Samstag, 24. September 2016

Crna Gora - Chaos und Relaxen in Montenegro

Von Perucac fuhren wir am frühen Morgen nach Bajina Basta, um von dort aus nach Uzice umzusteigen. Es ist die Landeshauptstadt des Bundeslandes Zlatibor, in dem sich auch der Tara-Nationalpark befindet. Auch Uzice liegt, wie fast alle Orte in dieser Gegend, mitten in den Bergen und es sah sehr schön aus, wie die Häuser den Bergen strotzten und einfach die Hänge empor gebaut werden. In Uzice stiegen wir in den Bus nach Prijepolje, dem letzten Stop in Serbien. Wir hatten noch etwa 3 Stunden Aufenthalt und schauten uns etwas den kleinen Ort an. Eine Post gab es auch, so dass wir endlich unsere Postkarten schreiben und abschicken konnten. Und wir schlemmten das wohl günstigste Eis, was wir bislang aßen, für etwa 20 Cent die Kugel. Am Bahnhof stellte sich heraus, dass es die Züge wohl nicht so pünktlich meinen. Etwa eine Stunde hatte unsere Bahn Verspätung. Luca, ein 20-jähriger Junge, der nur am Bahnhof wartete, um seiner verreisenden Oma das schwere Gepäck in das Wagenabteil zu hieven, war die vermutlich einzig englischsprechende Person auf dem ganzen Bahnsteig. Wir kamen etwas ins Gespräch und wir erzählten ihm, dass unser erster Stop in Montenegro Bijelo Polje, gleich hinter der Grenze, sei. Dort sollte es ja einen Campingplatz geben, so unsere Recherchen. Er schlug die Hände über den Kopf: „Ihr macht eine Reise um die halbe Welt und haltet in Bijelo Polje? Leute, dort gibt es nichts zu sehen und ich wüsste auch von keinem Campingplatz.“ Das waren neben dem Regen, der langsam einsetzte, richtig gute Aussichten. Aber nun gab es kein Zurück mehr, es war schon Nachmittag und der sich verspätende Zug tat sein übriges. Irgendwann kam er dann doch und nach einer kurzen Kontrolle im Zug an der Grenze, kamen wir in Bijelo Polje an. Es regnete nun schon richtig derbe und die Dämmerung setzte ein. Jenny sah kurz vor dem Bahnhof ein Schild mit Sobe(=Zimmer) für 5 Euro. Wir liefen dorthin zurück, als der Zug hielt und am Ende kostete uns eine Nacht zwar 17 Euro, aber ich denke, wir haben alles richtig gemacht. Eigentlich wollten wir noch das beste rausholen und uns den Ort anschauen, doch wir kamen nur bis zum in der Nähe gelegenen Einkaufszentrum. Es goss und goss und wurde immer schlimmer. Noch schlimmer als der Regen in Budapest. Selbst wenn wir noch einen Platz zum Wildcampen gefunden hätten, das wäre eine richtige Zerreißprobe für unser Zelt gewesen, stellten wir fest, als wir auf unserem kleinen Balkon Abendbrot kochten. Wir ließen den Tag mit Karten spielen und einer heißer Dusche ausklingen und am nächsten Morgen standen wir wieder auf dem Bahnsteig. Okay, dachten wir uns, überspringen wir das Grenzgebiet und machen uns auf in die Hauptstadt nach Podgorica. Dort gibt es einen Campingplatz etwas außerhalb. Auch an diesem Morgen verspätete sich der Zug um nicht ganz eine Stunde, aber am Ende saßen wir in einem 6-Personenabteil, welches wir uns mit einer Familie aus Montenegro teilten. Es entwickelte sich ein interessantes Gespräch mit Daniela, der Mutti von Wuk, Luca und Petre und Ehefrau von Szikbo, welche ebenfalls alle im Abteil saßen. Sie kamen grad aus Deutschland von einem Besuch wieder und wohnten selber 1 Jahr und 4 Monate in Westfalen in der Nähe von Osnabrück. Dann wurden sie abgeschoben, als die Flüchtlingswelle aus aus dem Nahen Osten Deutschland erreichte. Montenegro ist kein Krisengebiet und somit als sicher vom Bundesamt eingestuft. Daniela war recht verzweifelt, wieder nach Montenegro zurückkehren zu müssen. Sie brachte ihren Kindern Deutsch bei, sie selber und Wuk, der mit mit 14 Jahren älteste Sohn, sprachen schon recht gut. Einen gewissen Lebensstandard hatten sie sich auch angewöhnt. Nicht unbedingt in Form von dicken Autos oder dergleichen, aber zumindest genug Geld für Essen und ein Dach über dem Kopf. (Sichere) Spielplätze und gute Bildung für die Kinder – so etwas gab es in Montenegro nicht. Deren „Hartz 4“ liegt bei 170 Euro. Wie Jenny und ich später herausfanden, würde das in diesem Land niemals zum Leben reichen. Hier ist der Euro bereits Währung und so sehr Serbien und Montenegro von Kultur, Sprache, Land und Leuten gleich sind – aus wirtschaftlicher Sicht sind sie es nicht. Viele Produkte wie Käse, Wurst und Fleisch oder Wasser sind sogar teurer als bei uns Deutschland. Einzig Alkohol, Zigaretten und Benzin sind recht günstig. Die wichtigen Sachen halt (Ironie aus). Aber wir sprachen auch über die schönen Dinge in Montenegro, wie zum Beispiel die Landschaft. Eine Zeit lang standen wir alle auf dem Flur und Daniela zeigte uns diese und jene schöne Schlucht und gute Aussichten aus dem Zug heraus. Kurz vor Podgorica fuhren wir noch über die höchste Eisenbahnbrücke in Europa und genossen die schwindelerregende Aussicht. Als wir in der Landeshauptstadt eintrafen sahen wir Wohnviertel der besser betuchten Gesellschaftsschicht und viele Bäume die schräg wuchsen, alle in die gleiche Richtung. Daniela erklärte uns, dass Podgorica stetigem Nordwind ausgeliefert ist und das sich sogar auf das Wachstum der Bäume auswirkte.War auf jeden Fall lustig anzusehen.
In Podgorica wartete auch schon ihr Bruder auf die ganze Familie, der Zug hatte ja schließlich ordentlich Verspätung, und wir verabschiedeten uns alle voneinander. Nun hieß es den Campingplatz zu suchen in dieser doch recht kleinen Hauptstadt. Es gab eine kleine Touristeninformation am Bahnhof. Zuerst wollte der junge Mann erst nichts wissen von einem Camp, dann vertröstete er uns mit gebrochenem Englisch auf einen Platz außerhalb. Ich dachte noch: komisch, ich war mir recht sicher, das Camp ist im Nordosten der Stadt, er zeigte uns auf seine merkwürdige Art einen Punkt im tiefsten Westen des Stadtplans. Nun gut, auf auf, Podgorica ist nicht Budapest oder Prag. Hier kann man sicher zu Fuß alles erkunden. Auf der Suche nach dem Platz wurde es dann doch recht schwül, wir legten eine Pause ein und realisierten, dass der Weg doch noch etwas zugehen schien. Wir redeten die ersten Leute an. Campingplatz in Podgorica? Gibt’s hier nicht. Okay, erstmal weiter, bloß nicht reinsteigern in den Gedanken, dass der grad Recht hatte, sonst wird der Rucksack erst richtig schwer. Irgendwann kamen wir an eine große Hauptverkehrskreuzung. Nun sahen wir beim Karte studieren wohl schon recht verzweifelt aus, so dass wir angesprochen wurden. Mittlerweile die vierte oder fünfte Bestätigung, dass es in Podgorica keinen Campingplatz gebe. Aus dem zunächst abgelehnten Gedanken wurde allmählich eine Tatsache. Zum Glück regnete es nicht. Obwohl das an solchen Tagen egal ist. Entweder sind wir nass durch Regen oder Schweiß, manchmal auch von beidem. Wir setzten nun auf unsere altbewährte Taktik: Jenny hütet das Gepäck, während René die Lage auskundschaftet. Der letzte Passant empfahl uns eines der recht günstigen Bleiben in dieser Stadt. Wie sich herausstellte, 48 Euro pro Nacht, immerhin mit Frühstück. Ich berichtete es Jenny, aber wir waren uns schnell einig, dass das unser Budget doch sprengen würde. Zumindest in Osteuropa auf dieser Reise und in einer doch recht kleinen Hauptstadt war das zuviel. Ich sagte Jenny, dass wir zurück zum Bahnhof fahren würden. Und dann? Ab an die Küste, noch heute. Und weil wir nicht mal mehr Bock auf den Rückweg hatten, fuhren wir mit dem Taxi zum Bahnhof. Wir hatten eine kleine Montenegro-Karte in der Hand, der nächste Ort an der Küste: Budva. Es fuhren zig Busse, nahezu im Viertelstundentakt dort hin. Im Bus sagte Jenny grinsend zu mir: “Gestern früh sind wir noch in Perucac aufgewacht, heute Abend sind wir schon am Meer.“ In der Tat, das musste ich auch erstmal realisieren. Aber das ist das schöne am Reisen. Man schmiedet Pläne, manchmal klappt alles und manchmal auch nicht. IN dem Moment, wo es grad nicht so läuft, könnte man wahnsinnig werden und wünscht sich so manches Mal einfach nur nach Hause. Aber rückblickend sind es genau die Momente, die die Reise wirklich ausmachen und die man auch nicht wieder vergisst.
Unser Joker an diesem Tag war die Zeit. Wir machten früh los und trotz unserem Umherirren in der Hauptstadt, erreichten wir noch vor der Dunkelheit Budva und auch recht schnell einen Campingplatz. Es war ein irres Gefühl noch an diesem Tag mit den Füßen in der Adria zu stehen. Das Wasser ist das klarste, was ich jemals gesehen habe. Selbst wenn man raus schwimmt und nicht mehr stehen kann, sieht man den Grund noch deutlich. Liegt vielleicht am steinigen Untergrund, auch am Strand liegen überall Kiesel, auf denen man sich es trotzdem gemütlich machen kann.
Der Campingplatz war etwa 15 Minuten vom Strand entfernt und recht einfach ausgestattet, Stichwort Hocktoiletten. Es war am ersten Abend recht windig, aber doch warm. Man bemerkt auf jeden Fall den Unterschied zwischen dem rauen bergigen Innenland und der Küste mit mediterranem Flair. Überall stehen Palmen und auch die Nächte kann man mit offenem Schlafsack im Zelt verbringen. Das einzige Manko an Budva: Es ist wirklich ein reiner Touriort und so ziemlich genau das Gegenteil von dem, was wir suchen. Überall laufen Urlauber zwischen den Verkaufsständen und Strandcafe´s herum. Alle paar Meter wird man angequatscht von Reiseagenturen, die Tagesausflüge organisieren. Und die für Osteuropa schon recht hohen Preise in Montenegro übertreffen sich hier natürlich erneut. Schon allein Wasser bekommt man hier nicht unter 60 Cent die anderthalb Literflasche, die meisten Lebensmittel sind etwa doppelt bis dreifach so teuer. Aber hej, wir sind am Meer, das Wetter ist genau richtig und wir haben massig Zeit für den Rest der Route. Ein klein wenig hat Budva auch zu bieten. Es gibt eine Stadt in der Stadt, die man sich auf jeden Fall anschauen kann. Die Strände sind zwar proppenvoll, aber das Wasser ist, wie bereits beschrieben, von klarster Qualität und lädt einfach nur zum Baden ein. Auf unserem Campingplatz.lernten wir dann noch Jan kennen, einen Schweizer, der jedoch fast sein ganzes Leben schon in Israel lebt und dort Reiseführer ist. Er erzählte uns, dass es wohl in Israel keinen Tourguide für Montenegro gibt, und er diese Nische nun besetzen will. Auf jeden Fall hatte der war Charismatisches an sich, der Jan, der aber auch schon am nächsten Morgen wieder aufbrach Richtung Norden und Gebirge. Er liebt das Wandern und auch ihm war der Ort zu touristisch, um länger zu bleiben. Jenny und ich machten in Budva nicht viel außer etwas den Ort zu erkunden und am Meer zu liegen. Das Highlight war noch, das wir immerhin einen Baumarkt fanden und uns neue Gasballons zulegen konnten. Das wäre echt übel gewesen nicht mehr kochen zu können. Jan kam aus Süden und berichtete uns, er habe in Albanien kein Gas finden können, auch sein Vorrat war erschöpft gewesen.
Nach 3 vollen Tagen reichte es uns dann völlig. Eigentlich wollte ich die Stadt Kotor im Norden in einer Bucht sehen. Zeit haben wir ja nun genug, aber da auch viele Tagesausflüge dort hingehen und sie auch zu den touristischen Highlights der Adriaküste zählt, entschieden wir uns dagegen. Campingmöglichkeiten gibt es dort auch nicht und somit entschieden wir uns, den Rest der Zeit in Montenegro an der Adriaküste zu weilen, jedoch in kleineren Orten. Das wird, was Lebensmittel angeht, zwar noch teurer, weil es nur 1 oder 2 kleine Geschäfte pro Ort gibt, aber egal. Hauptsache wir haben erstmal wieder etwas Ruhe. Wir beide waren in Budva auch eines ums andere Mal leicht gereizt im zwischenmenschlichen Umgang miteinander, aber wir wurden uns schnell einig, dass die ganzen Touristen dran Schuld sind und unsere Reize geflutet haben. Wir selber sind ja auch Touris und haben auch nicht den Anspruch ganze Gegenden für uns allein haben zu wollen, aber Budva hat das Maß wirklich um einiges überschritten.
Man kann es nicht anders sagen, wir haben Montenegro bislang wirklich auf dem falschen Fuß erwischt, obwohl es vor allem landschaftlich sehr viel zu bieten hat.
Von Budva ging es mit dem Mediterran-Express, der lokalen Buslinie, für 1,50 Euro pro Nase ins 10 Kilometer entfernte Sveti Stefan. Es ist ein wirklich sehr kleiner Ort mit ein paar Hundert Einwohnern und auch den Campingplatz zu finden war eine kleine Herausforderung. Doch hier ticken Uhren um einiges langsamer, als im großen Budva. Der ursprüngliche Hauptort war eine kleine Insel, die durch eine Brücke mit dem Land verbunden ist. Am Ufer befinden sich viele Apartments, sowie einige Einkaufsmöglichkeiten. Noch am ersten Abend lernten wir Alex und Julia kennen. Sie sind die ersten Weißrussen, die wir je trafen, leben aber derzeit als Juwelier und Redakteurin in St.Petersburg. Da wir Probleme mit unseren neuen Gaskartuschen hatten, halfen sie uns aus und gaben uns ihr Kochzeug. Irgendwann funktionierte unseres dann doch, nachdem ich zwischenzeitlich zurück nach Budva fuhr, um Ersatz zu besorgen. Irgendwie entwickeln sich die Tage, an denen wir von A nach B reisen, zu einer richtigen Tortur. Aber am Ende klappt doch immer alles und so hatten wir auch an diesem Abend eine warme Mahlzeit vor dem Schlafengehen. In Sveti Stefan machten wir auch nicht viel. Eigentlich lagen wir dort zwei oder drei volle Tage am Strand und erkundeten zwischendurch etwas die Gegend, die zu einem großen Teil aus Treppen besteht. Die Strecke vom Hauptort zum Camp war sehr interessant. Wir liefen ständig die Treppen zwischen den ganzen Apartments hoch und runter. Man stelle sich dabei die Favellas in Brasilien vor, nur das es dort nicht vor Armut wimmelt. Auf jeden Fall hat es etwas gemütliches sich zwischen den hohen Häusern und in den engen Treppengassen zu bewegen. Auf unserem Campingplatz waren Alex und Julia, soweit wir die Leute kennen gelernt haben, die einzigen Nicht-Deutschen. Drei Familien und zwei junge Männer quartierten sich dort ebenfalls für ein paar Tage ein. Es ist immer wieder interessant zu erleben, wo es die Deutschen überall hinzieht und es scheint wohl zu stimmen, dass wir das reiselustigste Volk sind.
Als unsere Zeit gekommen war weiterzureisen, entschieden wir uns für eine letzte Station in Montenegro. Wir fuhren mit dem Bus nach Ulcinj, der südlichsten Stadt in Montenegro. Hier angekommen bemerkten wir sofort den albanischen Einfluss. Kyrillisch sieht man hier nun gar nicht mehr, dafür umso mehr albanische Wörter. Am Busbahnhof fanden wir eine kleine Touristeninformation. Dort bekamen wir erstmal gesagt, dass alle Campingplätze außerhalb der Stadt zu finden sind, in Long Beach, einem 12 Kilometer langen Strand. Uns wurde der Platz Camping Neptun empfohlen und nach einem Anruf dort, holte uns der Eigentümer des Camps mit seinem Auto ab. Alex war um die 40 Jahre und hatte stets ein sehr er zufriedenes und charismatisches Lächeln auf den Lippen. Er sprach ziemlich gut Deutsch, was daran lag, dass vor dem Jugoslawienkrieg in den 90er- Jahren fast ausschließlich Deutsche nach Ulcinj in den Urlaub fuhren. Mittlerweile machen Albaner den größten Anteil an Touristen aus. Er sagte uns, dass er für Deutsche ein besonders großes Herz übrig habe und machte uns deshalb ein sehr gutes Angebot: Da auch die Hauptsaison schon vorbei war und auf dem Campingplatz nicht mehr viel los war, bekamen wir einen Bungalow für den selben Preis, den uns das Zelt gekostet hätte. So zahlten wir statt 35 nur 10 Euro pro Nacht und hatten sogar eine kleine Hütte für uns. Auf dem Platz, der mit 72000 m² wirklich riesig ist, war wirklich nicht viel los. Nur zwei Wohnmobile und unsere Nachbarin Wilma, die wir später kennen lernten und auch in einer Hütte wohnte, hatten den Weg dorthin gefunden. Der Strand war grade mal 5 Minuten entfernt und diesmal war es ein richtiger Sandstrand. Dort relaxten wir die meiste Zeit oder spazierten einfach nur das Wasser entlang. Ulcinj besuchten wir auch einmal, aber die Stadt an sich hat außer ihrem mediterranem Flair nicht so viel zu bieten. Es gibt dort sehr viele Bäume, die Limetten, Granatäpfel, Feigen und Oliven als Früchte tragen. Am zweiten Tag lernten wir dann unsere einzige Nachbarin kennen. Wilma kam aus Groningen in den Niederlanden und war 63 Jahre alt, sah aber um einiges jünger aus. Sie reiste nun seit 3 Monaten allein über den Balkan. So etwas hört man auch nicht alle Tage. Aber sie war auf jeden Fall eine sehr liebe Frau, die durch ihre hibbelige Art liebenswürdig wirkte. In Ulcinj hatten wir dann schließlich das Gefühl, dass uns trotz aller Widrigkeiten zuvor, ein versöhnliches Ende mit Montenegro gelungen war. Frei nach dem Motto: Ende gut, alles gut.

Nach 4 Nächten in dieser schönen Strandgegend brachen wir dann schließlich nach Albanien auf. Wilma begleitete uns an dem Morgen, an dem uns Alex zum Busbahnhof nach Ulcinj fuhr. Auch sie wollte nach Albanien, allerdings direkt nach Tirana in die Hauptstadt. Unsere erste Station sollte Shkoder sein, im äußersten Norden des Landes...

Freitag, 16. September 2016

Bilderstrecke Serbien


Markt mit frischem Obst und Gemüse in Subotica

Subotica

Poolanlage im hinteren Teil des Camps

sieht viel aus - ist es aber nicht (ca. 60 Euro)

nette Aussicht über Beograd und die Donau

Graffiti in Beograd

viele streunernde Hunde in Serbien - auch auf unserem Campingplatz in der Hauptstadt

Perucac

 direkt neben unserem Zelt

im Tara-Nationalpark

links der Drina Bosnien-Herzegowina, rechts Serbien

Dienstag, 6. September 2016

Unterwegs in Serbien

In Szeged stiegen wir schließlich in den Bus nach Subotica, einer kleinen Stadt im äußersten Norden Serbiens. Wir hatten Glück, es kam lediglich ein Kleinbus für etwa 30 Grenzgänger und wir ergatterten 2 dieser begehrten Plätze. Mindestens genauso viele Menschen blieben auf dem Busbahnhof zurück und mussten auf den nächsten Bus warten. Der Busfahrer nahm uns gleich unter seine Fittiche, erkannte er uns beim Beladen des Gepäcks doch als die einzigen Ausländer an Bord. Das war auch unser Glück, denn erstens drängelten die Leute beim Einsteigen, als käme der nächste Bus erst in 5 Jahren und zweitens mussten wir an der Grenze unsere Pässe abgeben und alle aussteigen, wieder einsteigen und nochmals die Pässe rausholen und abgeben. Das ganze Prozedere dauerte etwas über eine halbe Stunde, danach ging es mit einem Stempel mehr im Reisepass weiter gen Subotica. Die Stadt erreichten wir dann ziemlich zügig und mein erster Eindruck war, als wären wir auf Zeitreise. Der Putz bröselt von den Fassaden, so wie der Lack überall von seiner Oberfläche blättert. Die Schilder waren nun zu den lateinischen und auch mit kyrillischen Lettern versehen. Die Anzahl der älteren Gefährte, die schwarzen Ruß ausbliesen nahm zu und viele Gebäude waren mir Graffitis beschmiert. Am Busbahnhof wechselte ich erstmal ein paar Euronoten und meine letzten ungarische Forynths in serbische Dinar. Wir suchten die Touristeninformation auf und uns wurde erklärt, mit welcher Stadtlinie wir zum etwas außerhalb gelegenen Campingplatz kamen. Nach etwas Sucherei stellten wir dann unser Zelt auf die kleine Wiese auf, für etwas unter 6 Euro pro Nacht. Subotica erkundeten wir am nächsten Tag, dafür brauchten wir nicht lange, sodass wir hier und da uns auf eine Parkbank setzten, dem Treiben um uns herum zuschauten und uns unterhielten. Ein wirklich kleines gemütliches Örtchen, ohne großartig viele Touristen. Das einzige, was uns etwas zu schaffen machte, war die serbische Sonne, die kein Erbarmen mit uns hatte und alle 3 Tage volle Esse durchschien. Am zweiten Tag blieben wir im Camp, wo ich anfing den Ungarn-Reisebreicht zu schreiben, während Jenny sich sonnte und im Pool, der mit zum Campingplatz gehörte, etwas badete. Am dritten Tag wollten wir dann weiter in die sebische Hauptstadt Beograd. Wir hatten trotz der Hitze Lust zu trampen, da Hauptstädte in der Regel leicht anzusteuern sind. Nach etwa einer halben Stunden hielt auch jemand und Zoran sammelte uns mit seinem Obsttransporter auf. Die Fahrt ging etwas länger als erwartet. Zunächst machten wir auf dem weg in seine Heimatstadt Novi Sad einen kurzen Halt an einer Autobahnraststätte, wo er uns einen Kaffee ausgab und über sein Obst-Business sprach. In Novi Sad brachte er dann den Transporter weg, wir warteten kurz, und er sammelte uns mit seinem Ford wieder ein. Nun ging es nach Zrenjanin, wo er arbeitete und uns dort raus ließ. Den Rest der Strecke fuhren wir mit dem Bus nach Beograd, wir wollten noch vor Sonnenuntergang dort sein, da auch dort der Campingplatz außerhalb lag. Dort angekommen, begann ein regelrecht chaotisches Hin und Her nach dem Suchen der korrekten Stadtlinie. Nachdem ich jemand fand, der englisch sprach und uns Linie 83 empfahl, wurden wir in eben dieser zur Hauptattraktion im vorderen Abteil: Mit unseren dicken Rucksäcken auf unseren Rücken, quetschten wir uns ind den vollbesetzen Bus. Jenny fragte den Fahrer schließlich, ob der Bus nach Zemun, dem Stadtteil mit unserem Campingplatz, fuhr. Dieser verstand kein Englisch und auch mit ein paar Fetzen Russisch kamen wir nicht wirklich voran. Während er den Bus durch Beograds Rush-Hour lenkte und holte er sich eine junge Passantin zur Seite, die zwischen Jenny und mir stand und kurzerhand zur Dolmetscherin auserkoren wurde. Sie erklärte uns dann, in welche Linie wir umsteigen müssten. Der Busfahrer war mit Leib und Seele dabei, uns alles zu erklären und war dabei nicht gerade leise, da zückte auch schon ein Mann in der ersten Sitzreihe Stift und Zettel, um uns die Nummern auch noch aufzuschreiben. Die junge Dolmetscherin bestätigte die Angaben und auch der Busfahrer wollte den Zettel noch sehen und gab grünes Licht. Wir wussten gar nicht wem wir zuerst zuhören sollten. Nachdem wir dann ein paar bei Minuten später in die richtige Linie umstiegen, erreichten wir eine Weile später endlich die richtige Endhaltestelle. Nun hieß es noch einen Kilometer laufen und mit dem Einbruch der Dunkelheit bauten wir unser Zelt auf. Wir hatten nach diesem Ritt richtig Hunger, allerdings nur noch Wasser und etwas Trockenobst und Nüsse. So haderten wir, ob wir die nächste feste Mahlzeit am nächsten Tag einnehmen würden oder noch mal zum nächsten Supermarkt losziehen würden. Jenny blieb im Zelt, während ich mich nochmal aufmachte. Der Besitzer des Campingplatzes sagte mir, es seien 2 Kilometer bis zur nächsten Shoppingmall, er irrte sich um 2 weitere Kilometer, wie ich später feststellte. Das war das Tribut für eine warme Mahlzeit und kurz darauf fielen wir in unsere Betten. Am nächsten Tag stand die Stadtbesichtigung an. Wir zogen wie immer nach dem Frühstück los und schlenderten durch, das teils hügelige, Beograd. Am einen Ende der Haupteinkaufsmeile fanden wir einen riesigen Stadtpark, der neben einem Zoo auch zahlreiche Spielplätze, Sportanlagen und Restaurants sowie einen Aussichtspunkt und eine Art Burg zu bieten hatte. Auf jeden Fall ein schöner ruhiger Fleck für Familien und für alle, die gern mal abschalten wollen in einer solch großen Stadt. Danach flanierten wir noch etwas durch die anderen Boulevardstraßen und fuhren wieder ins Camp. Verglichen mit Städten wie Budapest, Prag oder Krakau hat diese Ostmetropole nicht all zu viel zu bieten. Das kam uns allerdings auch entgegen, war es doch schon die vierte Stadt auf der noch jungen Reise. Städte können wirklich manchmal anstrengend sein. Man will am Ende ja doch alles gesehen haben und latscht durch jede Straße. Ist ja auch oft sehr schön, aber halt auch anstrengend. Am Abend setzten wir uns die Bar des Campingplatzes und machten uns Gedanken über die Weiterreise. Unseren Campingwart, der Deja hieß, wie sich später heraus stellen sollte, fragten wir nach einem Tip auf den Weg Richtung Bosnien.Herzegowina. Schnell einigten wir uns auf Perucac, einem Ort im Tara-Nationalpark. Danach verschwand Deja für eine Weile und wir studierten Wetter und Campingmöglichkeiten des anvisierten Ortes. Als er wiederkam hatte er sein Smartphone in der einen, einen Zettel mit Stift in der anderen Hand. Herum telefoniert habe er. Er rief beim Busbahnhof an und fragte wegen Abfahrtszeiten und Preisen. Wir hatten in der Zwischenzeit überlegt einen Stop in Valjevo auf halber Strecke nach Perucac zu machen und erzählten ihm davon. Sofort war er wieder verschwunden und telefonierte. Es war fast schon peinlich für uns, wie sehr er sich für uns bemühte, aber er hat uns tatsächlich sehr geholfen. Danach entwickelte sich die Situation in ein interessantes Gespräch über Serbien, Deutschland, Fußball und der englischen Sprache. Zum Ende hin gab er uns noch eine Serbischstunde, die vor allem die Aussprache der verschiedenen Zischlaute zum Inhalt trug. Dann war es auch schon 21 Uhr, als er seine Bar schloss und Feierabend machte. Mit Dejas Informationen gewappnet, ging es am nächsten Morgen zum Busbahnhof. All seine Angaben stimmten und so saßen wir kurz vor Mittag im Bus nach Perucac. Wir entschieden uns letztendlich doch für die direkte Route ohne Stop in Valjevo, durchquerten dieses aber wenigesten. Gerade die Strecke von Valjevo nach Perucac war sehr schön anzusehen. Es wurde immer bergiger und so schlengelten wir uns die insgesamt 180 Kilometer in etwas über 4 Stunden empor. Kurz vor Perucac stiegen wir noch in Bajina Basta um, dem Verwaltungssitz des Tara-Nationalpark. Ein Paar mittleren Alters, welches im Bus von Beograd nach Bajina Basta hinter uns saß, sprach uns an. Sie wollten auch nach Perucac, aber wir konnten uns nur mit Hand und Fuß verständigen. Immerhin sorgten sie dafür, dass wir an der richtigen Haltestelle in Perucac aussteigen konnten, direkt an unserem „Campingplatz“. In Wirklichkeit war es nur eine ganz kleine Wiese, aber die Lage war wirklich fantastisch! Direkt neben der Wiese mündet der mit 365 Metern Länge kleinste Fluss Europas, der Vrelo, in Form eines Wasserfalls in die Drina, die die Grenze Serbiens zu Bosnien.Herzegowina bildet. Nur Goran, unser einziger Nachbar, machte sich auch auf zu diesem schönen Flecken Erde. Er sagte uns, dass er schon über eine Woche da sei. Er hatte ein Kanu und ein Mountainbike mit an Bord, genau das Richtige für diesen Ort. Noch am selben Abend machten wir uns auf Erkundungstour durch diesen kleinen Ort, der aber auch 2 kleine Läden zur Beschaffung der notwendigsten Lebensmittel zu bieten hatte. Wir dachten uns, die 365 Meter packen wir heut auch noch und folgten dem Vrelo zu seiner Quelle und fanden einen weiteren wunderschönen Wasserfall vor. Genau nach solchen Orten sehnen wir uns auf Reisen und halten Ausschau: Kein Ort in den Top 5 der besten Sehenswürdigkeiten Serbiens, somit sehr wenige andere Touristen und ganz viel Natur. Oft wird man von den Ortsansässigen verdutzt angeguckt und gefragt, warum man gerade ihren Ort sich anschauen will. Andere wiederum sind richtig stolz, dass ein paar Fremde, und dann sogar noch aus einem anderen Land, ihren Flecken Heimat besuchen. Das können die wahren Juwelen auf Reisen sein und Perucac ist ein hochkarätiges Prachtexemplar gewesen. Am ersten vollen Tag hielten wir uns zunächst im Ort auf, Jenny ging es nicht so gut und wir hatten uns schon geeinigt hier nicht nur einen oder zwei Tage zu bleiben. Alles immer schön ruhig. Zuerst liefen wir durch den Ort an einem alten Friedhof vorbei auf dem Steinblöcke lagen. Das sollen Gräber aus dem 14. und 15. Jahrhundert sein, stand auf einer Infotafel. Weiter hinaus aus dem Ort richtung Berge kam uns ein Auto entgegen und hielt. Der nette Mann vom gestrigen Tag, der mit seiner Frau ebenfalls im Bus von Beograd hinter uns saß hielt an und wir tauschten ein paar nette Mimiken und Gestiken aus. Er wollte wohl wissen, ob wir den Campingplatz fanden und auf unseren Daumen nach oben gab es einen Daumen nach oben von ihm zurück. Anscheinend wohnt er hier und er war mit seiner Frau als Tourist in der serbischen Hauptstadt gewesen, dämmerte es uns. Wir spazierten noch etwas durch die Gegend und gegen Nachmittag kochten wir. Danach gingen wir noch einmal die knapp über 300 Meter zum Ursprung des Vrelo zurück, um ein paar Fotos zu machen. Wir waren gerade fertig geworden und es kam ein anderes Pärchen gleichen Alters zu uns gestoßen. Wir fragten sie, ob sie uns zusammen fotografieren können und boten ihnen im Gegenzug dasselbe an. Aus dieser Frage entwickelte sich ein sehr interessantes Gespräch, welches den Rest des Nachmittags andauern sollte. Wir lernten Johanna und Petr kennen, wohnhaft in der Hauptstadt unseres Nachbarlandes Polen. Auch sie beide reisten grade über den Balkan. Man tauschte sich aus, wo man herkam und wo man hin will. Dann unterhielten wir uns über Reisen allgemein und über Polen und Deutschland, über Essen und Ernährung, einfach über alles und Gott und die Welt. Die beiden sind auch schon gut rumgekommen und haben sogar eine zeitlang in den USA studiert. Aber es hat ihnen dort wohl nicht sehr gefallen, aufgrund der ungesunden Ernährung dort drüben und weil dort so gut wie jeder eine Waffe tragen kann und auch trägt. Am Ende tauschten wir noch E-mail Adressen aus, für den Fall mal wieder in Warschau zu sein. Ein sehr symphatisches Paar, welches uns in vielen Ansichten ähnlich ist, stellten Jenny und ich beim Abendessen fest.
Am zweiten Tag zog es uns in die große Stadt Bajina Basta. Nun gut, groß ist sie nur relativ gesehen zu den noch verschlafeneren Orten.in ihrer Umgebung. Es gibt einen schönen kleinen Park und viele kleine Einkaufsstraßen, die mit Cafe´s gesäumt sind. Außerdem befindet sich dort auch das Informationszentrum des Tara-Nationalparks. Unser erstes Ziel an diesem Tag. Die nette Dame dort erzählte uns dann, was wir alles machen konnten und welcher Bus wann und von wo abfuhr. Wir kauften noch eine Wanderkarte mit über 30 verschiedenen Wegen und studierten diese eine halbe Stunde später im Park. Wir entschieden uns gleich für eine Runde um einen der Seen, der größte musste es natürlich sein. Jenny fragte mich, ob wir das schaffen würden an einem Tag. Ich sagte ihr, dass das klar gehe. !5 – höchstens 20 Kilometer. Zum Glück sprach uns Aleksander, ein zuvorkommender Einheimischer, an. Als wir ihm von unserer Route erzählten, meinte er wir müssten übernachten. Ich sagte ihm mehrmals: Nicht doch übernachten, da verstand er und klärte uns auf, dass die besagte Route 40 Kilometer lang sei – mindestens. Upps, da hatte ich mich wohl etwas verschätzt. Aleksander empfahl uns dann eine andere Route mit einer tollen Aussicht auf das Tal. Diese ging nur 12 Kilometer und war in jedem Fall machbar. Danach flanierten wir noch etwas durch den Ort und fuhren am Nachmittag zurück ins Camp. Im gleichen Bus saß unser neuer Nachbar, wie es sich später herausstellte. Muhammad war sehr groß und hager und kam aus Palästina. Allerdings wohnte er, bedingt durch sein Medizinstudium, im rumänischen Constanza am schwarzen Meer. Als wir noch am selben Tag alle zusammen Abendbrot aßen, erzählte er uns, dass dies seine erste Campingreise ist. Vorher habe er sich nur ein paar Städte in Europa angeschaut. Für seine Campingtour hatte er ein beachtliches Tempo drauf. Von Tel Aviv ging es nach Constanza, danach nach Istanbul. Von dort ging es dann nach Beograd und schließlich nach Perucac – alles in unter einer Woche. Okay viel Zeit hatte er nicht, da kann man schon mal einen Zahn zulegen, aber das ist schon rekordverdächtig. Wie sich herausstellte, wollte auch Muhammad am nächsten Tag eine Wanderung zu dem Aussichtspunkt unternehmen und so kam es, dass wir am nächsten Morgen kurz nach 6 Uhr zusammen auf den Bus warteten. Wir fuhren noch etwa 20 Minuten weiter hoch in die Berge. Die Aussicht war jetzt schon atemberaubend. Bis zur etwa der Hälfte Fahrt war alles noch neblig und grau. Dann durchbrachen wir die Wolkenschicht und blickten auf das Wolkenmeer, welches von der aufgehenden Sonne friedlich von den Bergen umsäumt wurde. Oben angekommen befanden wir uns in Mitrovac, einem kleinen Ort, von dem ein Großteil der Wanderrouten ausgeht. Es war noch sehr früh und wir trafen auf unser zweistündigen Wanderung zum Aussichtspunkt nicht einen einzigen anderen Touristen oder Wanderer. Stattdessen unterhielten wir uns über so ziemlich alles, was das Leben zu bieten hat. Gerade über die Kleinigkeiten im Alltag eines Deutschen beziehungsweise eines Palästinensers. Zwischendurch tauschten wir immer mal wieder Vokabeln in Deutsch und Arabisch aus. Das war sehr lustig, sind die Sprachen doch so sehr verschieden. Interessant war zum Beispiel auch Folgendes: Da Muhammad ein Smartphone besaß, fragte ich ihn ob sein facebook-Profil in arabisch oder englisch sei. Er meinte, dass beides möglich sei, die lateinischen Buchstaben jedoch manche Laute aus dem arabischen nicht abdecken. Dafür würden manche Laute in der lateinschen Schreibsprache einfach durch Zahlen ersetzt. Durch viele solcher kleinen kulturellen Unterschiede, die wir alle als sehr amüsant und doch interessant empfanden, verging die Zeit wie im Flug. Wir genossen am Aussichtspunkt die Sicht auf das Tal, die letzten Wolken waren grad dabei sich zu verziehen, und machten uns wieder auf den Weg nach Mitrovac. Während wir auf dem Hinweg am Morgen noch etwas fröstelten, gab die Sonne nun wieder volle Power. Es war schon beinahe unangenehm, mussten wir doch noch über 2 Stunden auf den Bus zurück nach Perucac warten. Irgendwann waren wir wieder im Lager und kochten erstmal. Muhammad nahm kein Tempo aus seiner Reise und brach schon am nächsten Morgen weiter auf in die bosnische Hauptstadt nach Sarajevo, seiner letzten Station. Eigentlich war das auch der Plan von uns gewesen so weiter zu verfahren, nur erst am übernächsten Tag. Doch der Wetterbericht für die nächste Woche ließ uns nachdneklich werden. Eine Woche Regen. Na toll. Wir hatten uns bereits vor unserem Reiseantritt gegenseitig zugesichert, dass wir flexibel bleiben würden und nichts in Stein gemeißelt ist. In Szeged oder Subotica spielten wir schon zum ersten Mal mit dem Gedanken, Bosnien.Herzegowina eventuell auf dieser Reise nicht zu besuchen.Wir hatten bereits nach Ungarn das Gefühl, das anderthalb Wochen für ein Land viel zu wenig sind und nun kam auch noch schlechtes Wetter dazu. Der Wetterbericht für Montenegro war zwar auch nicht berauschen, aber immerhin lagen die Temperaturen im 25°C – Bereich. Wir recherchierten noch etwas herum, wie welche Route ungefähr aussehen könnte und entschieden uns dann direkt nach Montenegro zufahren. Mehr Zeit für das Land und besseres Wetter und Bosnien.Herzegowina rennt ja nicht weg. An unserem letzten Tag in Perucac machten wir nur eine kleine Wanderung. Und zwar die, die uns zum 2 Kilometer entfernten Stausee brachte. Dort gab es zwar keinen Strand, aber eine große Schwimminsel, auf der sich die Leute sonnten und angelten. Das Wasser war klar und unsere Vorfreude auf Montenegro stieg an, sollten wir doch dort das erste Mal auf unserer Reise am Meer sein. Am nächsten Morgen bezahlte ich noch die 38 Euro für unsere 5 Nächte auf dem Campingplatz und wir machten uns auf den Weg nach Montenegro..