Wir erreichten auf den letzten
Kilometern des thailändischen Eisenbahnnetzes die Perle des Nordens,
die Stadt Chiang Mai. Drei Wochen waren wir nun bereits in Thailand
unterwegs und nach einem Blick auf unser Reisebudget war klar: Wir
hatten ganz schöne Schwierigkeiten damit unser Geld unters Volk
zu bringen. Essen, Unterkunft und Transport kosten kaum etwas. Tempel
und Ruinenstätten schlagen mit kaum bis gar nichts zu Buche. Und um
sich ein Fahrrad auszuleihen, löhnt man auch grad mal einen einzigen
Euro pro Tag.
Nachdem wir unser Hotel gefunden und
dort eingecheckt haben, ging es also erstmal in eine offizielle
Touri-Info. Dort buchten wir gleich zwei Tagestrips und zack –
schon waren wir um 200 Euronen leichter. Gleich am nächsten Tag
klingelte früh im Morgengrauen der Wecker. Ein Tag im Dschungel
stand auf dem Programm. Wir wurden pünktlich von unserem Hotel
abgeholt und sammelten danach die anderen Gruppenteilnehmer ein. Zu
uns gesellten sich noch zwei Spanierinnen (Mutter und Tochter), drei
Brüder gehobenen Alters aus Kambodscha und ein Pärchen aus London.
Wir fuhren dann erstmal ein oder zwei Stunden raus aus der Stadt. Die
Zeit verging aber ruck zuck, denn wir unterhielten uns fast die
gesamte Fahrt mit Piar und Tania, den Spanierinnen. Auch einer der
Kambodschaner sorgte mit seiner Art zu Reden und Lachen für gute
Unterhaltung an Bord. Zwischenzeitlich machten wir auch noch Stop an
einer Schmetterlings- und Orchideenfarm. War ganz nett anzusehen und
ein guter Start in den Tag. Als wir im Dschungel ankamen, stand als
erstes Elefantenreiten auf dem Zettel. Jenny und ich sind bei allen
„Attraktionen“ mit Tieren skeptisch und wollten diesen Punkt
rausnehmen aus unserem Tagesausflug. Aber auch auf Nachfragen wurde
uns vergewissert, dass die Elefanten genug Pausen bekämen und der
Besitzer selbst das Reiten organisiert. Als wir dann so vor den
Tieren standen, hatten wir trotzdem gemischte Gefühle. Zum Glück
ging das Elefantenreiten nur zwanzig Minuten statt der angepriesenen
Stunde. Wir kauften noch vor Ort ein paar Bananenstauden, fütterten
die Elefanten und schworen uns nie wieder eine Tierattraktion
mitzumachen, egal was uns erzählt wird. Danach ging es weiter in den
Dschungel. Wir fuhren an einen Fluss. Dort warteten bereits
Schlauchboote auf uns, Wildwasser-Rafting war angesagt. Etwa eine
halbe Stunde ging es flussabwärts und es waren zum Glück auch drei
oder vier Stromschnellen dabei. Ich saß ganz vorne und war
pitschnass, so wie es sein muss. Nach dem Rafting gab es dann erstmal
Mittagbrot. Die anderen Teilnehmer waren anscheinend noch nicht lange
in Thailand und staunten nicht schlecht über das in Bananenblättern
gehüllte Pad Thai, welches in Thailands Küche etwa so Standard ist
wie bei uns der Kartoffelsalat.
Nachdem alle Teilnehmer gesättigt
waren, ging das eigentliche Abenteuer los, eine Wanderung durch den
Dschungel. Wir liefen etwa anderthalb Stunden durch die wunderbar
grüne Natur bis wir an einem Wasserfall angelangten. Dort verweilten
wir eine Zeit lang und badeten in dem doch etwas frischen Wasser, ehe
wir wieder kehrt zum Bus machten, der uns zurück nach Chiang Mai
fuhr. Am Abend schauten wir uns noch das Lichterfest in Chiang Mai
an, welches hier statt nur einen gleich drei Tage lang stattfindet.
Das Ausmaß im Gegensatz zu Lampang ist einfach nur irre und
riesengroß. Die ganze Stadt ist auf den Beinen, zehntausende
Menschen tummeln sich durch die Straßen. Und das Krasse an der Sache
ist, es gibt keine einheimischen Menschen, die Alkohol trinken. Auch
nicht unter den Jugendlichen. Beim Essen steht auch bei den Thais mal
ein kühles Chang mit auf dem Tisch, aber insbesondere bei
Massenveranstaltungen gibt es keinen Alkohol. Das ist uns schon in
Bangkok und auch in Lampang beim Lichterfest aufgefallen sowie auf
sämtlichen Nachtmärkten. Scharen von Menschen sind am Abend
unterwegs und nicht einer hat ein Bier in der Hand. Das ist wirklich
sehr beeindruckend, wenn man sieht wie in solchem Ausmaß nüchtern
gefeiert werden kann und auch wird. Wenn wir da an unser Oktoberfest
und den Herrentag denken oder auch einfach nur an Geburtstage,
Stadtfeste und Osterfeuer.. dann kommt man sich kulturell ganz schön
primitiv vor wie man da so in der Menge steht und sieht wie es auch anders geht.
Alkohol ist auf unseren Feten einer, wenn nicht sogar DER elementare
Grund sich zusammenzufinden. Ein Teil der weißen Touris, die sich es
sich natürlich nicht nehmen ließen mit ihrem Changbier in der Hand
durch die Straßen zu ziehen, ließ uns diese Tatsache erst
ersichtlich werden. Das passte gar nicht ins Gesamtbild. Aber jedem das seine.
Am nächsten Tag schauten wir uns dann
Chiang Mai an. Die Stadt kann man bequem per Fuß erkunden und so
verbrachten wir einen tollen Tag und ruhten uns etwas aus. Denn: nach
dem Dschungel ist vor dem Dschungel. Schon am nächsten Tag ging es
wieder raus ins Grüne. Die zweite Tour, die wir gebucht hatten, war
ein Zipliningtrip in und über den Baumkronen des Urwalds. Ziplining
heißt, man gleitet an Seilen gesichert, die an Bäumen befestigt
sind zwischen eben diesen durch das Dschungeldach. Die Entfernungen
bzw. Länge der Seile variieren dabei zwischen 30 und mehreren
hundert Metern. Ein paar Hindernisse wie wackelige Treppen und
Abseilen (bis zu 40 Meter) waren auch noch als Elemente mit
eingebaut. Das war auf jeden Fall ein lustiger Spaß und wir würden
es immer wieder machen. Sicher ist es auch, da man doppelt gesichert
ist an zwei Seilen hängt und die Begleiter sehr professionell auftraten.
Auch hier war die Truppe wieder bunt
gemixt. Mit von der Partie waren ein in Madrid lebender Belgier, ein
Schwede, ein spanisches Pärchen, drei Schweizerinnen und ein
sympathischer Kerl aus der dominikanischen Republik, der mittlerweile
in München lebt. Der ganze Parkour dauerte etwa zwei Stunden, danach
gab es noch ein leckeres Buffet, an dem wir uns alle satt aßen, ehe es
wieder in die Stadt ging. In Chiang Mai und Umgebung kann man locker
seinen ganzen Thailandaufenthalt verbringen. Es gibt noch viele
kleine Orte in denen man sich das Leben der Völker in den Bergen
anschauen kann. Wir hatten allerdings nicht mehr viel Zeit. Nur noch
eine gute Woche verriet uns der Stempel im Reisepass. Einen Ort haben
wir uns dann aber doch noch rausgepickt und der hieß Pai. Pai ist
etwa hundert Kilometer nordwestlich von Chiang Mai gelegen. Man
brauch dorthin trotzdem gute drei Stunden, da wir uns nun auf
bergigen Terrain befanden und sich die Straßen dementsprechend durch
die üppige Landschaft schlängelten. Der Ort an sich ist mit 2000
Einwohnern eher ein Dorf, aber wir staunten nicht schlecht, wie viele
Touristen es dort gab. Mindestens genauso viele wie Einheimische.
Eigentlich war unser Plan dem ganzen Tourismus mal für eine Station
lang zu entkommen, aber ich schätze das ist, zumindest in Thailand, kaum noch möglich. Mittlerweile schreibe ich diese Zeilen aus Laos
und im Vergleich zu Thailand fühlen wir uns hier in manchen Orten
wie Christoph Kolumbus. Aber dazu später mehr, wenn ich für Laos
einen Bericht verfasse.
In Pai kann man den örtlichen Trubel trotzdem gut entkommen, indem man in die Natur flüchtet. Und ehrlich gesagt
kommt man auch nur deshalb hierher, denn der Ort an sich hat nichts
zu bieten bis auf dem Nachtmarkt, auf dem wir eine weitere
thailändische Leckerei in Form von Kokosbällchen mit Kokoszucker
gefüllt gefunden haben. Boah, das war das leckerste, was wir hier je
gegessen haben und die Verkäuferin hat sich immer so gefreut, wenn
wir gleich für 100 statt der üblichen 20 Baht bei ihr einkauften.
Aber ich schweife schon wieder ab. In Pai lässt sich also super die
Umgebung und Natur erkunden. Dazu liehen wir uns einen Motorroller
vor Ort aus. Das hat gleich mehrere Vorteile. Zum einen die Freiheit.
So schön die Touren in Chiang Mai auch waren, wenn man eine Tour
mitmacht hat man sich an Zeiten zu halten. „Zwanzig Minuten könnt
ihr euch das anschauen, danach geht’s wieder zum Bus.“ oder „eine
Stunde Wasserfall, dann machen wir kehrt“ sind halt Sätze, die
passen nicht zu unserer Reisekultur. Wir haben Zeit und die wollen
wir so gut es geht auch genießen. Wenn wir uns etwas anschauen, was
uns gefällt, dann wollen wir nicht schon vom ersten Moment an wieder
die olle Zeit im Hinterkopf haben. Schon gar nicht auf Reisen. Hier dirigiert uns maximal der Stempel im Reisepass, wenn die nächsten 30 Tage im jeweiligen Land ablaufen. Ging
in Chiang Mai nun nicht anders und war trotzdem alles schön, aber
sich selber fortbewegen zu können ist einfach Freiheit. Egal ob per
Fuß, Fahrrad oder nun mit dem Motorroller. Zweiter Pluspunkt ist
natürlich, dass man mit dem Roller weitere Strecken zurücklegen
kann. Und dann kommt noch der unschlagbar günstige Preis dazu. 24
Stunden kosteten uns knappe 6 Euro und davon habe ich sogar nochmal
vollgetankt. So schauten wir uns an einem Tag die volle natürliche
Pracht um Pai an. Zuerst fuhren wir zu einem der vielen Wasserfälle,
die um dieses kleine Örtchen gelegen sind. Dieser war komischerweise
kaum besucht und so machten wir uns es dort schön gemütlich. Gegen
Mittag ging es dann weiter zum Pai Canyon. Auch dort war es super, wir
hatten wie fast immer schönes Wetter und konnten von dort die weite
Umgebung von oben begutachten und etwas wandern und klettern. Nach
einem kleinen Snack dort fuhren wir weiter raus. Es gab noch ein paar
Hot Springs, natürliche Quellen, in denen man sich ein Bad gönnen
konnte. Und so schön wie es sich anhört war es auch gewesen. Bei
kuschligen 36° Grad badeten wir im abfließendem Wasser. Weiter oben
an der Quelle, war die Temperatur bei über 80° Grad. Dort konnte
man sich Eier kaufen und mit einem Stock mit Behälter vorne dran
Eier kochen. Sah auf jeden Fall witzig aus und schien auch zu
funktionieren wie wir den eierpellenden und -essenden Leuten
entnahmen. Zu guter Letzt fuhren wir noch etwas durch die Idylle. Ich
hatte mich nun an den Linksverkehr und den Roller, der übrigens
Scoopy hieß, gewöhnt, sodass das Rollerfahren für mich schon ein
einziges Highlight war an diesem Tag. Wir fanden dann noch einen
tollen Aussichtspunkt gegen Ende des Tages an dem wir uns den
Sonnenuntergang anschauten. Danach erreichten wir wohlauf wieder Pai
und den Nachtmarkt, die Kokosbällchen wartenden bereits auf uns.
