Dienstag, 29. November 2016

Kontinentalwechsel - auf nach Bangkok!

Der Flughafen in Sofia ist recht übersichtlich und so gab es weder Probleme noch Stress beim Einchecken. Die Wartezeit wurde durch Lesen und Essen überbrückt und pünktlich startete unser Flieger in Richtung Moskau. Dort hatten wir dann noch einmal genauso lange Aufenthalt wie der Flug dorthin dauerte, drei Stunden. Ich schrieb etwas Reisebericht und wir sortierten zusammen einen Teil der gemachten Fotos aus. Ist schon ganz schön viel zusammen gekommen, auch dort verging die Zeit wie im Flug. Weiter ging es von Moskau nach Bangkok, dieser Flug sollte etwa achteinhalb Stunden andauern. Wir erreichten die thailändische Hauptstadt morgens 8.30 Uhr Ortszeit. Etwas zerknautscht, wir hatten nicht geschlafen, verließen wir den Flieger. Nachdem wir uns erfolgreich unseren 30-Tage-Stempel und unser Gepäck abholten, suchten wir die Metro auf. Der Flughafen in Bangkok ist zwar alles andere als klein, dafür ist jedoch alles so gut ausgeschildert, dass wir auch dort keine Probleme hatten alles zu finden. Statt mit einem völlig überteuerten Taxi ins Zentrum zu fahren, zahlten wir nun insgesamt keine zwei Euro am Fahrkartenautomat. Die Fahrt dorthin dauerte eine gute halbe Stunde. Die Bahn war sehr sauber und klimatisiert. Zum Glück stiegen wir gleich am Flughafen ein, bereits an der dritten Station war die Bahn hoffnungslos überfüllt. Einige Menschen trugen einen Mundschutz. Das sieht auf dem ersten Blick etwas beängstigend aus, weil man denkt es geht hier wohl grad nen Virus rum. Wie wir später erfuhren, haben Thais sehr empfindliche Nasen und in den Straßen kann es geruchsmäßig manchmal ganz schön zur Sache gehen.
Als wir im Zentrum ankamen waren wir trotzdem noch etwa 5 Kilometer von unserem Zimmer entfernt. Vom Bahnhof stiegen wir dann in ein Taxi und kamen so eine Viertelstunde später in unserem Hotel an. Die Fahrt dorthin war recht amüsant. Dort hatten wir nämlich unsere erste europäisch-asiatische Konversation mit dem Taxifahrer, der klischeehafter nicht hätte Englisch sprechen können. Die Betonung der Wörter war dermaßen übertrieben, dass Jenny und ich uns anschauten und dachten, der verarscht uns doch grade. War trotzdem ein ganz netter Typ, auch wenn er komische Fragen stellte, alá: Wie viele Partner hattet ihr schon? Wie gesagt, die Fahrt ging grad mal eine Viertelstunde und so hielt sich dieses witzige Gespräch in Grenzen und wir standen mitten im schwülen Bangkok vor unserem Hotel. Da es nach Ortszeit noch vormittags war konnten wir noch nicht auf unser Zimmer. Wir besorgten uns also in einer der unzähligen Touri-Infos eine Karte und bedienten dort gleich mal das zweite thailändische Klischee. Ein offensichtlicher Ladyboy übergab uns die Karte und erklärte uns mit nasaler Stimme einige Sehenswürdigkeiten. So ganz konnten wir in diesem Moment noch nicht fassen in Asien zu sein, eine Mischung aus Müdigkeit, Schwüle und bizarren Situationen ließ alles etwas wie einen Traum erscheinen. Wir liefen etwas durch die Straßen und staunten nicht schlecht, verhungern würden wir hier auf keinen Fall. So ziemlich jeder Zentimeter Bordsteinkante war eingenommen von Straßenverkäufern, die in ihren Woks brutzelten, was das Zeug hielt. Zum Glück fanden wir nach ein paar Minuten einen kleinen Park. Dort setzten wir uns auf eine Bank mit Blick auf dem Fluss und holten etwas Schlaf nach. Drei Stunden später betraten wir dann unser Zimmer für die nächsten Tage. So ziemlich das simpelste Zimmer in dem wir bis zu diesem Zeitpunkt vorlieb genommen haben: Ein Bett, ein Mülleimer, zwei Fenster und ein Ventilator. Allerdings muss man dazu sagen, dass solche Zimmer kaum mehr als 10 Euro pro Nacht kosten, in diesem Fall 8 Euro, und das ist schon ein unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis, vor allem wenn man die Lage in der Stadt mit berücksichtigt. Am Abend gingen wir dann durch die Straßen und begutachteten erstmal die ganzen Leckereien. Natürlich probierten wir sie auch und nahmen alles mit was uns gefiel.
Es gibt im wesentlichen mehrere Kategorien an Straßenständen, in jedem Ort auch außerhalb von Bangkok. Da sind zum einen die, die frisches Essen zubereiten. Suppen, Nudel- und Reisgerichte mit oder ohne Fleisch/Meeresfrüchte sowie Frühlingsrollen und Fleischspieße. Da wir uns bis auf ein oder zwei Ausnahmen vegetarisch ernähren, fiel dabei schon einmal ein Großteil der Stände weg. Es wird in Asien doch mehr Fleisch gegessen, als wir vorher glaubten, aber vor allem in einer Stadt wie Bangkok ist für jeden Gaumen was dabei. Zurück zu den Ständen. Es gibt natürlich auch unzählige Obststände. Diese unterteilt man noch mal in die, welche das reine Obst verkaufen. Mangos, Bananen, Papayas und vor allem Kokosnüsse! Wie ich diese Zeilen verfasse sind wir bereits über drei Wochen in Thailand und vor allem Kokosnüsse haben es uns besonders angetan, so dass wir allein davon locker 30 bis 40 Stück zusammen vernascht haben. Die Verkäufer schlagen dazu mit einem Buschmesser ein Loch oben rein. Dann heißt es das frische köstliche Wasser (oft sind die Kokosnüsse in Kühlboxen voller Eis gelagert) mit einem Strohhalm zu trinken. Und zu guter Letzt haben wir immer unsere mitgebrachten DDR-Rostfrei-Löffel mit im Tagesrucksack, mit denen wir das leckere Kokosfleisch auslöffeln. Eine Kokosnuss kostet je nach Ort und Stand zwischen 70 Cent und 1,20 Euro. Der perfekte Snack für zwischendurch und zu jeder Tageszeit.
Die zweite Art von Obstständen verkauft das Obst nicht pur, sondern in Form von Shakes. Die Sortenvielfalt ist dieselbe wie bei den normalen Obstständen. Das Obst wird jetzt nur zusammen mit Eiswürfeln im Mixer verarbeitet. Grade bei den Temperaturen hier ist das immer für gut für unterwegs in der Stadt. Leider wird in vielen kleineren Städten statt frisches Obst ausschließlich Sirup benutzt, so dass wir auf diese Form von Erfrischung nur in Großstädten zurückgriffen.
Eine weitere Kategorie an Ständen bietet Leckereien zum Naschen und Desserts an. Hier gibt es Minidonuts, Kokosplinse, Waffeln (mit Bananen und Nutella oder Käse), süße Kartoffel und und und. Da das alles neu für uns war gaben wir grade in Bangkok gefühlt unser halbes Reisebudget nur für Essen aus. 
Auch wenn alles spottgünstig ist, es läppert sich zusammen, wenn man sich jeden Tag von Stand zu Stand futtert. Aber natürlich haben wir uns auch die Stadt angeschaut. Am ersten Tag waren wir im Zoo unterwegs und erkundeten weiter unser Stadtviertel. Natürlich gibt es auch viele Tempel. Und zwar so viele, dass es unmöglich ist sie sich alle anzusehen. In einem der berühmtesten, dem Wat Pho, liegt ein 46 Meter langer und 15 Meter hoher vergoldeter Buddha. Das ist schon sehr beeindruckend so etwas zu sehen. Und überhaupt sehen die Tempel auch von außen wie innen sehr schön aus, vor allem am Anfang, wenn man das alles noch nie gesehen hat. Ohne diese tollen Glaubensstätten runterreden zu wollen, aber wir haben mittlerweile so viele Tempel gesehen, dass uns diesbezüglich kaum noch etwas umhaut. Und trotzdem schauen wir sie uns immer mal wieder an, schon allein um manchmal den Trubel von der Straße zu entkommen. Nach einem Tag mit Schwerpunkt Tempel anschauen, folgte ein erlebnisreicher Tag in Chinatown. Bei uns vor der Haustür gings ja schon ab, aber Chinatown setzte dem Ganzen nochmal die Krone auf. Unglaublich wie viele Stände und Menschen es dort gibt. Ich würde behaupten, dort gibt es nichts was es nicht zu kaufen gibt. Außer vielleicht Atom- U-Boote oder Marsraketen. Aber wer weiß, wir haben auch dort nur einen Bruchteil gesehen, so riesig war es dort. Gutes Stichwort, denn Bangkok ist so riesig, dass es keinen Sinn machen würde alles zu Fuß zu erkunden. Am Anfang nahmen wir das Taxi, welches zwar auch sehr günstig ist, aber sich nur sehr langsam durch den dichten Stadtverkehr bewegt. Die letzten beiden Tage nutzten wir dann das Boot. Ja, es verkehren Boote durch Bangkok. Für etwa 40 Cent kann man sich zwischen den etwa 20 Pieren hin und her bewegen. Und da es dort weder Ampeln noch Stau gibt, ist das auch die beste Variante, vor allem wenn man weitere Strecken zurücklegen will.
Und dann gibt es natürlich noch das legendäre Tuk-Tuk, ein Wahrzeichen dieser verrückten Stadt, wenn nicht ganz Thailands. Das muss man einfach mal gemacht haben, wenn man in Thailand ist. Vom Handeln über den Fahrpreis, von dem man weiß, dass er aufgrund unseren europäischen Aussehens drei Mal so hoch angesetzt ist wie üblich, über die halsbrecherische Fahrt durch Bangkoks Rush-Hour bis zum Gefühl der Dankbarkeit überlebt zu haben, dass einem beim Aussteigen überkommt. Aber Achtung: denn in Bangkok hat sich eine beinahe mafiöse Struktur unter den Tuk-Tuks entwickelt und das ganze läuft folgendermaßen ab: Tuk-Tukfahrer quatschen Touris an und bieten Stadtrundfahrten für 20 Baht (50 Cent) an. Wer dort einsteigt kann sein Tagesprogramm vergessen. Denn statt zu den Sehenswürdigkeiten wird man gezielt zu Schneider und Juweliere oder zu anderen Geschäfte gefahren, die dem Fahrer für frische „Kundschaft“ Provision zahlen. Dort wird man dann gebeten „nur mal zu gucken“. Dabei bleibts aber nicht und oft wird man belabert und genötigt etwas zu kaufen. Zum Glück wurde uns das vorher erklärt und es ist schon traurig wie viele Tuk-Tukfahrer da mitmischen. Ich übertreibe nicht wenn ich sage, dass wir an jedem Tag in Bangkok etwa 10-15 Mal angeredet wurden. Ist natürlich in den meisten Fällen beiläufig und man lächelt wohl wissend und geht einfach weiter. Aber manche werden selbst auf der Straße richtig aufdringlich. Sobald man mal die Karte vorholt, steht wie von Geisterhand schon einer vor uns und fragt uns: Where are you going? Ist immer die gleiche Eröffnungsfrage.
Einmal sind wir dann aber doch auf einen Typen reingefallen. Es gibt natürlich nicht nur die Tuk-Tukmasche, sehr beliebt sind auch falsche Touristeninformationen, die es zu Unmengen in der ganzen Stadt gibt. Wir laufen grad in der Nähe des Königspalastes entlang einer nicht endend wollenden Schlange von schwarz gekleideten Menschen. Der König ist vor kurzem gestorben. Er wurde und wird unendlich verehrt, so dass Thais aus dem ganzen Lande mit Reisebussen in die Hauptstadt fuhren, um Abschied zu nehmen. Jedenfalls laufen wir da grade lang und staunen nicht schlecht über die Menschenmengen. Da quatscht uns „John“ an. Wirklich ganz nett, wo wir denn hin wollen, was uns gefällt an Thailand. Und so weiter, halt Honig ums Maul schmieren. Es war der letzte Tag in Bangkok bevor es mit dem Zug nach Ayutthaya ging, so der Plan. Da meinte John, Zug ist ganz schlecht, alles voll. Wegen dem König. Nächsten Tage sind alle Waggons ausgebucht. Hmm, klang plausibel und wir wollten in der Tat noch zur Touri-Info. Es gibt eine Offizielle, die sich von den Betrüger-Touri-Infos abhebt durch eine staatliche Lizenz. Allerdings war die grad meilenweit entfernt und wir wollten erstmal noch zum Aussichtspunkt, zu dem wir auch grad auf dem Weg waren. Jedenfalls wusste der John gleich Rat, es gibt hier gleich um die Ecke eine Touri-Info. Da kann er uns hinbringen, er müsse sowieso in die Richtung. Kostenloses Wasser und Toilette gibt’s dort auch. Das passte um so mehr und kam Jennys voller Blase entgegen. Also ließen wir uns von John in die Info bringen und in der Tat sah erstmal alles ziemlich nach normaler Touri-Info aus. Also nahmen wir Platz und stellten unsere Frage: Wie kommen wir am besten nach Ayutthaya? Die Antwort bestand aus lauter Gegenfragen. Wo wir denn noch hin wollen? Nach Süden auf die Inseln zum Tauchen? Oder doch lieber nach Norden in den Dschungel? Wie lange bleiben Sie denn in Thailand? - Na wir wollen erstmal nach Ayutthaya und dann mal gucken. Nur soll es mit dem Zug Probleme geben haben wir gehört. So unsere Antwort. Und wer hätte das gedacht, natürlich gibt es mit dem Zug Probleme. Genauso wie mit dem Bus, denn seit Wochen sind alle Plätze ausgebucht. Ich sagte Jenny, sie solle sich die Toilette zeigen lassen damit dieser Besuch nicht ganz umsonst gewesen sei. Spätestens seit diesem Rumgeeier wussten wir, dass das hier keine richtige Touri-Info ist. Während Jenny ihre Blase leerte, ließ ich mir ein Paket zusammenstellen für unseren kompletten Thailandaufenthalt. Ich sagte, dass uns Pauschalreisen langweilen und wir uns immer offen halten wollen, wann wir wo und wie lange hinreisen. Kapierte er nicht und nach knapp einer halben Stunde verließen wir die „Touri-Info“, die ihr Geld damit verdient, Touristen überteuerte Komplettpakete zu verkaufen anstatt einfache Fragen nach dem Weg in die nächste Stadt zu beantworten. Das traurigste war noch, dass, als ich ihm sagte wir würden gern auch weniger touristische Orte besuchen wollen, er uns riet, das nicht zu machen. Thailands Zentrum sei sehr gefährlich und voller verrückter Ureinwohner würden dort leben. Ist nicht sicher und fahrlässig sich dort aufzuhalten. Der hat sein eigenes Land wirklich auf Bangkok, Chiang Mai im Norden und die Inseln im Süden reduziert. Ist im Prinzip die gleiche Masche wie mit den Tuk-Tuks, nur das es hier keine Fahrer gibt sondern Typen, die sich John nennen. Chapeau John, nice hand! Du hast es wirklich geschafft uns zu täuschen. Aber man sieht sich immer zweimal im Leben und das sollte bereits keine fünf Minuten sein nachdem wir die Touri-Info wieder verließen. John kam uns entgegen, im Schlepptau ein europäisch aussehendes Pärchen. Jenny und ich blickten uns an. War das nicht der Typ von eben? Da es ziemlich unwahrscheinlich schien, dass wir uns beide gleichzeitig verschaut hatten, machte ich kehrt und lief dem Paar hinterher. Das nächste potentielle Opfer erschrak sich richtig als ich ihn bei seiner Schulter packte. Ich fragte ihn ob er mit einem Einheimischen zu einer Touri-Info wolle und nach Bejahung dieser Frage erklärte ich ihm kurz die Situation. Er rief seine Freundin zu sich, die verdutzt – ohne John – wieder zurückkehrte. Die beiden erklärten uns dann, dass es ihnen auch schon komisch vorkam, aber ihm erstmal hinterher gingen. Genauso wie wir. Wir hielten noch ein kleines Pläuschchen mit dem spanisch-türkischen Paar aus Madrid und verabschiedeten uns zwei Straßen weiter wieder. Haa! Wenigstens haben wir John um seine Provision und ein paar Prozente als Schlepper gebracht, dachten wir uns. Danach schauten wir uns den Aussichtspunkt und Bangkok von oben an. Und auf dem Rückweg sahen wir noch einmal John, an der gleichen Straßenecke wartend an der wir ihn zwei Stunden zuvor in die Arme liefen. Das Rad dreht sich eben weiter, immer und überall.

