Freitag, 23. Dezember 2016

Mit dem Zug durch Thailand

Am nächsten Morgen standen wir dann in Bangkok auf dem Bahnhof. Natürlich hatten wir keine Probleme beim Ticketkauf. Ganz im Gegenteil, es gab sogar ein Kartenschalter nur für Ausländer. Und wie günstig die Zugpreise in Thailand sind, so etwas haben wir noch nicht gesehen. Ich habe alle Teilstrecken zusammengerechnet, vom Preis sowie auch von der Entfernung. Ein Blick auf das Zahlenmaterial zeigt auf, dass Zugfahren in Thailand praktisch gratis ist: Wir sind alle Strecken zwischen Bangkok und Chiang Mai mit dem Zug gefahren. Das sind etwa 670 Kilometer. Für diese Gesamtstrecke haben wir grade mal 6 Euro pro Person ausgegeben! Die Strecke gleicht auf deutschen Boden etwa der Entfernung von Hamburg nach Stuttgart. Und der Komfort ist einfach, aber okay. Einmal nur saßen wir auf richtigen Holzbänken. Ansonsten sind die Waggons ausgestattet wie in Deutschland die Regionalzüge.

Ayutthaya war einst die Hauptststadt des Königreichs Thailand gewesen. Die Stadt bietet neben den üblichen Tempeln viele durchaus gut erhaltene Ruinenstätten. Ayutthaya lässt sich gut an einem Tag mit dem Fahrrad erkunden. Und so taten wir es auch. Ein alter Drahtesel kostet dabei grade mal einen Euro pro Tag Leihgebühr. Da wir genügend Zeit haben, ließen wir uns gleich zwei volle Tage in diesem gemütlichen Ort nieder, nicht zuletzt, um die erste Welle der Reizüberflutung aus Bangkok zu verarbeiten. Hier gibt es keine aufdringlichen Tuk-Tukfahrer mehr an jeder Ecke und die Menschen sind viel offener und freundlicher. Abends hatten wir das Glück immer einen Nachtmarkt in der Nähe unseres Hotels zu haben. Dort schlemmten wir uns weiter durch die Stände. Ein weiteres Leckerli, welches wir in Ayutthaya entdeckten, war hausgemachtes Kokoseis. Das war wirklich sehr lecker und das Ehepaar, dass den Stand leitete, war unverschämt nett zu uns. Uns hat es dort gut gefallen, die Uhren ticken dort schon sehr viel langsamer als in der Hauptstadt, auch wenn Ayutthaya mit über einhunderttausend Einwohner auch nicht grade ein Dorf ist.
Als nächstes machten wir in Lop Buri Halt. Die Stadt ist wirklich richtig klein, aber hat dennoch eine einzigartige Besonderheit zu bieten. Neben den Menschen, die dort leben, gibt es jede Menge wildlebender Affen! Sie sind wirklich überall. Auf den Straßen, an und auf den Häusern und ihr zu Hause ist sogar auf einem der wenigen Denkmäler. Dort tummeln sich zumindest die meisten. Alle Fenster, auch die von unserem Zimmer, sind vergittert. Und tatsächlich. Wenn wir mal das Fenster öffneten kamen gleich ein paar neugierige Affen und schauten durch die Gitter in unser Zimmer. Vor allem wenn wir grade aßen. So beeindruckend das für uns Besucher auch ist. Für die Menschen dort sind die Affen eine regelrechte Plage. So ziemlich jeder Ladenbesitzer hat einen Bambusstock bei sich, damit die Affen nicht ihre Geschäfte plündern. Auch im Verkehr muss auf die ganzen Affen Rücksicht genommen werden. Und auch als Tourist ist man nicht sicher. Grade bei dem Denkmal, an dem sich die Affen zu Scharen tummeln, gibt es richtige „Überfälle“ auf Touristen. Die Kamera sollte man gut im Griff haben und am besten keinen Schmuck tragen oder etwas zu Essen in den Händen halten. Einige Passanten wurden richtig angesprungen. Es handelt sich immerhin noch um wildlebende Tiere. Aber ein Besuch war dieser kuriose Ort allemal wert.
Nächste Station war die Stadt Phitsanulok. Eigentlich hatten wir uns dort nur einquartiert, um in die Nachbarstadt Sukhothai zu kommen, die nicht auf der Bahnstrecke lag. Wir blieben dann aber doch zwei ganze Nächte dort und entspannten tagsüber am Fluß und genossen den örtlichen Nachtmarkt.
Außerdem hatten wir an einem Essensstand eine wundersame Begegnung mit einem Inder. Wir bestellten uns grade unser Pad Thai (gebratene Nudeln mit Gemüse), da sprach uns ein Sikh an, ein Mann mit orangefarbenen Turban. Er war schon steinalt, 86 Jahre wie sich später rausstellte, und meinte wir sollen mit ihm kommen. Er hätte zu Hause richtiges Besteck und wir könnten dort vernünftig Essen. Wir wartenden auf unser Essen und als es fertig war nahm es der Inder gleich in die Hand, in der anderen seinen Holzstock zum Gehen. Nur ein paar hundert Meter weiter nahmen wir dann in seiner „Wohnung“ Platz, gespannt, wie so eine Bleibe in Thailand wohl von Innen aussieht. Eigentlich war es eher eine Werkstatt. Wir bekamen Sitzplätze an einem Tisch, Besteck sowie Wasser und Milch und als Nachtisch bekamen wir Kekse und Papaya serviert. Der Sikh war wirklich sehr gastfreundlich und konnte sogar ein paar Brocken Englisch, das er in Pakistan gelernt hatte. Er zeigte uns ein paar Methoden, um immer gesund zu bleiben und sagte er gehe jeden Morgen an den Fluss und mache dort Atemübungen. Dies sei sein Geheimnis, weshalb er noch so gut funktioniere. Nach dem Essen trugen wir uns in sein Gastbuch ein, anscheinend waren wir nicht die ersten Besucher, die er auf der Straße aufsammelte. Wir wechselten ins Nebenzimmer, um etwas Fernsehen zu gucken. Dort stand wirklich nur ein Bett, der Fernseher und ein paar Regale an den Wänden. Es führte zwar noch eine kleine Treppe nach oben, aber so wie es aussah lebte der Sikh in diesem Raum. Da wir nicht viel aus dem TV verstanden und uns die Stadt noch anschauten wollten, verabschiedeten wir uns herzlich und machten uns weiter auf den Weg. So spazierten wir noch durch die Stadt und später über den Nachtmarkt, an dem wir auch unser Abendmahl zu uns nahmen.
Am nächsten Tag liefen wir das Flussufer entlang und schauten uns zwei Tempel an. Den Rest des Tages ruhten wir uns auf unserem Hotelzimmer aus, dem modernsten und edelsten in dem wir je geschlafen haben. Neunter Stock, mit Blick über die Stadt und sogar einer Badewanne. Die Minibar sorgte für stets kühles Wasser und nach zwei Nächten bequemsten Schlafens machten wir uns auf nach Sukhothai, welches etwa eine Stunde mit dem Bus entfernt liegt.
Die Stadt selber hat nicht all zu viel zu bieten, wartet jedoch mit einem historischen Park etwa 14 Kilometer außerhalb auf. Dorthin machten wir uns dann auf am nächsten Tag und erkundeten das Gelände, das so riesig war, das wir uns sogar verliefen und Schwierigkeiten hatten wieder zum Bus zu gelangen. Leider regnete es zwischendurch ziemlich heftig, aber zum Glück bleiben selbst dann die Temperaturen im 25° Grad-Bereich. Abends in Sukhothai angelangt, ging es dann natürlich wieder auf den Nachtmarkt, inzwischen ein fester Bestandteil unseres Abendprogramms.
Da wir mit dem Zug weiterreisen wollten, ging es dann wieder zurück nach Phitsanulok, wo wir noch eine Nacht in unserem Edelhotel zubrachten. Am nächsten Morgen standen wir dann aber auch schon auf dem Bahnhof und warteten auf den Zug, der uns nach Lampang, unserem nächsten Ziel, bringen sollte. Lampang ist ein auch ziemlich gemütliches, jedoch mittelgroßes Städtchen. Hier gibt’s einige Tempel und Brücken zu begutachten, aber das absolute Highlight war der Nachtmarkt, der ausschließlich am Wochenende stattfand. Wir hatten das Glück an einem Samstag angereist zu sein, konnten so also beide Abende dort mitnehmen.Und das war auch gut so. Der Markt ist so riesig, das wir irgendwo in Bangkok hätten sein können. Und wie es sich für so eine Superlative gehört entdeckten wir dort auch eine Neuigkeit für den Gaumen. Sweet Potatos, kleine süße Kartoffelbällchen. Eigentlich ist es nicht ganz richtig, wie ich es beschrieben habe. Wir haben diese gelben Bällchen schon ab und an vorher irgendwo gesehen, dachten aber dass das nicht schmeckt. Welch ein Irrtum! Uns schmecken sie beide ausgezeichnet, aber Jenny geht seitdem regelrecht auf Jagd, sobald wir einen Tages-/Nachtmarkt betreten.

In Lampang war waren wir zwei volle Tage und am letzten Abend erfuhren wir, dass in Thailand grade Lichterfest ist. Die ganze Stadt versammelt sich dazu am Fluss, an dem eine tolle Show aufgeführt wurde. Den ganzen Abend über fuhren toll beleuchtete Schiffe den Fluss hoch und runter und viele Stände verkauften Kerzen und Lampions, die man auf den Fluss setzen oder in den Nachthimmel aufsteigen lassen konnte. Die Straßen waren gesäumt von unzähligen Straßenständen und es war am Montag quasi noch einmal mehr Nachtmarkt angesagt. Mit diesen tollen Eindrücken im Hinterkopf ging es dann weiter gen Norden.

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