Am nächsten Morgen standen wir dann in
Bangkok auf dem Bahnhof. Natürlich hatten wir keine Probleme beim
Ticketkauf. Ganz im Gegenteil, es gab sogar ein Kartenschalter nur
für Ausländer. Und wie günstig die Zugpreise in Thailand sind, so
etwas haben wir noch nicht gesehen. Ich habe alle Teilstrecken
zusammengerechnet, vom Preis sowie auch von der Entfernung. Ein Blick
auf das Zahlenmaterial zeigt auf, dass Zugfahren in Thailand
praktisch gratis ist: Wir sind alle Strecken zwischen Bangkok und
Chiang Mai mit dem Zug gefahren. Das sind etwa 670 Kilometer. Für
diese Gesamtstrecke haben wir grade mal 6 Euro pro Person ausgegeben!
Die Strecke gleicht auf deutschen Boden etwa der Entfernung von
Hamburg nach Stuttgart. Und der Komfort ist einfach, aber okay.
Einmal nur saßen wir auf richtigen Holzbänken. Ansonsten sind die
Waggons ausgestattet wie in Deutschland die Regionalzüge.
Ayutthaya war einst die Hauptststadt des
Königreichs Thailand gewesen. Die Stadt bietet neben den üblichen
Tempeln viele durchaus gut erhaltene Ruinenstätten. Ayutthaya lässt
sich gut an einem Tag mit dem Fahrrad erkunden. Und so taten wir es
auch. Ein alter Drahtesel kostet dabei grade mal einen Euro pro Tag
Leihgebühr. Da wir genügend Zeit haben, ließen wir uns gleich zwei
volle Tage in diesem gemütlichen Ort nieder, nicht zuletzt, um die
erste Welle der Reizüberflutung aus Bangkok zu verarbeiten. Hier
gibt es keine aufdringlichen Tuk-Tukfahrer mehr an jeder Ecke und die
Menschen sind viel offener und freundlicher. Abends hatten wir das
Glück immer einen Nachtmarkt in der Nähe unseres Hotels zu haben.
Dort schlemmten wir uns weiter durch die Stände. Ein weiteres
Leckerli, welches wir in Ayutthaya entdeckten, war hausgemachtes
Kokoseis. Das war wirklich sehr lecker und das Ehepaar, dass den
Stand leitete, war unverschämt nett zu uns. Uns hat es dort gut
gefallen, die Uhren ticken dort schon sehr viel langsamer als in der
Hauptstadt, auch wenn Ayutthaya mit über einhunderttausend
Einwohner auch nicht grade ein Dorf ist.
Als nächstes machten wir in Lop Buri Halt. Die Stadt ist wirklich richtig klein, aber hat dennoch eine
einzigartige Besonderheit zu bieten. Neben den Menschen, die dort
leben, gibt es jede Menge wildlebender Affen! Sie sind wirklich
überall. Auf den Straßen, an und auf den Häusern und ihr zu Hause
ist sogar auf einem der wenigen Denkmäler. Dort tummeln sich
zumindest die meisten. Alle Fenster, auch die von unserem Zimmer,
sind vergittert. Und tatsächlich. Wenn wir mal das Fenster öffneten
kamen gleich ein paar neugierige Affen und schauten durch die Gitter
in unser Zimmer. Vor allem wenn wir grade aßen. So beeindruckend das
für uns Besucher auch ist. Für die Menschen dort sind die Affen
eine regelrechte Plage. So ziemlich jeder Ladenbesitzer hat einen
Bambusstock bei sich, damit die Affen nicht ihre Geschäfte plündern.
Auch im Verkehr muss auf die ganzen Affen Rücksicht genommen werden. Und
auch als Tourist ist man nicht sicher. Grade bei dem Denkmal, an dem
sich die Affen zu Scharen tummeln, gibt es richtige „Überfälle“
auf Touristen. Die Kamera sollte man gut im Griff haben und am besten
keinen Schmuck tragen oder etwas zu Essen in den Händen halten.
Einige Passanten wurden richtig angesprungen. Es handelt sich
immerhin noch um wildlebende Tiere. Aber ein Besuch war dieser
kuriose Ort allemal wert.
Nächste Station war die Stadt
Phitsanulok. Eigentlich hatten wir uns dort nur einquartiert, um in
die Nachbarstadt Sukhothai zu kommen, die nicht auf der Bahnstrecke
lag. Wir blieben dann aber doch zwei ganze Nächte dort und
entspannten tagsüber am Fluß und genossen den örtlichen
Nachtmarkt.
