Da wir nicht wussten, wann der nächste Bus kommen
würde, hielten wir gleich den Daumen raus. Nach ein paar Minuten
hielt dann auch ein netter Typ namens Tauland. Da er einige Zeit in
London gelebt hatte, konnten wir uns auf Englisch verständigen. Die
Fahrt ging allerdings nur recht kurz und so erreichten wir schnell
Saranda. Tauland wohnte zwar ein oder zwei Orte vor Saranda, doch er
brachte uns trotzdem noch zu unserem Hotel ins Zentrum. Nach
anderthalb Wochen in Hotelzimmern hatten wir nochmal Lust zu Zelten,
bevor es auch auf dem Balkan Herbst werden würde. Wir fanden auch
einen Campingplatz in unserem nächsten anvisierten Ziel und griffen
die Gelegenheit beim Schopf. Nach über einer Woche Adria, ging es
wieder in die Berge nach Gjirokaster. Der Ort ist ziemlich
überschaubar. Seine Sehenswürdigkeit sind die alten engen
Kopfsteinpflastergassen, die das Altstadtzentrum bilden und die Lage
in den Bergen, die zum Wandern einlädt. Die Stadt trotzt den Hängen,
es wurde einfach berghinauf gebaut. Da unser Zeltplatz etwa 2
Kilometer außerhalb lag, hatten wir so jeden Abend ein schönes
Lichterpanorama der Stadt. Auf unserem Campingplatz sahen wir dann sogar noch eine junge Berliner Familie wieder, die wir ein oder zwei Tage zuvor schon am Blue Eye kennen gelernt haben. Grit und Andreas nutzten mit ihrem Nachwuchs Noam ihre Elternzeit und reisten mit einem Bully durch die Gegend. Am Abend luden sie uns dann in ihr Gefährt ein, nachdem der Sprössling im Schlummerland war. Grit ist Kinderärztin und Andreas arbeitet selbstständig als Berater bei sozialen Projekten und beide sind durch ihre Professionen schon gut rum gekommen. Bangladesch, Nigeria, und Nepal und einige andere Länder, an die der Durchschnittsreisende nicht in seiner Erstauswahl denkt, sind einige Beispiele. Solche Lebensläufe sorgen natürlich für ordentlich Gesprächsstoff und wir hörten uns gerne ihre Erlebnisse und daraus gewonnenen Lebensansichten an.
Nach 2 Tagen machten wir uns schließlich
auf in Richtung Mazedoniens. Dazu fuhren wir zunächst mit dem Bus
nach Tirana zurück. Dort fuhren wir per Taxi einmal quer durch die
Stadt zu einer Sammelstelle von Privatfahrern. Und letztendlich
nahmen wir in einem netten Mercedes mit einem älteren albanischen
Paar vorlieb und fuhren von der Hauptstadt nach Pogradec, unserem
letzten Halt in Albanien. Dort angekommen halfen uns dann noch zwei
Vertreter der mormonischen Glaubensgemeinschaft einen Campingplatz zu
finden und nach einem langen Tag stellten wir unser Zelt endlich auf
einer Art Bauernhof auf. Wir waren neben einem Wohnwagen die einzigen
Gäste dort. Weitere Mitbewohner waren Hühner, Enten, viele Katzen
und ein Hund, der die ganze Nacht bellte. Wir unternahmen noch einen
Strandspaziergang bevor es dunkel wurde und fanden sogar den
Campigplatz, der uns einst von einem älteren deutschen Paar
empfohlen wurde. Da die Sanitäranlagen auch nicht so doll waren auf
unserem Bio-Campingplatz und der Hund uns auf den Sack ging,
wechselten wir am nächsten Tag das Lager. Leider wurde es dieser
Tage immer frischer in den Nächten. Und dann kam auch noch Regen
dazu. Pogradec konnten wir daher grade mal eine knappe Stunde
besichtigen. Das fanden wir sehr schade, denn schon bei der Ankunft
am Vortag hat sie uns beiden auf den ersten Blick sehr gefallen.
Nicht zu groß und nicht zu klein und an einem See gelegen. Auf
unserem neuen Campigplatz lernten wir dann noch unsere einzigen
Nachbarn kennen. Sie hießen Hans und Werner und kommen aus
Baden-Württemberg. Hans war ein pensionierter Sportlehrer, der mit
seinen über 70 Jahren grade mal wie Anfang-Mitte 50 aussah. Er kam
zum ersten Mal vor 4 Jahren an den Ohridsee und ihm gefiel so gut,
dass er zusammen mit seinem Kumpel Werner seinen Wohnwagen auf den
Campingplatz brachte. Von nun an würde er immer nur noch nach und
von Ohrid fliegen, welches auf mazedonischer Seite keine 30 Kilometer
entfernt liegt. Er gab dem Besitzer des Platzes, Bene, vom ersten
Besuch an Tipps, was besser zu machen sei. Und in der Tat: der Rasen
ist wirklich super, die Sanitäranlagen sind gefliest und gleichen
deutschen Badezimmern, das Internet läuft top und es gibt sogar
einen Wäscheservice. Ganz vorn befindet sich noch ein kleiner
Sandstrandabschnitt mit einigen Sonnenschirmen aus Holz. Alles in
allem schon ziemlich herausgeputzt für albanische Verhältnisse und
mit 6 für zwei Personen pro Nacht auch einer der günstigsten
Plätze, auf denen wir je gezeltet haben. Am Abend luden uns Hans und
Werner noch zum Essen ein und danach spielten wir Karten. Bene war
natürlich auch mit von der Partie. Das war ein richtig lustiger
Vogel. Er konnte kaum Englisch und umso heftiger gestikulierte er um
sich, aber richtig übertrieben. So hatten wir einen richtig
unterhaltsamen Abend zu fünft. Als wir später jedoch zu Bett gingen
wurde der Regen immer heftiger und es kam auch noch jede Menge Sturm
dazu. Hans gab uns noch eine extra Decke, aber Bene hatte noch eine
bessere Idee: er baute in seiner Garage schnell zwei Strandliegen
auf. Dort verbrachten wir dann bei Trockenheit und Windstille die
Nacht. Am nächsten Tag brachen wir dann nach Ohrid auf..
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen