Samstag, 31. Dezember 2016

Noch immer Thailand - der Norden

Wir erreichten auf den letzten Kilometern des thailändischen Eisenbahnnetzes die Perle des Nordens, die Stadt Chiang Mai. Drei Wochen waren wir nun bereits in Thailand unterwegs und nach einem Blick auf unser Reisebudget war klar: Wir hatten ganz schöne Schwierigkeiten damit unser Geld unters Volk zu bringen. Essen, Unterkunft und Transport kosten kaum etwas. Tempel und Ruinenstätten schlagen mit kaum bis gar nichts zu Buche. Und um sich ein Fahrrad auszuleihen, löhnt man auch grad mal einen einzigen Euro pro Tag.
Nachdem wir unser Hotel gefunden und dort eingecheckt haben, ging es also erstmal in eine offizielle Touri-Info. Dort buchten wir gleich zwei Tagestrips und zack – schon waren wir um 200 Euronen leichter. Gleich am nächsten Tag klingelte früh im Morgengrauen der Wecker. Ein Tag im Dschungel stand auf dem Programm. Wir wurden pünktlich von unserem Hotel abgeholt und sammelten danach die anderen Gruppenteilnehmer ein. Zu uns gesellten sich noch zwei Spanierinnen (Mutter und Tochter), drei Brüder gehobenen Alters aus Kambodscha und ein Pärchen aus London. Wir fuhren dann erstmal ein oder zwei Stunden raus aus der Stadt. Die Zeit verging aber ruck zuck, denn wir unterhielten uns fast die gesamte Fahrt mit Piar und Tania, den Spanierinnen. Auch einer der Kambodschaner sorgte mit seiner Art zu Reden und Lachen für gute Unterhaltung an Bord. Zwischenzeitlich machten wir auch noch Stop an einer Schmetterlings- und Orchideenfarm. War ganz nett anzusehen und ein guter Start in den Tag. Als wir im Dschungel ankamen, stand als erstes Elefantenreiten auf dem Zettel. Jenny und ich sind bei allen „Attraktionen“ mit Tieren skeptisch und wollten diesen Punkt rausnehmen aus unserem Tagesausflug. Aber auch auf Nachfragen wurde uns vergewissert, dass die Elefanten genug Pausen bekämen und der Besitzer selbst das Reiten organisiert. Als wir dann so vor den Tieren standen, hatten wir trotzdem gemischte Gefühle. Zum Glück ging das Elefantenreiten nur zwanzig Minuten statt der angepriesenen Stunde. Wir kauften noch vor Ort ein paar Bananenstauden, fütterten die Elefanten und schworen uns nie wieder eine Tierattraktion mitzumachen, egal was uns erzählt wird. Danach ging es weiter in den Dschungel. Wir fuhren an einen Fluss. Dort warteten bereits Schlauchboote auf uns, Wildwasser-Rafting war angesagt. Etwa eine halbe Stunde ging es flussabwärts und es waren zum Glück auch drei oder vier Stromschnellen dabei. Ich saß ganz vorne und war pitschnass, so wie es sein muss. Nach dem Rafting gab es dann erstmal Mittagbrot. Die anderen Teilnehmer waren anscheinend noch nicht lange in Thailand und staunten nicht schlecht über das in Bananenblättern gehüllte Pad Thai, welches in Thailands Küche etwa so Standard ist wie bei uns der Kartoffelsalat.
Nachdem alle Teilnehmer gesättigt waren, ging das eigentliche Abenteuer los, eine Wanderung durch den Dschungel. Wir liefen etwa anderthalb Stunden durch die wunderbar grüne Natur bis wir an einem Wasserfall angelangten. Dort verweilten wir eine Zeit lang und badeten in dem doch etwas frischen Wasser, ehe wir wieder kehrt zum Bus machten, der uns zurück nach Chiang Mai fuhr. Am Abend schauten wir uns noch das Lichterfest in Chiang Mai an, welches hier statt nur einen gleich drei Tage lang stattfindet. Das Ausmaß im Gegensatz zu Lampang ist einfach nur irre und riesengroß. Die ganze Stadt ist auf den Beinen, zehntausende Menschen tummeln sich durch die Straßen. Und das Krasse an der Sache ist, es gibt keine einheimischen Menschen, die Alkohol trinken. Auch nicht unter den Jugendlichen. Beim Essen steht auch bei den Thais mal ein kühles Chang mit auf dem Tisch, aber insbesondere bei Massenveranstaltungen gibt es keinen Alkohol. Das ist uns schon in Bangkok und auch in Lampang beim Lichterfest aufgefallen sowie auf sämtlichen Nachtmärkten. Scharen von Menschen sind am Abend unterwegs und nicht einer hat ein Bier in der Hand. Das ist wirklich sehr beeindruckend, wenn man sieht wie in solchem Ausmaß nüchtern gefeiert werden kann und auch wird. Wenn wir da an unser Oktoberfest und den Herrentag denken oder auch einfach nur an Geburtstage, Stadtfeste und Osterfeuer.. dann kommt man sich kulturell ganz schön primitiv vor wie man da so in der Menge steht und sieht wie es auch anders geht. Alkohol ist auf unseren Feten einer, wenn nicht sogar DER elementare Grund sich zusammenzufinden. Ein Teil der weißen Touris, die sich es sich natürlich nicht nehmen ließen mit ihrem Changbier in der Hand durch die Straßen zu ziehen, ließ uns diese Tatsache erst ersichtlich werden. Das passte gar nicht ins Gesamtbild. Aber jedem das seine.
Am nächsten Tag schauten wir uns dann Chiang Mai an. Die Stadt kann man bequem per Fuß erkunden und so verbrachten wir einen tollen Tag und ruhten uns etwas aus. Denn: nach dem Dschungel ist vor dem Dschungel. Schon am nächsten Tag ging es wieder raus ins Grüne. Die zweite Tour, die wir gebucht hatten, war ein Zipliningtrip in und über den Baumkronen des Urwalds. Ziplining heißt, man gleitet an Seilen gesichert, die an Bäumen befestigt sind zwischen eben diesen durch das Dschungeldach. Die Entfernungen bzw. Länge der Seile variieren dabei zwischen 30 und mehreren hundert Metern. Ein paar Hindernisse wie wackelige Treppen und Abseilen (bis zu 40 Meter) waren auch noch als Elemente mit eingebaut. Das war auf jeden Fall ein lustiger Spaß und wir würden es immer wieder machen. Sicher ist es auch, da man doppelt gesichert ist an zwei Seilen hängt und die Begleiter sehr professionell auftraten.
Auch hier war die Truppe wieder bunt gemixt. Mit von der Partie waren ein in Madrid lebender Belgier, ein Schwede, ein spanisches Pärchen, drei Schweizerinnen und ein sympathischer Kerl aus der dominikanischen Republik, der mittlerweile in München lebt. Der ganze Parkour dauerte etwa zwei Stunden, danach gab es noch ein leckeres Buffet, an dem wir uns alle satt aßen, ehe es wieder in die Stadt ging. In Chiang Mai und Umgebung kann man locker seinen ganzen Thailandaufenthalt verbringen. