Wir buchten wieder von unserem Hotel
aus die Bustickets und nach 5 Stunden Busfahrt waren wir wieder
am Meer. Die Busfahrt war etwas eigen, denn in Vietnam sind
Langstreckenbusse anscheinend alle im Schlafformat ausgerichtet, das
heißt, man liegt statt zu sitzen. Durchschnittlich große Europäer wie wir, sind dabei etwa einen Kopf zu lang, aber wir hatten schon schlimmere Fahrten hinter uns. Der Bus setzte uns sogar direkt
vor unserem Hotel ab, das wir dieses mal vorab gebucht hatten. Mui Ne
ist eigentlich ein touristisches großes Dorf mit einer zehn
Kilometer langen Hauptstraße der Küste entlang. Strände gibt es
hier und da, manche Resorts und Restaurants sind bis zum Wasser
gebaut. Allerdings kann man auch von dort aus problemlos baden gehen,
da immer irgendwo eine kleine Treppe ins Meer führt. Wir hatten
Glück und fanden einen kleinen Strandabschnitt nur ein paar Hundertmeter
von unserem Hotel entfernt. Allerdings muss ich sagen, und das ist
uns schon in jedem Ort vorher aufgefallen, die Vietnamesen haben ein
sehr gering ausgeprägtes Umweltbewusstsein. Das ist neben ihrer
nur-Geld-im-Kopf-Mentalität die andere Sache, die uns hier nicht
gefällt. Es liegt sehr viel Müll herum, am Strand wie auch in den
Straßen. Es ist keine Seltenheit, dass wir Erwachsene (keine Jugendlichen) sehen, die ohne mit der Wimper zu zucken ihre eben geleerte Flasche/Dose oder nicht mehr benötigte Plastikverpackungen auf die Straße werfen, oder während der Busfahrt halt aus dem Fenster. Natürlich gab es dieses Problem auch schon in Laos und Kambodscha, doch in Vietnam ist es schon recht arg. Besonders schlimm fand ich die Busfahrten von Ha Tien nach
Can Tho und von Can Tho nach Ben Tre. Die Landschaft dort ist
wirklich sehr schön. Das Mekong-Delta sorgt für viele grüne
Flächen und immer wieder fährt man über Brücken über die
zahlreichen Flussärme hinweg. Doch so richtig konnten wir das
Panorama nicht genießen, denn es liegt nahezu ununterbrochen Plastik
und Müll am Straßenrand und auch die Flüsse sind zum großen Teil
sehr stark verschmutzt. In Ha Tien, unserem errsten Ort nach der Grenze, trafen wir bei einem Abendessen
Stelius, einen alten Griechen. Er reiste schon seit er denken kann
und meint, dass es selbst in Indien sauberer ist als in Vietnam.