Samstag, 26. November 2016

Bilder aus Mazedonien

einfache Zimmer für nen Zehner - zum Waschen und Kochen reicht´s

Ohrid und der gleichnamige See von oben

rote Doppeldecker wie in London 

Macedonia Square
(der Reiter ist Alexander der Große, zusammen mit Mutter Theresa 
die wohl berühmtesten Kinder des Landes)

die Nationalgalerie

auf dem Balkan keine Seltenheit: runde Kirchen

Skopje

Dienstag, 22. November 2016

Vom Ohridsee bis nach Sofia, bye bye Europa!

Mit einem Shuttlebus fuhren wir die letzten Kilometer von unserem Campingplatz zur albanisch-mazedonischen Grenze. Dort wurden wir gleich das erste Mal angesprochen, ob wir nicht für 5 Euro mit nach Ohrid mitgenommen werden wollen. Wir wussten, dass man die Grenze problemlos zu Fuß überqueren kann und auch das Wetter war genau richtig für einen kleinen Fußmarsch. So entschlossen wir uns erstmal bis in den ersten Ort nach der Grenze in Mazedonien zu laufen. Der Fahrer sprach uns noch zwei weitere Male an, da wir immer wieder die an beiden Grenzposten wartenden Autos zu Fuß überholten. Doch wir blieben bei der Wanderroute. Irgendwann erreichten wir Ljubanishta, das erste Dorf in Mazedonien und machten eine kleine Rast. Wieder hielt ein Auto und diesmal stiegen wir dann doch ein. Neben uns saß noch ein anderer Reisender. Er hieß Orfello und kam aus Luzern in der Schweiz. Er war auf Besuch bei einer Freundin in Tirana und reiste jetzt noch etwas durch Albanien mit einem Abstecher nach Ohrid. Auch unser Fahrer sprach Deutsch. Wie viele andere Albaner hatte er eine Zeit lang in Deutschland gearbeitet und so konnten wir alle etwas miteinander plaudern und austauschen. In Ohrid angekommen verabschiedeten wir uns von Orfello und suchten unser Zimmer, welches wir für die nächsten Tage gebucht hatten. Mittlerweile haben wir uns schon daran gewöhnt uns am Anreisetag bei der Suche nach der Unterkunft zu verlaufen. Wir würden es schon beinahe vermissen, würde es ausbleiben. So kamen wir nach etwas Hin und Her endlich in unserem Hotel an. Immerhin lernten wir so schon den ein oder anderen Einheimischen und die Vokabeln für Guten Tag und Danke kennen. Unser Zimmer war klein und einfach, der Wasserkocher war das Highlight und sollte dafür sorgen, dass es die nächsten Tage ausschließlich Tee zu trinken gab. Da wir uns schon ziemlich weit in der Nachsaison befanden, hatten wir als einzige Gäste im ganzen Haus das Gemeinschaftsbad nur für uns alleine. Diesmal war wirklich eine Badewanne vorhanden und so nahmen wir dieser Tage einige Bäder zu zweit – seit knapp 2 Monaten wieder. Das Wetter wurde dieser Tage leider nicht wirklich gut. Wir konnten zwar jeden Tag rausgehen und etwas vom Ort sehen, aber es lag stets eine Nasskälte in der Luft. An der Strandpromenade von Ohrid kann man gut Spazieren und leckere Sachen kaufen. Uns haben es vor allem zwei Sachen angetan: Esskastanien, die Jenny für sich gewonnen hat. Die gebackenen und gesalzenen Maiskörner haben es mir wiederum angetan. Davon kauften wir in Mazedonien Unmengen und verzehrten sie meist während wir das Treiben um uns herum von einer Parkbank aus beobachteten. Am ersten vollen Tag saßen wir grade auf eben einer solchen Bank und Orfello schlenderte auf uns zu. Er nahm neben Platz und wir redeten über dies und jenes. Orfello war 42 Jahre jung und mit jung meine ich jung. Wir hätten ihn auf maximal Mitte 30 geschätzt, wenn überhaupt. Er ist Künstler und komponiert Musik für Theaterstücke. Er meinte zu uns, dass es zwar ein Leben ist, in dem man nur von Monat zu Monat denken kann, aber dafür kann er sich jederzeit auch eine Auszeit nehmen, wenn er etwas Geld zum Reisen hat. War auf jeden Fall interessant genauso wie die Geschichte von seiner Freundin, die er in Tirana besucht hatte: Sie reiste vor einiger Zeit in Albanien umher und traf über einen längeren Zeitraum ein und den selben Mann 5(!) Mal an unterschiedlichen Orten und auf unterschiedlichen Reisen. Einmal reiste sie per Anhalter und selbst da begegnete sie ihm wieder, als er am Straßenrand hielt. Das alles wiederum sah sie als ein Zeichen des Schicksals und entschloss sich nach Albanien zu gehen und dort zu leben. Seitdem wohnt sie in Tirana und ihr gefällt es dort sehr gut. Krasse Geschichte auf jeden Fall!
Wir schlenderten dann noch eine Weile durch Ohrids Zentrum und über den Markt, wo wir uns mit frischen Zutaten fürs Abendessen einkleideten. Danach trennten sich unsere Wege. Orfello ging noch etwas runter an den See, während Jenny und ich uns das Kirchenviertel anschauten.
Die nächsten beiden Tage konnten wir dann nur für kurze Spaziergänge nutzen, es regnete fast den ganzen Tag. Da es uns Ohrid gefiel und wir mit dem Wetter nicht so viel Glück hatten, verlängerten wir unseren Aufenthalt dort um zwei weitere Nächte, allerdings in einer anderen Unterkunft. So toll die Badewanne auch war, in den Nächten wurde es in unserem Zimmer schon recht frisch. Wir machten ein echtes Schnäppchen im Internet und fanden ein Apartment für knapp 12 Euro die Nacht. Es war nur 10 Minuten Fußweg von unserer ersten Bleibe entfernt und diesmal hatten wir keine Schwierigkeiten mit dem Weg, da wir am Vortag bereits dorthin spazierten. Die Zimmer waren gut ausgestattet, allein das Bad war schon fast doppelt so groß, wie unser Zimmer davor. Auch eine Küche gab es noch, so konnten wir unsere letzten Gasvorräte auch noch sparen. Das Wetter wurde auch allmählich besser, es hatte sich also gelohnt länger in Ohrid zu bleiben. Da Ohrid nicht nur den gleichnamigen See sondern auch Berge zu bieten hat, nutzten wir das schöne Wetter und wanderten am letzten Tag die Hänge empor. Wir wurden mit einer guten Aussicht und viel frischer Luft belohnt und am Ende hatten wir dann doch das Gefühl genug vom Ort gesehen zu haben. Auch wenn das Wetter tagsüber nun wieder mitspielte, nachts war es nun doch schon zu kalt zum Zelten. So entschlossen wir uns dazu direkt in die Hauptstadt nach Skopje zu fahren. Die Buszeiten waren ziemlich blöd, entweder früh oder spät am Nachmittag. Wir entschlossen uns nach dem Frühstück es mit Trampen zu probieren, mit Option auf den 16.30 Uhr.Bus. Eine Stunde lang passierte rein gar nichts. Irgendwann sagte uns ein Einheimischer, dass es besser sei die 2 Kilometer Richtung Autobahn zu laufen und sich dort direkt an die Auffahrt zu stellen. Gesagt, getan. Aber auch da hatten wir kein Glück. Ich ging noch ein Stück weiter hinter, um zu schauen wie nah wir uns an die Auffahrt hätten stellen können, da traf ich noch einen Einheimischen. Der alte Mann konnte etwas Englisch und sagte mir, dass in Mazedonien Trampen nicht sehr populär sei. Wenn denn überhaupt jemand hält, würde er wahrscheinlich noch Geld verlangen, da die Leute hier sehr arm sind. Das war nicht sehr ermutigend, mittlerweile dürften etwa zwei Stunden vergangen sein. Eine weitere halbe Stunde später hielt dann doch jemand – ein LKW. Wir packten unser Gepäck in die mit Kartoffelsäcken bis zum Rand gefüllte Fahrerkabine und teilten uns für die nächsten knapp vier Stunden den Beifahrersitz. Unser