Am nächsten Tag brachen wir nach Nha
Trang auf. Es ging also wieder zurück an die Küste in Vietnams beliebtesten
Badeort. Die erste Nacht verbrachten wir in einem recht schäbigen
Zimmer, da wir nichts besseres fanden und vieles Hotels ausgebucht
waren. Ohne schweres Gepäck sucht es sich einfacher und so fanden wir
dann später doch noch eine solide Unterkunft für die nächsten
Tage. Auch ein vegetarisches Restaurant fanden wir, auch wenn dieses
eine gute halbe Stunde von unserem Hotel entfernt lag. Aber am Strand
entlangspazierend kam es uns dann doch gar nicht soweit weg vor. Es
gab gewiss auch genug Restaurant entlang des Strands, doch die
meisten waren ziemlich überteuert. Eine einfache Portion Reis mit
Gemüse kann dann auch schon mal über fünf Euro kosten. Nha Trang
ist fest in russischer Hand, und diese sind nicht gerade für ihr
Verhandlungsgeschick bekannt bei den Vietnamesen, sondern bezahlen
fast jede ihnen offerierte Summe. Das treibt die Preise natürlich in
überdurchschnittliche Sphären und wir Lowbudget-Backpacker müssen
dann zusehen wie wir über die Runden kommen. Spaß beiseite, ganz so
schlimm ist es nicht. Die Hotels sind immer noch günstig und gut,
aber beim Essen merkt man es halt schon. Hinzu kommt noch der
merkwürdige Tick, dass die Urlauber dort auf ausgefallenes Essen
stehen. Jeden Abend gingen wir an großen Grillständen vorbei, die
statt Spanferkel eine Python oder einen Alligator auf der Grillstange
hatten. Vielleicht stehen aber auch die Chinesen drauf, die es dort
auch zur Genüge gibt. Der Strand in Nha Trang war super. Vermutlich
nicht grad Thailand-Niveau, aber sauberes Wasser, kein Müll und
schöner weicher Sand. Die Wellen waren auch super und so verbrachten
wir zwei Tage komplett am Strand. Außerdem schauten wir uns einen
Tempel und die Cham-Türme an und machten ein paar Spaziergänge in
die Stadt. Allerdings nur obligatorisch, denn wir wollten nicht nur
am Strand rumlümmeln und uns schon wieder verbrennen. Der nächste
Ort auf unserer Route gen Norden war eigentlich Hoi An, aber wir
hatten keine Lust auf eine 10-Stunden+ Busfahrt. So pickten wir uns
dann den unscheinbaren Ort Quy Nhon heraus. Der Ort lag genau auf
halber Strecke und so erreichten wir ihn demzufolge nach fünf
Stunden mit dem Bus. Quy Nhon ist ziemlich unspektakulär, aber
vielleicht darf ich das nicht mal so sagen, denn wir hielten uns mehr
oder weniger nur außerhalb des Zentrums auf. Dennoch hatten wir dort
ein paar schöne Tage, mitunter die besten in Vietnam. Da der Ort,
mit immerhin einer Viertelmillion Einwohner, total untouristisch ist,
wurden wir dementsprechend anders behandelt. Zum ersten Mal sahen wir
ausschließlich uns zulächelnde Vietnamesen und zogen neugierige
Blicken auf uns. Die Kinder und Jugendlichen kicherten und riefen uns
gelegentlich „Hello, hello!“ zu oder hinterher. Mit einem Mal
waren wir gefühlt wieder in Kambodscha, dort erging es uns ständig
so. Der Strand in Quy Nhon ist genauso super wie in Nha Trang. Einzig
und allein die Tatsache, dass wir die einzigen Badegäste waren,
machte den Unterschied. Später am Abend sahen wir dann aber auch
noch ein paar Einheimische ein paar hundert Meter weiter in den Wellen toben. Auf dem Rückweg ins Hotel hatten wir dann endlich
einmal eine ausgesprochen tolle Begegnung mit Vietnamesen. Wir liefen
grade durch den Park, der sich hinter dem Strand befindet und sahen
ein junges Paar Nudeln essen. Von Reis hatten wir langsam die
Schnauze voll und wollten mal wieder was anderes zwischen die Zähne
bekommen. Also gingen wir zu dem Paar und fragten wo es das Essen zu
kaufen gab, was die beiden grade aßen. Leider konnten sie kein
Englisch, so verliefen die Versuche uns den Weg zu erklären etwas im
Sand. Der Junge schwang sich kurzerhand auf sein Motorrad und düste
los, um uns Essen zu besorgen. Etwas peinlich berührt, wir wollten
ja keine Umstände machen oder uns gar selbst einladen, nahmen wir
dann auf der Wiese platz und ein paar Minuten später aßen wir zu
viert unsere Mahlzeiten und tauschten schüchterne Blicke und Lächeln
aus. Natürlich wollten die beiden kein Geld von uns annehmen, doch
ich fand zum Glück am Strand eine richtig schöne Muschel, die wir
den beiden schenken konnten. Coole Sache, dachten wir uns, denn sowas
haben wir auch wirklich mal gebraucht. Am Abend spazierten wir den
Strand entlang Richtung Zentrum. Da trafen wir dann auf Cuong und
seinen jüngeren Brüder Hay. Wir kamen ins Gespräch und plauderten
bestimmt eine Stunde über dies und jenes. Da uns die beiden
sympathisch waren, verabredeten wir uns auch für den nächsten
Abend. Da lernten wir dann noch seine Freunde kennen, von denen sogar alle
Englisch sprachen, und zusammen hatten wir einen sehr schönen Abend
mit vielen interessanten Gesprächsthemen. Auch mit dem Essen hatten
wir in Quy Nhon richtig Glück, wir fanden eine einfache Kantine, in
der zwei alte Omas für uns kochten. Die betuddelten uns teilweise
richtig und freuten sich jedes mal, wenn wir wieder an der Theke
standen und unser Essen zusammenstellten. Quy Nhon ist für Urlauber
sicher weniger interessant, für die die länger unterwegs sind,
jedoch optimal als Zwischenstation geeignet. Vom Unschuldsort Quy
Nhon ging es dann weiter in den Touristenmagnet Hoi An. Die Stadt lockt viele Urlauber mit seinem historischen Charme und seiner
überschaubaren Größe, die zum Spazieren einlädt. Es gibt dort
chinesische Versammlungshallen, Pagoden und Tempel, zahlreiche Museen
und historische Häuser zu sehen. Für etwa fünf Euro kann man sich
die Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten anschauen. Viele Häuser dort
sind schon sehr heruntergekommen, doch auf eine sehr schöne Art und
nicht zuletzt macht das auch die Gesamtatmosphäre der Stadt aus. Es
gibt zudem auch eine nette Markthalle mit vielen leckeren
Köstlichkeiten und einen ansehnlichen Nachtmarkt. Den Zauber würde man sicher noch besser spüren, wenn der Ort nicht so
überlaufen wäre. Aber so ist das nun mal und dementsprechend
reihten wir uns in die Schlange der Hoi An-Besucher ein und
verbrachten ein paar entspannte Tage dort.
Danach fuhren wir weiter nach Da Nang.,
eine Stadt mit knapp einer Million Einwohner, doch recht unscheinbar.