Bis jetzt konnten wir Stelius leider nicht widersprechen. An unserem
ersten Strandtag seit den letzten zwei Wochen, verbannten wir uns dann erstmal ganz schön die Haut. Deshalb entschlossen wir uns dazu am nächsten
Tag etwas anderes zu machen. Mui Ne ist nämlich nicht nur ein
Badeort sondern hat noch ein paar Sehenswürdigkeiten auf Lager. Die
roten und die weißen Sanddünen sind etwa zehn bzw. dreißig
Kilometer entfernt und die wollten wir uns auch anschauen. Dazu
liehen wir uns wieder einen Roller, der uns inklusive Tankfüllung
grade mal 7 Euro kostete. Am Anfang verfuhren wir uns ein
bisschen, aber dann lief wieder alles wie am Schnürchen. Zuerst schauten
wir uns die weniger spektakulären roten Sanddünen an. Sie sind
nicht all zu groß, aber der rote Sand hat schon was. Auf dem Weg
dorthin verfuhren wir uns wie gesagt einmal. Wir strotzen einer
Absperrung und fuhren einen anderen Weg, weil wir dort schon roten
Sand sahen. Es ging zwar nicht weiter, aber diese Gegend fanden wir
sogar etwas schöner, als die "originalen" Dünen. Dort hatten wir nämlich auch rote Dünen und
gleichzeitig einen Blick auf das Fischerdorf in der Bucht. Danach
fuhren wir weiter zu den weißen Dünen entlang der Küste. Wir
fanden auf dem Weg einen schönen langen Streifen Strand und konnten
gar nicht anders als abzusteigen und ins Meer zu springen. Die Wellen
waren so groß wie wir sie lange nicht gesehen haben, das hat richtig
Spaß gemacht sich da reinzuwerfen. In dem einem Moment standen wir
noch bis zu den Knien im Wasser und nur Sekunden später konnten wir
an gleicher Stelle nicht mehr stehen. Jenny hat es regelrecht den
Bikini vom Leib gerissen. Aber das war nicht schlimm, denn wir waren
ganz alleine. Wir trockneten uns etwas an der Luft und weiter ging es
zu den weißen Dünen. Der Anblick von Weitem ist sehr schön, da vor
den Dünen noch ein kleiner See ist. Im Gesamtbild sieht es aus wie
eine Oase inmitten einer Wüste. Die weißen Dünen sind um einiges
größer als die roten, man kann sich dort sogar Quads und Jeeps
ausleihen und umherdüsen. Wir liefen etwas durch den weichen Sand
und staunten über die Weite, die von der Wüste ausging. Danach
machten wir wieder kehrt Richtung Hotelzimmer. Auf dem Weg zurück
machten wir noch Halt am Red Canyon. Dort gab es Schluchten aus rotem
Sand(gestein) zu bestaunen, ein ziemlich netter Ort und genau richtig
zum Abschluss des Tages. Natürlich waren wir nach dem Tag richtig
platt und hatten unserer Haut den Rest gegeben. Der Fahrtwind ließ
uns die Sonne kaum spüren und nach 70 Kilometern Rollerfahren fielen
wir knallrot in die Betten. Am letzten Tag machten wir dann wirklich
gar nichts außer zu Essen. Wir hatten das Glück, ein nettes
Restaurant direkt neben unserem Hotel zu haben und verbrachten dort
die meiste Zeit diesen Tages mit dem Verzehr von Reisgerichten,
Kokosnüssen, Mangos und Drachenfrüchten. Gegenüber des Restaurants
gab es glücklicherweise auch gleich noch ein Busunternehmen, sodass
wir unsere Weiterfahrt organisieren konnten. Eigentlich wollten wir
nach Nha Trang weitermachen, dem größten und beliebtesten Badeort
Vietnams. Dort soll es auch die schönsten Strände geben. Doch dann
entschieden wir uns für einen Abstecher in die Berge, wie gesagt,
wir hatten uns in Mui Ne ganz schön verbrannt. Am nächsten Morgen
setzten wir uns in den Bus nach Da Lat. 4 Stunden dauerte die
Fahrt für die 140 Kilometer, die Straßen begannen sich auf halber
Strecke an zu schlängeln, wie es in den Bergen üblich ist. Man
sagt, dass Da Lat ein Ort für die Flitterwochen frisch vermählter
Vietnamesen ist und in der Tat, dieses nette Städtchen im Hochland
hat was. Statt Reisfelder gibt es hier Erdbeeren und jede Menge
Blumen. Das Stadtbild ist eines der gepflegtesten, die wir bislang in
ganz Asien gesehen haben. Es gibt wirklich überall Blumenbeete,
teilweise im XXL-Format, und es ist kaum bis gar kein Müll auf und in den Straßen. Einzig
und allein die vietnamesische Abzockermentalität erinnerte uns
daran, in welchem Land wir grade sind. Wir hatten natürlich einen
Bärenhunger wie nach jeder Busfahrt und sahen eine kleine schäbige
Kantine während wir auf Hotelsuche waren. Das Essen was uns serviert
wurde war so einfach wie die Kantine selbst. Es gab Reis und eine
Spiegelei. Kein Gemüse, keine Soße oder sonst etwas. Einfach einen
Batzen Reis und ein Spiegelei. Aber bei dieser Anekdote soll es nicht
um die Qualität des Essens in einfachen vietnamesischen Kantinen
gehen, sondern was passiert wenn man nicht VORHER nach dem Preis
fragt. Wir aßen unsere Mahlzeit, dankbar etwas im Bauch zu haben und
gingen zu der alten Dame, die uns unser Essen zauberte. Ich gab ihr
50.000 Dong in der Erwartung noch etwas zurück zubekommen, da
entgegnete sie uns, dass das zu wenig sei. Wir verstanden sie erst
nicht richtig. Ich hatte mein Portmonnaie in der Hand und blätterte im
Fach für Scheine, da steckte sie mir den 50.000er wieder zurück und
bediente sich augenblicklich selbst mit einem 100.000er (etwas über
4 Euro) aus meiner Geldbörse. Ich dachte, ich spinne und so
diskutierten wir noch einige Minuten über den Preis und die Art und
Weise des Bezahlvorgangs. Immer wieder zeigte sie auf unsere leeren
Teller und meinte, dass der Reis wie das Ei jeweils einen Euro kosten
würde. Irgendwann gaben wir klein bei und dachten uns: selbst Schuld,
wenn wir vergessen nach dem Preis zu fragen. Soll sie doch ihre zwei, drei
Extradollar behalten. Wir gingen weiter auf Zimmersuche und schon
nach ein paar Minuten führte uns Jennys Instinkt in eine kleine
Nebengasse abseits der Hauptstraße. Dort fanden wir ein Hotel, das
wir erst gar nicht betreten wollten, weil es doch schon beinahe zu nobel
aussah. Aber fragen kostet ja nichts und als uns die nette Dame an
der Rezeption ihre Zimmer zeigte und den Preis von $10 die Nacht
nannte, mussten wir nicht lange überlegen. Nach einer kurzen Dusche
ging es raus auf Erkundungstour und alternative Nahrungsquellen. Und
wir hatten in jeglicher Hinsicht Glück. Der Ort hat wie schon
erwähnt ein außerordentlich schönes Stadtbild mit vielen Anlagen
und kleinen Parks. Im Zentrum gibt es einen doch recht großen See,
auf dem man sogar Tretbootfahren kann. Der Markt ist auch nicht ohne
und so fanden wir dort dieser Tage frisches Obst und dann gibt es
noch die Kantinen. Während sich in den anderen Orten zuvor die Suche
nach vegetarischem Essen als etwas mühselig heraus gestellt hatte,
war die Auswahl in Da Lat überwältigend. Wir fanden gleich drei
Anlaufstellen, wovon zwei ausgezeichnet waren. Zum Frühstück gingen
wir immer leckere Suppen essen, gleich bei uns um die Ecke. Unser
„com chay“ holten wir uns weiter unten Richtung Stadt ab. Dort
gab es Reis und man kann dazu je nach Vorliebe aus verschiedenen Beilagen auswählen. Einfach lecker dieses Essen und das zum kleinen Taler. Nur mal als Vergleich: Wir nahmen immer eine Portion Reis mit vier verschiedenen
Beilagen und das kostete 25.000 Dong pro Portion. Da kann die Omi mit ihrem Spiegelei zum doppelten Preis und ohne Extras dicke einpacken. Und vor allem darf
ich selbst bezahlen, das wird mir nicht von der Köchin abgenommen.