Fahrer hieß Ivica, rauchte etwa 4 Zigaretten pro Stunde und konnte kein Wort Englisch. Er versuchte uns zwar die ganze Zeit etwas zu erklären, als wir meinten dass wir nach Skopje wollten, aber es half nichts, wir verstanden nicht einander. So rief er einen Kumpel an, der dann dolmetschte: Wir würden erstmal nur nach Tetovo fahren und dort dann umsteigen. Uns war bei dem Gedanken wieder erstmal unwohl, aber uns blieb nun nichts anderes übrig. Nach etwa einer halben Packung Zigaretten erreichten wir Tetovo und wie sich dort herausstellte wollte Ivica lediglich seine Ladung Steine abladen. Wir warteten eine halbe Stunde und tranken Kaffee, der uns vor Ort angeboten wurde und lernten noch drei andere Kerle kennen. Einer konnte sogar etwas Deutsch und so verging die Zeit ziemlich schnell. Dann fuhren wir mit Ivica weiter nach Skopje, ohne die Steine kam der Laster auch viel schneller voran. Dann und wann kamen wir an Mautgebührstellen vorbei, es scherte niemanden wirklich sehr, dass Jenny und ich immer noch zu zweit auf der Beifahrerseite vorlieb nahmen. Als wir Skpje nach etwa einer weiteren Stunde erreichten brachten wir zuerst den LKW auf Ivicas Arbeitsstelle. Dann luden wir alle Kartoffelsäcke in Ivicas Privatwagen um und fuhren diese noch aus zu einigen Leuten. So langsam wurde es dunkel und wir fragten uns ob und wie wir unser Hostel noch finden würden. Denn Ivica wollte uns noch nicht entlassen, so kam es dass wir ihm in seine Stammkneipe folgten. Dort lud er uns zum Essen ein und stellte uns einigen seiner Freunde vor. Ich denke die meisten waren so um 40 rum, Ivica selbst ist vielleicht Ende 30. Wir waren auf jeden Fall das Highlight an diesem Abend und zwei der Stammgäste konnten Englisch, so wurden wir etwas interviewt. Ivica war sichtlich stolz auf seinen „Fang“. Ich weiß nicht ob ich es schon mal geschrieben habe, aber Deutsche sind, egal wo auf dem Balkan, ziemlich beliebt. Nach etwa drei Stunden reinschnuppern in einen typischen mazedonischen Freitagabend fuhr uns Ivica schließlich noch zu unserem Hostel. Wir bedankten uns herzlichst, ließen uns unser Zimmer zeigen und fielen ins Bett. Nach so einem Tag, voller neuer Eindrücke kommt uns die letzte Station, in diesem Falle Ohrid, immer so weit weg vor, als wäre es irgendwann vor ein paar Wochen gewesen. Meist fragt dann der eine den anderen: Kannst du dir vorstellen, dass wir heut morgen noch in xxx aufgewacht sind?
Die nächsten Tage verbrachten wir dann in Skopje. Die Stadt hat uns so prima gefallen, dass wir gleich noch länger als geplant blieben. Am ersten Tag schlenderten wir einfach nur durch die Stadt und entlang dem Flussufer. Dort reiht sich ein architektonisches Meisterwerk an das nächste. Selbst auf dem Fluss gibt es als Boote verkleidete Restaurants und Casinos, aber richtig toll gemacht. Auf dem Macedonia Square, dem zentralen Platz der Stadt, verbrachten wir viel Zeit auf Parkbänken und beobachteten bei einer Tüte gegrillten Esskastanien das Geschehen. Ein übertrieben großer Springbrunnen mit einer Statur von Alexander dem Großen oben drauf gab zu späterer Stunde ein tolles Licht- und Wasserspiel von sich. An einem anderen Tag schauten wir uns Skopje von oben an. Wollten wir zumindest. Die Wolken machten es allerdings unmöglich und so erwies sich die Fahrt auf den Hausberg als einziger Fehltritt in dieser ansonsten sehr schönen Stadt. Wir fuhren wieder runter in die Stadt mit genau den selben roten Doppeldeckerbussen, die man sonst nur aus London kennt. Wir trafen sogar ein Paar aus London, welches uns scherzhaft sagte, sie dachten zuerst wieder in London gelandet zu sein, als sie die Busse sahen. Auf der anderen Seite vom Fluss ist die eigentliche Altstadt von Skopje zu finden. Es gibt dort einen riesigen Markt, nicht zu Unrecht heißt das Viertel Old Bazar. Hätte uns jemand mit verbundenen Augen dort abgesetzt, hätten wir schwören können irgendwo in Istanbul zu sein. Es gab dort quasi nichts zu kaufen, was es nicht gibt. Wir kleideten uns mit frischen Obst und Gemüse ein und genossen den orientalischen Flair. Auch um den Markt herum gab es viele kleine Gässchen und Moscheen. Die Gegend alleine war der Besuch nach Skopje schon wert. Aber nicht genug. Auch die Gegend um Skopje hat noch einiges zu bieten und wir pickten uns dabei den Besuch zur so genannten Matka-Schlucht heraus. Mit der Stadtlinie fuhren wir die gute halbe Stunde raus aus der Stadt und wanderten etwa drei Stunden durch die atemberaubende Schlucht. Etwa vier bis fünf Kilometer ist diese lang und optimal für einen Tagesausflug zu herbstlichen Temperaturen. Dort trafen wir dann noch einen anderen Deutschen, mit dem wir etwas Zeit verbrachten, einer von wenigen weiteren Touristen, die den Weg dorthin fanden.
Wenn uns jemand fragen würde: Städtetrip oder Natur? Dann würden wir uns für den Aufenthalt im Freien entscheiden. Meist versuchen wir auch in großen Städten höchstens nur zwei volle Tage zu verbringen, weil uns das meist doch zu stressig wird. Skopje jedoch hat es uns wirklich angetan und ich kann jedem, der gerne Städtereisen macht, nur empfehlen sich die Stadt anzuschauen Auf jeden Fall reiht sie sich in unserem persönlichen Ranking ganz dicht hinter unsere Lieblingsstadt Riga ein.
Nach 5 Tagen hieß es dann aber doch Abschied nehmen und so schmiedeten wir Pläne für die Weiterreise. Nach Bulgarien sollte es gehen, aber wohin nur? Meine Eltern würden uns in Sofia besuchen, dafür hatten wir bereits im Vorfeld 5 Nächte gebucht. Also noch mehr Sofia muss dann nicht sein. An die Schwarzmeerküste? Da sitzen wir länger im Bus als wir dann da sind. Also ließen wir den Zufall entscheiden. Wir schauten auf die Karte und fragten die uns bereits vertraute Hotelsuchmaschine nach dem günstigsten Preis in der Umgebung von Sofia. Und Taadaa.. im von Sofia 60-Kilometer entfernten Samokov gab es eine nette Bleibe für 11 Euro die Nacht. Kurz noch ein paar Informationen überflogen und schon war die Entscheidung getroffen. Mit dem Bus ging es zuerst einmal nach Sofia. Angekommen auf EU-Terrain erkannten wir uns vertraute Leuchtreklamen hiesiger Konzerne. Am Busbahnhof ließen wir uns dann erstmal richtig abzocken. Die Lady von der Information hatte keine Lust mir meine Fragen zu beantworten und auch anderes Personal auf dem Busbahnhof war nicht grad motiviert und schaute lieber Filme auf ihren Tablets. Nachdem ich es bei fünf oder sechs Leuten versucht habe, wurde uns immer nur das Taxi empfohlen. Ich fragte einen Taxifahrer, der schließlich meinte, dass die Busse nach Samokov von einem anderen Busbahnhof abfahren würden. Uns blieb nicht viel übrig und so stiegen wir ins Taxi, welches uns für 15 Euro zum anderen Busbahnhof fuhr. Das Wort Abzocken benutze ich deshalb, weil wir von diesem Busbahnhof zum anderen Busbahnhof nur die Metro hätten nehmen müssen. Hätte uns 80 Cent die Nase gekostet und wäre so leicht gewesen, dass wir die fehlende Erklärung auch auf Russisch verstanden hätten. Aber das fanden wir erst ein paar Tage später raus, als wir wieder nach Sofia zurückkehrten.

Mit einem Minibus fuhren wir dann noch eine Stunde nach Samokov. Die Fahrt war schön anzusehen, jedoch auch sehr kalt. Der Bus wäre nach deutschen Verhältnissen schon lange auf dem Autofriedhof gelandet, es war so ziemlich alles undicht was hätte dicht sein sollen. So misslang uns der Plan den nächsten kalten Winter erst 2017 zu erleben und bei 2° Grad kamen wir in Samokov auf den Busbahnhof an. Der Ort an sich hat eigentlich kaum bis gar nichts zu bieten bis auf einen kleinen zentralen Platz. Das graue kalte Wetter untermalte dieses St.Nimmerleinsörtchen zusätzlich. Allerdings sei gesagt, dass etwa zehn Kilometer weiter südlich Richtung Borerov ein sehr beliebtes Skigebiet zu finden ist. Ich denke im Winter zieht es aufgrund der Lage doch einige Freunde des Wintersports hier her. Wie dem auch sei, für uns war es genau das Richtige zu diesem Zeitpunkt. Nochmal etwas abschalten bevor es nach Sofia und zu einem Wiedersehen mit meinen Eltern kam. Da der Ort nicht grade groß ist fanden wir unser Zimmer recht zügig. Es war wirklich schön gemacht dort. Die Wände aus Holzpanälen, alte Holzschränke, drei Betten und ein großer Tisch sorgten für eine ordentliche Portion Gemütlichkeit. Das raue Wetter und die Tatsache in diesem Ort nicht all zu viel zu verpassen sorgten dafür, dass wir unsere Bleibe an beiden Tagen erst nach 14 Uhr verließen. Wir schauten uns etwas den Ort an und ließen die bisherige Reise etwas Revue passieren. So schnell vergehen drei Monate. Und dennoch: die ersten vier Wochen, die wir ja noch in Brandenburg verbrachten, kamen uns trotzdem so unendlich weit weg vor. Und auch alles was danach kam. Auf der einen Seite nimmt die Zeit ihren Lauf, dass man es oft gar nicht merkt und auf der anderen Seite haben wir viel gesehen und erlebt in dieser Zeit.
Am Abend spielten wir dann noch Karten und kochten wie jeden Tag sonst auch. Am dritten Tag standen wir dann wieder auf dem Busbahnhof in Samokov und fuhren zurück nach Sofia. Zwischenzeitlich hatten wir uns schlau gemacht wie wir mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu unserem Hostel gelangen, um weitere 15 Euro für das Taxi zu sparen. Hat auch alles super geklappt, allerdings gab es dann doch ein Problem als wir im Hostel standen: Es gab wohl einen Buchungsfehler und unser Zimmer war bei denen erst am nächsten Tag vermerkt. Also mussten wir nochmal eine Straße weiterziehen und in einem anderen Hotel ein Zimmer nehmen, welches uns bezahlt wurde. Danach machten wir schon mal eine kleine Visite durch Sofia und dann war auch schon Abend. Am nächsten Tag stand das Wiedersehen mit meinen Eltern und mein Geburtstag auf dem Programm. Wir hatten uns eine Zeit ausgemacht und wollten sie grade in ihren Hotel abholen, da kamen uns die zwei altvertrauten Gesichter in der großen Stadt schon entgegen. Nach einem kurzen Willkommensplausch gingen wir zum Hotel, die Bescherung war angesagt. Vielen Dank auch an dieser Stelle noch einmal an alle Gratulanten. Alle Geschenke und Karten haben mich erreicht. Den Rest des Tages verbrachten wir in einem Straßencafe und einem Restaurant und natürlich mit jeder Menge Gespräche. Am zweiten Tag schauten wir uns dann weiter Sofia an. Die Stadt ist schon okay für einen Besuch, aber es gibt jetzt auch nicht sooo viel zusehen und da wir noch zwei weitere volle Tage zusammen hatten, ging es einen weiteren Tag später nach Plovdiv. Etwa zwei Stunden Busfahrt sind es von Sofia in die älteste Stadt Europas und der Ausflug hat sich gelohnt. Es gibt dort mitten in der Stadt ein altes Amphitheater und viele kleine Gassen zum Spazieren. Die Zeit verging ruckzuck und schon standen wir wieder am Busbahnhof Richtung Sofia. Den letzten Tag in der bulgarischen Hauptstadt machten Jenny und ich tagsüber alleine unsicher, am Abend trafen wir uns alle noch einmal zum Essen. So oft wie in Sofia waren wir die ganze Reise nicht im Restaurant speisen. Danke für die Zeit in Sofia, meine lieben Eltern!

Am letzten Tag besuchten wir meine Eltern noch einmal im Hotel bevor es auf den Flughafen ging. So nahmen wir noch einmal Abschied voneinander und machten uns auf Richtung Metro, die uns zum Flughafen fuhr..

Montag, 14. November 2016

noch mehr Bilder aus Albanien

Innenstadt von Lezhe

zentraler Platz von Lezhe

ein Tag in Butrint



Albanien steht u.a. für eine herrliche Natur

am Blue Eye


Gjirokaster

tolle Aussichten

am Ohridsee

bei schlechtem Wetter wird das Bad zur Küche und zum Kino

Mittwoch, 2. November 2016

Der Süden von Albanien

Wir hatten sonnige Tage in der Hauptstadt, das Wetter war einfach super und das gegen Ende September. Ehe auch auf dem Balkan der Herbst anfangen sollte seine raue Seite zu zeigen, entschlossen wir uns die letzten warmen Tage am Meer zu verbringen. Mit dem Bus ging es von Tirana nach Dürres, welches keine ganze Stunde entfernt von der Hauptstadt direkt an der Adria liegt. Dürres besteht im Wesentlichen aus zwei Stadtteilen. Da ist zum einen die Innenstadt mit Zentrum, Hafen und Sehenswürdigkeiten. Zum anderen gibt es noch den Strandabschnitt, zu dem eine sehr lange Hauptstraße parallel verläuft. Dort gibt es die meisten Apartments, Hotels und Restaurants und auch wir hatten dort ein Zimmer gebucht. Der Bus von Tirana nach Dürres hielt im Zentrum und statt die 5 Euro für ein Taxi auszugeben, welches uns hartnäckig angeboten wurde, versuchten wir unser Glück zunächst per Fuß. Irgendwann gelangten wir auch tatsächlich auf die Rruga Pavaresia, der langen Hauptstraße in unserem Stadtteil. Doch leider fanden wir an kaum einer Querstraße ein Straßenschild, es war quasi einem Lottospiel gleich, den richtigen Abzweig zu finden. Aber das eigentliche Problem lag woanders. Unsere Unterkunft trug den Namen "Dhoma Dhe Garsonjere", was auf Deutsch soviel heißt wie: Ein Zimmer mit Küche. Diese Betitelung sollte in einem der kompliziertesten Missverständnisse gipfeln, die wir je erlebt haben. Aber immer der Reihe nach. Wir entschieden uns dann erstmal doch für ein Taxi. Obwohl wir nun schon im richtigen Stadtteil waren, wusste Taxifahrer Nummer 2 nicht, wo unser Hotel lag. Dass das am ungünstigen Namen lag, wussten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht. Taxifahrer Nummer 3 runzelte zwar die Stirn, aber nur wenige Momente gestikulierte er uns sicher wirkend zu, dass er wüsste, wo das besagte Hotel ist. Hierbei ist noch zu erwähnen, dass wir nur die Straße und den „Hotelnamen“ hatten. Keine Straßennummer, geschweige denn eine Telefonnummer. Ich handelte ihn noch von 6 auf 5 Euro herunter und los ging das Abenteuer. Wir fuhren etwas durch die Gegend, der Taxifahrer war nun doch nicht mehr so sicher und fragte mit herunter gelassener Scheibe andere Passanten nach dem Weg. Endlich fanden wir auch jemanden, der Englisch sprach und uns über die doppeldeutige Namensgebung des Hotels aufklärte. Der Taxifahrer sprach leider kein Wort Englisch, fuhr dann jedoch die Straße entlang, die ich ihm nannte. Irgendwann waren wir dann soweit weg vom Strand, dass ich mir hundertprozentig sicher war, dass wir nicht mehr richtig waren. Der Taxifahrer zeigte auf jedes Hotel, egal ob Absteige oder 4-Sterne und rief mit jedem Mal verzweifelter: Dhoma Dhe Garsonjere, DHOMA DHE GARSONJERE! Er dachte halt, wir suchen ein Zimmer mit einer Küche. Ich versuchte ihm zu erklären, dass das der Name sei, aber die Sprachbarriere war einfach zu hoch. Wir waren dann schließlich soweit außerhalb der Stadt, dass ich erstaunt war, als wir vor einem Nobelhotel zwischen all den heruntergekommenen Häusern hielten. Wir gingen ins Hotel, dort wurde zum Glück Englisch gesprochen. Der etwa Mitte zwanzigjährige Kellner war sehr nett und recherchierte per Smartphone, wo denn nun das verdammte Hotel zu finden war. Er meinte nur, sehr unprofessionell, keine Telefonnummer mit anzugeben, aber immerhin konnte er dem Taxifahrer erklären, dass wir zurück zum Strand müssten. Der Taxifahrer war kurz vorm Explodieren, er schaute mich mit großen Augen an und tippte auf seine Armbanduhr. Zu allem Überfluss fing auch noch sein Handy an zu klingeln, vermutlich die nächsten Aufträge. Zum Glück hatten wir einen Festpreis ausgehandelt, dachte ich mir. Taxameter wäre ziemlich teuer geworden, allein in dem Hotel brachten wir eine Viertelstunde zu, weil der Kellner gut betuchte Gäste zu bedienen hatte.
Irgendwann saßen wir wieder zu Dritt im Taxi, alle Beteiligten hatten die Schnauze voll und gestanden sich ein, dass das Unterfangen Hotelsuche gescheitert war. Der Taxifahrer fuhr zurück zur Pavaresia und ließ uns dort raus. Ich gab ihm die wie verabredet 5 Euro und er sprang wie ein fluchendes Rumpelstilzchen zurück in sein Auto. Klar war das ärgerlich und verlorene Zeit für ihn, aber auch wir waren nicht an unserem Ziel angelangt und sahen nicht ein, mehr als den vereinbarten Preis zu bezahlen. Immerhin gab er sich ziemlich sicher, als ich ihm den Zettel mit dem Namen und der Straße unter die Nase hielt. Nun standen wir da und wussten erstmal nicht weiter, wie so oft. Zum Glück hatten wir diese Situation schon gefühlte Tausendmale erlebt, auch auf anderen Reisen und so wussten wir, dass am Ende des Tages alles gut werden würde. Wir saßen nun aber erstmal eine Viertelstunde ziemlich hilflos auf dem Gehweg herum und zogen somit erste Blicke auf uns. Ein Zeichen dafür weiter zu machen. Altes Spiel, Jenny hütet das Gepäck, René sucht Hilfe. Ich ging in ein Hotel auf der anderen Straßenseite. Dort kam nach ein paar Minuten ein junger Albaner, vielleicht so um die 18 Jahre an und fragte, ob er mir helfen könnte. Er konnte zwar kein Englisch, dafür jedoch ganz gut Deutsch. Der erste Lichtblick in dieser verworrenen Situation! Sergej hatte eine Zeit lang in Dortmund gewohnt und konnte deshalb unsere Sprache. Für sein junges Alter ist er schon ziemlich herum gekommen in Europa: Mit 12 Jahren nach Griechenland. Später folgten Aufenthalte in Italien, England und in anderen Balkanländern. Es ging immer nur ums Geldverdienen. Jetzt hatte er grad einen Job an der Rezeption des Hotels, in dem ich ihn traf. Sergej zeigte mir ein Internetcafe nur ein paar hundert Meter die Straße rauf. Dort schaute ich nochmal genau nach und zusammen fanden wir schon mal heraus, dass die Straße schon mal die Falsche sei, die in der Bestätigungsmail stand. Immerhin fanden wir noch eine Telefonnummer und Sergej rief dort an. Er sprach mit einem Mann, der uns an einer Tankstelle in der Nähe abholen sollte. Ich fand das übelst krass, wie freundlich dieser junge Kerl war. Er wollte sogar die angebrochene Viertelstunde Im Internetcafe für mich bezahlen. Das erübrigte sich jedoch, denn der Typ dort wiederum war froh geholfen haben zu können und wollte kein Geld dafür. Welch eine Hilfsbereitschaft! dachte ich mir. Danach holten wir Jenny ab und Sergej brachte uns dann zu besagter Tankstelle. Dort warteten wir dann gemeinsam mit einem doch etwas mulmigen Bauch auf den Mann, der uns abholen sollte. Zumindest wurde uns dann mit jeder Minute, die wir warteten etwas komischer. Aber es war ja mitten am Tage und wir standen hier auf der Hauptstraße in der zweitgrößten Stadt im ganzen Land. Und überhaupt sind 99,9% dieser unwohlen Gefühle auf Propaganda und Meinungen aus Medien und/oder von Menschen zurückzuführen, die noch nie in ihrem Leben in dieser oder einer ähnlicher Situation gesteckt haben. Auch wir sind vor einigen Vorurteilen nicht frei, das zeigt sich ganz deutlich im eben beschriebenem Szenario.
