Irgendwann Anfang 2014. Ich war gerade erst einige Wochen wieder zurück in der Heimat seit meinem Trip aus Südamerika, die Erinnerungen noch ganz frisch und doch kam mir das alles so weit weg und unreal vor, als wäre es nur ein Traum gewesen. Ich hatte Schwierigkeiten damit, zu akzeptieren, dass diese wundervolle Zeit zu Ende war und wäre am liebsten wieder sofort losgezogen. Meine Familie und meine Freunde erleichterten mir die Rückkehr enorm, jedoch hatte ich Blut geleckt und wusste, dass dies lange nicht meine letzte Reise gewesen sein würde. Jenny hatte mich in Kolumbien damals quasi "abgeholt". Wir reisten 3 Wochen durch dieses wunderschöne Land, verbrachten Weihnachten und Silvester dort, ehe es wieder in die Heimat ging. Auch sie hatte das Reisefieber gepackt, doch neben dem Fehlen des nötigen Kleingelds, befand sie sich auch noch am Anfang ihrer 3-jährigen Erzieherausbildung.
Eines Abends lagen wir auf dem Sofa, zur damaligen Zeit verdrödelten wir unsere kostbare Lebenszeit noch tatsächlich mit Fernsehen. Es kam grad irgendeine Urlaubs-Werbung und wir sahen ziemlich wehmütig in die Röhre, beide mit dem gleichen Gedanken, am liebsten sofort wieder losziehen zu wollen. Das sollte in den nächsten Wochen noch öfter vorkommen. Irgendwann wurden die Tage wieder etwas wärmer und länger, die Tage wurden zu Wochen und die Wochen zu Monaten. Wir arrangierten uns mit gegebener Situation und akzeptierten unser Schicksal, mindestens die nächsten 2 vollen Jahre in Cottbus zu bleiben. Bis zu jenem Abend, an dem wir wieder auf unserem Sofa lagen und Fernsehen schauten. Und wieder kam eine Werbung oder eine Doku, in dem Bilder aus fremden Gegenden dieser Erde über den Bildschirm huschten. Doch dieses Mal sagte Jenny: "Weißt du was? Wir fahren wieder weg!" Ich bremste sie ab: "Wie wollen wir das machen? Du bist im Sommer mit dem ersten Lehrjahr durch, da kommen noch 2 weitere. Mal abgesehen von der Kohle." Jenny meinte es ernst: "Ich mache doch eine schulische Ausbildung. Ich bekomme zwar kein Geld, aber dafür habe ich 6 Wochen Sommerferien- wie ein Schulkind." Das stimmt, dachte ich mir, mit 6 Wochen lässt sich doch was auf die Beine stellen. "Und wie machen wir das mit der Kohle? Wir haben nicht genug um mal eben nach Mexiko oder sonst hin zu fliegen. Selbst für einen Monat brauchen wir doch locker 2-3 Tausend mit Flügen und allem drum und dran." meinte ich. Jenny lächelte mich an: "Wir trampen." Das hatte sie zwar schon einige Male zuvor in besagter Situation gesagt, aber wir hatten es immer nur für einen Spaß gehalten, der schon 2 Werbungen später wieder vergessen war. "Na wir müssen doch nicht gleich wieder soweit weg fahren. Hier gibts doch sicher auch schöne Ecken." Da hat sie Recht, dachte ich mir und prompt holte ich mein Lieblingsbuch, den Atlas, aus dem Bücherregal. Kaum zu glauben, wie eine so simple Idee eine solch gewaltige Reaktion in uns beiden auslöste. Noch am selben Abend haben wir mehrere Reiserouten, immer auf ungefähr 6 Wochen abgestimmt, herausgesucht. Wir haben uns belesen ob Trampen überhaupt noch möglich ist. Das hat für mich bis zu diesem Zeitpunkt immer etwas Nostalgisches gehabt, aber wir erfuhren, dass es gerade in Osteruopa recht einfach sein sollte, per Anhalter zu fahren.
Die nächsten Tage jedenfalls drehte sich alles nur noch um die bevorstehenden Sommerferien. Wir lasen Erfahrungsberichte und informierten uns über die Länder, welche wir uns ausgeschaut hatten. Dann bestellten wir uns noch ein 2-Personenzelt und im Juli 2014 ging es dann quer durch Polen über Litauen und Lettland bis hoch in den Norden Estlands. Trampen erwies sich dabei als ganz besondere Erfahrung. Wir haben herzensgute Leute und ihre interessanten Lebensgeschichten kennen gelernt. An manchen Tagen fuhren wir in richtigen Klapperkisten mit, aber auch edle Karosserien, wie beispielsweise ein Lexus, sammelten uns am Straßenrand auf. Eine besonders nette Polin lud uns sogar in ihr Ferienhaus mit ein und wir hatten eine so schöne Zeit, dass wir sie zu Ostern 2015 noch einmal besuchten. Und auch Zelten war und ist einfach unser Ding, fanden wir schon nach ein paar Nächten draußen heraus. Es gibt für uns einfach kein tolleres Gefühl am frühen Morgen als von den Klängen der Natur geweckt zu werden. Ob es nun Vögel oder das Rauschen der Baumkronen sind, Flüsse oder die Wellen der Ostsee, die nur wenige Meter vor unserem Schlafgemach an den Strand gespült werden. Zudem bietet sich uns der Vorteil einfach unser Zelt dort aufzuschlagen, wo es uns gerade gefällt. Und auf Campingplätzen herrscht stets eine ausgelassene und relaxte Grundstimmung.
Lange Rede, kurzer Sinn: Wir erfreuen uns an der Einfachheit und Natürlichkeit des Lebens und lieben diese Art zu Unterwegs zu sein..
Nach dieser Reise folgten noch ein zweiwöchiger Trip nach Polen und ein Besuch nach Prag. Im Sommer 2015 nutzten wir erneut Jennys 6-wöchige Sommerferien für eine Reise durch Südpolen, die Slowakei und Tschechien. Leider ist es nun aber so, dass sich das eigentliche Freiheitsgefühl, welches sich auf Reisen entwickelt erst nach 3-4 Wochen anfängt sich zu entfalten. Man legt seine Gewohnheiten und Routinen ja nicht von jetzt auf gleich ab, das braucht eine Weile. Und da sind 5-6 Wochen nun nicht viel Zeit, auch wenn das zugegebenermaßen Jammern auf hohem Niveau ist. Für uns war trotzdem sehr schnell klar: Nach Jennys Ausbildung, im Sommer 2016, wird es eine längere Auszeit geben. Und dieser Zeitpunkt ist jetzt..
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