Da Lat hat zudem einiges zu bieten. An unserem ersten Tag dort, besuchten
wir das „verrückte Haus“ und in der Tat: so ein kurioses Haus
haben wir noch nie gesehen, geschweige denn betreten. Es ist weder symmetrisch noch nach sonst
einem System gebaut und doch hat es auf seine Weise eine gewisse
Struktur. Die Wände verlaufen so, dass es kaum Ecken und Kanten gibt
und einige Treppen verlaufen aus dem eigentlichen Gebäude heraus und
führen teilweise übers Dach. Auf jeden Fall war der Architekt sehr
originell, oder besser gesagt er ist es immer noch, denn der Gebäudekomplex
wird immer weiter ausgebaut. Von einem Turm aus hatten wir zudem noch
einen guten Ausblick über die Stadt und deren Umgebung. An einem
anderen Tag fuhren wir zu einem Wasserfall etwas außerhalb der
Stadt. Dort gab es dann noch eine Sommerrodelbahn, mit der wir fuhren
und sogar noch einen zweiten Wasserfall. Da es dort keine
Bushaltestelle gab, stellten wir uns an die Straße und versuchten
die paar Kilometer per Anhalter zurück nach Da Lat zukommen. Nach
einer halben Stunden sammelte uns dann einer der Lokalbusse auf, mit
denen wir am Vormittag schon hierher gefahren waren. Wir hatten kaum Platz
genommen, da sollten wir auch schon unsere Tickets bezahlen. Für
beide zusammen hatten wir Hinzu 30.000 Dong bezahlt, nun waren es
100.000 Dong. Ich holte 30.000 raus und sagte, dass wir den
„richtigen“ Preis wissen. Und schon sollten wir nur noch 50.000
bezahlen. Wir beharrten auf unseren Preis. Der Kassierer ging nun
schon beinahe flehend auf 40.000 runter. Die anderen Insassen mussten
schon lachen über dieses Szenario. Am Ende nahm er die 30.000 und nur
eine halbe Minute später hielt der Bus knapp zwanzig Meter hinter
dem Ortseingangsschild. Da war dann Endstation. Kein Wunder, dass der Kassierer es so eilig hatte und etwas Druck machte. Wir dachten, wenigstens haben wir nicht die 100.000 bezahlt für zwei Minuten Busfahrt und liefen die restlichen vier Kilometer zurück ins Zentrum. Am
nächsten Tag besuchten wir den Blumenpark, eine ausgesprochen schöne
Parkanlage mit, wie der Name schon verrät, sehr sehr vielen Blumen.
Dieser Park lädt wirklich zum Verweilen ein und rundet den
Blumentick von Da Lat ab. Auch das Wetter passte an diesem Tag, nach
dem es zuvor etwas kalt geworden war. Dort verbrachten wir dann fast den ganzen Nachmittag. An unserem letzten Tag fuhren
wir mit dem Bus etwas außerhalb und gingen seit langem endlich
wieder Wandern. Es gab zwei Routen, die eine war asphaltiert und
stark befahren mit Jeeps voller Touristen, die keine Lust oder Zeit
zum Aufstieg hatten. Die andere war etwas rustikaler und nur per Fuß
zu bewältigen und so folgten wir diesem Pfad. Jenny sagte zu mir,
dass hier wohl keiner weiter lang wandert, ich drehte mich zu ihr um, und just in diesem Moment sah ich weiter hinten einen Mann uns
folgen. Er holte uns nach ein paar Momenten ein und stellte sich als Frederic vor. Fred ist Franzose, lebt allerdings schon seit über 15
Jahren in den USA. Wir merkten schnell, dass wir uns alle sympathisch
waren und bewältigten zusammen den Aufstieg, der letztendlich doch
ganz schön anstrengend und langwierig war. Oben angekommen, genossen
wir dann erstmal für knapp zwei Stunden die tolle Aussicht. Wir
waren die ganze Zeit alleine und daher war es auch sehr ruhig, wenn
keiner sprach. Das war überwältigend. Eine endlose Landschaft und
nicht ein Geräusch dort oben. Keine Motorräder, keine Hupen, keine
lauten Menschen. Ein toller letzter Tag, in einer wunderschönen Gegend..
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