Nach ein paar Minuten holte uns dann jedoch die Realität wieder ein. Ein netter alter Mann holte uns ab, wir verabschiedeten uns vom hilfsbereiten Sergej und nach etwa zehn Minuten standen wir vor einem Haus, welches ich von den Bildern aus dem Internet wiedererkannte. Der alte Mann übergab uns seiner Frau und diese zeigte uns unser Zimmer für die nächsten Tage. Leider konnten beide kein Englisch, sie waren sehr lieb zu uns. Die Frau hieß Sabrina und gab mir einen dicken Kuss auf die Wange. Zu Jenny machte sie die typische Ringfingergeste und traurig und verdutzt verstand sie, dass wir nicht verheiratet waren. Sie freute sich richtig, dass wir ihre Gäste waren. Ich gab ihr die 40 Euro, die uns die drei Nächte kosteten und als die Tür hinter uns ins Schloss fiel, ließen wir uns endlich auf unser Bett fallen. Was war das denn bitte wieder für ein Ritt?! Auf der einen Seite wünschen wir uns in dieser Situation ein Smartphone, dann wäre uns der ganze Stress erspart geblieben. Auf der anderen Seite hat Jenny damit Recht, dass es auch immer ohne geht und wir sonst so etwas gar nicht erleben würden. Die Menschen sind wirklich freundlich und helfen gerne.
Am Abend machten wir dann noch einen schönen Spaziergang am Meer. Die Hauptsaison war bereits vorbei und somit waren wir nur zwei von wenigen weiteren Touristen. Die albanischen Jugendlichen spielten Fussball am Strand. Ein paar Verkäufer auf ihren Vierrädern versuchten Handtücher zu verkaufen. Die Einheimischen saßen im Sand und ließen den Tag ausklingen. Die ausgelassene Stimmung am Meer wurde mit einigen Brisen verbrannten Marihuanas untermalt, welche uns um die Nase wehten. Als die Dunkelheit begann Einzusetzen, kauften wir noch frisches Gemüse und Kartoffeln ohne Ende. Unser Zimmer war nicht nur mit einem eigenem Bad, sondern auch mit einer Küche ausgestattet. Das hieß Kartoffelzeit! Leider spitzte sich zu dieser Zeit in Durres ein unangenehmes Problem zu und das hieß Zahnschmerzen. Ich hatte schon in den letzten 2 Wochen zuvor immer ein übles Drücken am rechten unteren Backenzahn gespürt. Vielleicht wuchs der Weisheitszahn in dieser Ecke, vielleicht war die Füllung, die ich dort hatte defekt, vielleicht war es auch etwas ganz anderes. Mir graut es vor Zahnarztbesuchen, aber mittlerweile war es doch recht schlimm geworden und immerhin waren wir noch in einer großen Stadt, der es an Zahnärzten nicht mangelte. Durch selektive Wahrnehmung nahmen wir alle hundert Meter eine Zahnarztpraxis wahr. Am dritten Tag überwand ich meine Angst und wir suchten eine Praxis auf. Der erste Zahnarzt sagte mir, dass alles okay sei und wusste auch nicht, was zu machen war. Ich verließ mich nicht auf die Abwesenheit des Schmerzes, der kam und ging wie er lustig war und wir suchten weitere Praxen auf. Doch selbst im dritten Anlauf wurde mir dasselbe diagnostiziert. Wir schlenderten weiter durch die Stadt und schließlich sah Jenny eine ziemlich modern hergerichtete Praxis. Wir beschlossen, diese als letzten Versuch des Tages zu besuchen und diesmal hatten wir Glück. Eine englischsprachige Zahnärztin empfing uns und endlich fanden wir eine Praxis mit Röntgengerät. Nach ein paar Minuten saß ich auf dem Stuhl und die nette Zahnärztin erneuerte meine Füllung im Backenzahn, die anscheinend defekt war. Danach ließ ich mir noch eine professionelle Zahnreinigung machen und alles war wieder in Ordnung. Wir verließen mit meiner neuen Füllung als albanisches Souvenir die Praxis und gingen zum Reisealltag über. Ich hatte dann zwar an einem anderen Zahn noch einige Tage lang Schmerzen, aber dass ist nach einer Zahnreinigung wohl normal und inzwischen ist auch alles wieder paletti. Den Rest der Zeit in Durres waren wir oft am Strand, kochten in unserer Wohnung und spazierten durch die Straßen. Durch einen dieser Spaziergänge erfuhren wir, dass es noch eine zweite Bushaltestelle gab, keine Viertelstunde von unserem Hotel entfernt. Unser nächstes Ziel war die südlichste Stadt Albaniens, Saranda. Von besagter Bussammelstelle, einen offiziellen Busbahnhof gibt es ja kaum in Albanien, fuhren wir dann etwas über 4 Stunden nach Saranda runter.
Saranda liegt ziemlich nahe der griechischen Grenze. Die Urlaubsinsel Korfu ist keine 30 Kilometer mehr entfernt. Sprechen die Leute im restlichen Teil der Westküste noch italienisch, ist hier griechisch die Zweitsprache. Die wohl größte Sehenswürdigkeit in der Gegend (und auch des Landes) ist Butrint, eine Ruinenstätte, die schon sehr ans antike Griechenland erinnert. Dorthin machten wir einen Tagesausflug und flanierten mit einigen anderen Touristen durch die Ruinen. Die Stätte war doch weitläufiger als erwartet und so kam es, dass wir teilweise alleine zwischen den alten Gemäuern spazierten. Auch das Wetter spielte wie fast immer mit und so hatten wir einen tollen Tag, der von Kultur geprägt war. Wir sind jetzt nicht sooo sehr die Interessenten von Ausgrabungsstätten, aber Butrint kann man sich schon geben. Auch Saranda ist ein ziemlich ansehnlicher Ort. Das Leben spielt sich natürlich an der Strandpromenade ab, die von Palmen, Restaurants und kleinen Grünflächen gesäumt ist. Auch ein kleiner Kieselstrand ist vorhanden, der komischerweise immer ziemlich leer war. Uns sollte es Recht sein, so konnten wir in Ruhe das Meer und die Sonne genießen. An unserem letzten Tag in Saranda machten wir einen weiteren Ausflug zu einer Karstquelle, dem sogenannten Blue Eye. Wir fuhren mit dem Bus die 25 Kilometer aus der Stadt raus und wanderten noch etwa 20 Minuten ins Grüne hinein. Als wir das Wasser erreichten, trauten wir unseren Augen nicht: Das Blue Eye macht seinem Namen wirklich alle Ehre. Die Quelle sieht wunderschön aus; sie ist ein Farbspiel aus weißen Kieseln, grünen Pflanzen und blauem Gestein.


Mit einer Durchschnittstemperatur von 12 Grad war es zwar etwas frisch, aber spätestens beim dritten Mal rein springen hatten wir uns daran gewöhnt. Zwischendurch staunten wir immer wieder über die Natur, die sich vor unserem Auge abspielte. Wo kommt all das Wasser her, wie geht das? Es war einfach ein herrlicher Ort. Erst später merkten wir, dass wir Glück hatten und zeitig starteten an diesem Tag. Es kamen doch noch recht viele Touristen vorbei, meist größere Familien. Mit einer finnischen Familie kamen wir auch noch etwas ins Gespräch. Der Vater meinte, für Finnen sei das Wasser noch warm und wir lachten.

Als es dann Nachmittag wurde und sich doch noch einige dunkle Wolken am Himmel bildeten, brachen wir auf Richtung Straße. Da wir nicht wussten, wann der nächste Bus kommen würde, hielten wir gleich den Daumen raus. Nach ein paar Minuten hielt dann auch ein netter Typ namens Tauland. Da er einige Zeit in London gelebt hatte, konnten wir uns auf Englisch verständigen. Die Fahrt ging allerdings nur recht kurz und so erreichten wir schnell Saranda. Tauland wohnte zwar ein oder zwei Orte vor Saranda, doch er brachte uns trotzdem noch zu unserem Hotel ins Zentrum. Nach anderthalb Wochen in Hotelzimmern hatten wir nochmal Lust zu Zelten, bevor es auch auf dem Balkan Herbst werden würde. Wir fanden auch einen Campingplatz in unserem nächsten anvisierten Ziel und griffen die Gelegenheit beim Schopf. Nach über einer Woche Adria, ging es wieder in die Berge nach Gjirokaster. Der Ort ist ziemlich überschaubar. Seine Sehenswürdigkeit sind die alten engen Kopfsteinpflastergassen, die das Altstadtzentrum bilden und die Lage in den Bergen, die zum Wandern einlädt. Die Stadt trotzt den Hängen, es wurde einfach berghinauf gebaut. Da unser Zeltplatz etwa 2 Kilometer außerhalb lag, hatten wir so jeden Abend ein schönes Lichterpanorama der Stadt. Auf unserem Campingplatz sahen wir dann sogar noch eine junge Berliner Familie wieder, die wir ein oder zwei Tage zuvor schon am Blue Eye kennen gelernt haben. Grit und Andreas nutzten mit ihrem Nachwuchs Noam ihre Elternzeit und reisten mit einem Bully durch die Gegend. Am Abend luden sie uns dann in ihr Gefährt ein, nachdem der Sprössling im Schlummerland war. Grit ist Kinderärztin und Andreas arbeitet selbstständig als Berater bei sozialen Projekten und beide sind durch ihre Professionen schon gut rum gekommen. Bangladesch, Nigeria, und Nepal und einige andere Länder, an die der Durchschnittsreisende nicht in seiner Erstauswahl denkt, sind einige Beispiele. Solche Lebensläufe sorgen natürlich für ordentlich Gesprächsstoff und wir hörten uns gerne ihre Erlebnisse und daraus gewonnenen Lebensansichten an.
Nach 2 Tagen machten wir uns schließlich auf in Richtung Mazedoniens. Dazu fuhren wir zunächst mit dem Bus nach Tirana zurück. Dort fuhren wir per Taxi einmal quer durch die Stadt zu einer Sammelstelle von Privatfahrern. Und letztendlich nahmen wir in einem netten Mercedes mit einem älteren albanischen Paar vorlieb und fuhren von der Hauptstadt nach Pogradec, unserem letzten Halt in Albanien. Dort angekommen halfen uns dann noch zwei Vertreter der mormonischen Glaubensgemeinschaft einen Campingplatz zu finden und nach einem langen Tag stellten wir unser Zelt endlich auf einer Art Bauernhof auf. Wir waren neben einem Wohnwagen die einzigen Gäste dort. Weitere Mitbewohner waren Hühner, Enten, viele Katzen und ein Hund, der die ganze Nacht bellte. Wir unternahmen noch einen Strandspaziergang bevor es dunkel wurde und fanden sogar den Campigplatz, der uns einst von einem älteren deutschen Paar empfohlen wurde. Da die Sanitäranlagen auch nicht so doll waren auf unserem Bio-Campingplatz und der Hund uns auf den Sack ging, wechselten wir am nächsten Tag das Lager. Leider wurde es dieser Tage immer frischer in den Nächten. Und dann kam auch noch Regen dazu. Pogradec konnten wir daher grade mal eine knappe Stunde besichtigen. Das fanden wir sehr schade, denn schon bei der Ankunft am Vortag hat sie uns beiden auf den ersten Blick sehr gefallen. Nicht zu groß und nicht zu klein und an einem See gelegen. Auf unserem neuen Campigplatz lernten wir dann noch unsere einzigen Nachbarn kennen. Sie hießen Hans und Werner und kommen aus Baden-Württemberg. Hans war ein pensionierter Sportlehrer, der mit seinen über 70 Jahren grade mal wie Anfang-Mitte 50 aussah. Er kam zum ersten Mal vor 4 Jahren an den Ohridsee und ihm gefiel so gut, dass er zusammen mit seinem Kumpel Werner seinen Wohnwagen auf den Campingplatz brachte. Von nun an würde er immer nur noch nach und von Ohrid fliegen, welches auf mazedonischer Seite keine 30 Kilometer entfernt liegt. Er gab dem Besitzer des Platzes, Bene, vom ersten Besuch an Tipps, was besser zu machen sei. Und in der Tat: der Rasen ist wirklich super, die Sanitäranlagen sind gefliest und gleichen deutschen Badezimmern, das Internet läuft top und es gibt sogar einen Wäscheservice. Ganz vorn befindet sich noch ein kleiner Sandstrandabschnitt mit einigen Sonnenschirmen aus Holz. Alles in allem schon ziemlich herausgeputzt für albanische Verhältnisse und mit 6 für zwei Personen pro Nacht auch einer der günstigsten Plätze, auf denen wir je gezeltet haben. Am Abend luden uns Hans und Werner noch zum Essen ein und danach spielten wir Karten. Bene war natürlich auch mit von der Partie. Das war ein richtig lustiger Vogel. Er konnte kaum Englisch und umso heftiger gestikulierte er um sich, aber richtig übertrieben. So hatten wir einen richtig unterhaltsamen Abend zu fünft. Als wir später jedoch zu Bett gingen wurde der Regen immer heftiger und es kam auch noch jede Menge Sturm dazu. Hans gab uns noch eine extra Decke, aber Bene hatte noch eine bessere Idee: er baute in seiner Garage schnell zwei Strandliegen auf. Dort verbrachten wir dann bei Trockenheit und Windstille die Nacht. Am nächsten Tag brachen wir dann nach Ohrid auf..