Außerdem hatten wir an einem
Essensstand eine wundersame Begegnung mit einem Inder. Wir bestellten
uns grade unser Pad Thai (gebratene Nudeln mit Gemüse), da sprach
uns ein Sikh an, ein Mann mit orangefarbenen Turban. Er war schon
steinalt, 86 Jahre wie sich später rausstellte, und meinte wir
sollen mit ihm kommen. Er hätte zu Hause richtiges Besteck und wir
könnten dort vernünftig Essen. Wir wartenden auf unser Essen und
als es fertig war nahm es der Inder gleich in die Hand, in der
anderen seinen Holzstock zum Gehen. Nur ein paar hundert Meter weiter
nahmen wir dann in seiner „Wohnung“ Platz, gespannt, wie so eine
Bleibe in Thailand wohl von Innen aussieht. Eigentlich war es eher
eine Werkstatt. Wir bekamen Sitzplätze an einem Tisch, Besteck sowie
Wasser und Milch und als Nachtisch bekamen wir Kekse und Papaya serviert. Der
Sikh war wirklich sehr gastfreundlich und konnte sogar ein paar
Brocken Englisch, das er in Pakistan gelernt hatte. Er zeigte uns ein
paar Methoden, um immer gesund zu bleiben und sagte er gehe jeden
Morgen an den Fluss und mache dort Atemübungen. Dies sei sein
Geheimnis, weshalb er noch so gut funktioniere. Nach dem Essen trugen
wir uns in sein Gastbuch ein, anscheinend waren wir nicht die ersten
Besucher, die er auf der Straße aufsammelte. Wir wechselten ins
Nebenzimmer, um etwas Fernsehen zu gucken. Dort stand wirklich nur ein
Bett, der Fernseher und ein paar Regale an den Wänden. Es führte
zwar noch eine kleine Treppe nach oben, aber so wie es aussah lebte
der Sikh in diesem Raum. Da wir nicht viel aus dem TV verstanden und
uns die Stadt noch anschauten wollten, verabschiedeten wir uns herzlich
und machten uns weiter auf den Weg. So spazierten wir noch durch die
Stadt und später über den Nachtmarkt, an dem wir auch unser
Abendmahl zu uns nahmen.
Am nächsten Tag liefen wir das
Flussufer entlang und schauten uns zwei Tempel an. Den Rest des Tages
ruhten wir uns auf unserem Hotelzimmer aus, dem modernsten und
edelsten in dem wir je geschlafen haben. Neunter Stock, mit Blick
über die Stadt und sogar einer Badewanne. Die Minibar sorgte für
stets kühles Wasser und nach zwei Nächten bequemsten Schlafens
machten wir uns auf nach Sukhothai, welches etwa eine Stunde mit dem
Bus entfernt liegt.
Die Stadt selber hat nicht all zu viel
zu bieten, wartet jedoch mit einem historischen Park etwa 14
Kilometer außerhalb auf. Dorthin machten wir uns dann auf am
nächsten Tag und erkundeten das Gelände, das so riesig war, das wir
uns sogar verliefen und Schwierigkeiten hatten wieder zum Bus zu
gelangen. Leider regnete es zwischendurch ziemlich heftig, aber zum
Glück bleiben selbst dann die Temperaturen im 25° Grad-Bereich.
Abends in Sukhothai angelangt, ging es dann natürlich wieder auf den
Nachtmarkt, inzwischen ein fester Bestandteil unseres Abendprogramms.
Da wir mit dem Zug weiterreisen wollten, ging es dann wieder zurück nach Phitsanulok, wo wir noch eine Nacht
in unserem Edelhotel zubrachten. Am nächsten Morgen standen wir dann
aber auch schon auf dem Bahnhof und warteten auf den Zug, der uns
nach Lampang, unserem nächsten Ziel, bringen sollte. Lampang ist ein
auch ziemlich gemütliches, jedoch mittelgroßes Städtchen. Hier
gibt’s einige Tempel und Brücken zu begutachten, aber das absolute
Highlight war der Nachtmarkt, der ausschließlich am Wochenende
stattfand. Wir hatten das Glück an einem Samstag angereist zu sein,
konnten so also beide Abende dort mitnehmen.Und das war auch gut so.
Der Markt ist so riesig, das wir irgendwo in Bangkok hätten sein
können. Und wie es sich für so eine Superlative gehört entdeckten
wir dort auch eine Neuigkeit für den Gaumen. Sweet Potatos, kleine
süße Kartoffelbällchen. Eigentlich ist es nicht ganz richtig, wie
ich es beschrieben habe. Wir haben diese gelben Bällchen schon ab
und an vorher irgendwo gesehen, dachten aber dass das nicht schmeckt.
Welch ein Irrtum! Uns schmecken sie beide ausgezeichnet, aber Jenny
geht seitdem regelrecht auf Jagd, sobald wir einen Tages-/Nachtmarkt
betreten.
In Lampang war waren wir zwei volle
Tage und am letzten Abend erfuhren wir, dass in Thailand grade
Lichterfest ist. Die ganze Stadt versammelt sich dazu am Fluss, an
dem eine tolle Show aufgeführt wurde. Den ganzen Abend über fuhren
toll beleuchtete Schiffe den Fluss hoch und runter und viele Stände
verkauften Kerzen und Lampions, die man auf den Fluss setzen oder in
den Nachthimmel aufsteigen lassen konnte. Die Straßen waren gesäumt
von unzähligen Straßenständen und es war am Montag quasi noch
einmal mehr Nachtmarkt angesagt. Mit diesen tollen Eindrücken im
Hinterkopf ging es dann weiter gen Norden.
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