Auch am nächsten Morgen standen wir in der Früh auf, die 24 Stunden
Rollerfahren endeten erst offiziell um 9.40 Uhr. Da ging noch was und
so suchten wir einen anderen Wasserfall auf, den wir aber nicht
wirklich fanden. Wir fuhren mit Scoopy immer weiter rein ins Grüne,
aber es brachte nichts. Wir fanden ihn einfach nicht, aber auch das
gehört dazu und ist Teil des Spiels.
An unserem letzten Tag setzten wir uns
an ein Flussufer, welches zwar in Pai lag, jedoch etwas unauffällig
gelegen war. So konnten wir uns in Ruhe sonnen, Karten spielen und
lesen. Auch trotz der touristischen Masse, die sich in und um Pai
bewegt und von der wir ja auch ein Teil sind, ist dies ein herrlicher
Ort um abzuschalten von Tempeln, wirklich großen Scharen an Menschen
und Stadtverkehr. Hätten wir noch mehr Zeit gehabt, wären wir noch
ein oder zwei Orte weiter Richtung burmesischer Grenze gefahren. Ich
denke dort wäre es noch ein paar Oktaven ruhiger geworden. Von Pai
ging es dann nach drei Tagen wieder nach Chiang Mai zurück. Jedoch
nur zum Umsteigen. Noch am selben Tag fuhren wir drei weitere Stunden
weiter Richtung Laos und erreichten unsere letzte Station in
Thailand, die Stadt Chiang Rai. Dort verbrachten wir noch einmal zwei
ganze Tage und genossen ein letztes Mal die allgegenwärtige
thailändische Atmosphäre. Passend dazu fanden wir dort einen
schönen Nachtmarkt, der nicht nur Essenstände und ein
umfangreiches Angebot an Textilien und sonstigem Schnickschnack bot, sondern auch zwei Bühnen,
auf denen jeden Abend mit Live-Musik unterhalten wurde. Dort
verbrachten wir alle drei Abende während unseren Aufenthalts in der
nördlichsten Provinzstadt Thailands. Die Stadt schauten wir uns
natürlich auch an, welche genau groß genug ist, um sie an einem Tag bequem zu erkunden ohne zu hetzen. Eine der schönsten Sehenswürdigkeiten
liegt jedoch etwa 20 Kilometer außerhalb der Stadt und zwar der
sogenannte weiße Tempel. Er macht seinen Namen wirklich alle Ehre
und ist komplett in weiß gehalten. Durch seine weißen Verzierungen
und einem kleinen See um ihm herum sieht das Gesamtbild einfach nur
wunderschön aus. Auf dem Gelände gibt es noch andere kleinere
Gebäude, die aber nicht weniger spektakulär aussehen. Selbst das
Gebäude, in dem sich die Toiletten befinden, sieht aus wie ein
Tempel, ist allerdings in Gold gehalten.
An unserem letzten Abend auf dem Nachtmarkt kam etwas Wehmut hoch. Kaum hatten wir uns an Thailand gewöhnt, ging es auch schon weiter. Ein Monat vergeht sooo schnell und trotzdem haben wir allerhand gesehen. Auf jeden Fall ein tolles Land mit lieben Menschen, was zum länger bleiben einlädt.