Es gibt dort zwei Strände, denn die Stadt ist auf einem Landzipfel
gebaut, der ins Meer ragt. Wir entschieden uns ein Zimmer am eher
untouristischen Strand zu suchen. Zunächst nahmen wir mal wieder in
einer Schimmelbude vorlieb für eine Nacht und suchten unmittelbar
nach dem Einchecken eine zumutbare Alternative für die kommenden
Nächte. Wir wurden gleich in der Nähe fündig, tolles Zimmer und
sogar noch etwas günstiger als unsere Überbrückunsunterkunft. Am
Abend wollten wir dann noch etwas den Strand auskundschaften. Daraus
wurde leider nichts, weil zwischen der parallel verlaufenden Straße
und dem Meer komplett abgesperrt war. Eine nicht endend wollende
Baustelle voller neuer Hotel- und Resortanlagen. Am nächsten Tag
liefen wir dann zu unserem neuen Hotel. Da wir zu zeitig dran waren
wagten wir einen zweiten Versuch und liefen die Baustelle so lange
entlang, bis wir endlich das Meer sehen konnten. Das dauerte von
unserer jetzigen Unterkunft nur knappe zehn Minuten, doch das
Ergebnis war erschreckend. Das Meer spülte eine richtig schwarze und
auch stark riechende Masse an den Strand. Natürlich sahen wir weit
und breit keine Badegäste und fragten uns derweil, was dort wohl
passiert sein mag. Immerhin entstehen ja zahllose Hotels an dieser
Bucht und wir sahen auch Werbeplakate (aus vergangenen Zeiten?), an
dem der Strand herausgeputzt und voller Badegäste war. Nun gut, so
machten wir erstmal einen Stadttag, obwohl die Stadt nicht viel zu
bieten hat. Allerdings gab es wie immer auch gute Nachrichten.
Dadurch, dass wir uns in einer Gegend einquartierten, in der absolut
nichts los war, hatten wir einen engeren Draht zu den Einheimischen,
die sich wohl fragten, was wir in dieser Gegend zu suchen
hatten. Außerdem gab es wieder leckeres Essen zum kleinen Preis und
dann wussten wir ja auch noch vom anderen Strand. Dieser lag von
unserem Zimmer zwar 6 Kilometer entfernt, aber wir haben ja viel Zeit
und unsere Per-Anhalter-durch-Osteuropa-Touren lassen uns einstellige
Kilometerangaben per Pedes nur noch belächeln. Wenn wir mit unseren
15kg-Rucksäcken mal 5 Kilometer nur in die falsche Richtung gelaufen
sind, wieder den gleichen Weg zurücklaufen und dann nochmal dorthin
laufen müssen, wo wir ursprünglich hinwollten, dann sind 6
Kilometer mit zwei Flaschen Wasser und einer Strandmatte auf dem
Rücken gar nichts. Außerdem wurden wir mit einem tollen Strand
belohnt, wirklich exakt das Gegenteil von dem, was wir vor unserer
derzeitigen Haustür hatten. Wir fanden sogar einen Schattenplatz
unter einer der wenigen Palmen und machten es uns dort dann ein paar
Tage gemütlich. Baden gehen war gar nicht mal so ungefährlich, alle
paar hundert Meter standen rote Flaggen, denn die Strömung war
ziemlich stark. Aber an einigen Stellen konnten wir trotzdem ins Meer
und uns in die wellen werfen.
Was die Vielfalt an der Küste angeht,
ist Vietnam wirklich super. Nach unseren Strandtagen in Da Nang stand
wieder etwas Kultur auf dem Programm. Wir fuhren weiter in die alte
Kaiserstadt Hué. Dort fanden wir gleich ein unschlagbar günstiges
Zimmer, welches aber auch recht einfach war, dennoch sauber. Nach Hué
kommt man in erster Linie, um sich die Kaiserstadt anzusehen. Es
handelt sich dabei um eine Zitadelle, die in einer noch größeren
Zitadelle vorzufinden ist, und wiederum auch kleinere Zitadellen
beherbergt. Quasi, als würde man ein Gebiet ummauern, welches schon
ummauert ist und noch kleinere ummauerte Gebiete in sich trägt.
Eigentlich wollten wir uns in Hué auch schön Zeit lassen, aber wir
fanden uns instinktiv schon am Vormittag unseres ersten Tages vor der
Zitadelle wieder und so kauften wir Tickets und schauten uns die
Stätte mal genauer an. Das beanspruchte dann auch fast den Rest des
Tages, hat sich aber auf jeden Fall gelohnt. Es gibt dort Hallen und
Paläste sowie ein Theater und Gärten zu begutachten. Am nächsten
Tag schauten wir uns noch eine eher unbekannte Pagode etwas außerhalb
des Stadtzentrums an. Da in dieser Gegend auch noch der Bahnhof war organisierten wir gleich unsere Weiterfahrt, welche uns am nächsten Tag nach Dong Ha brachte..
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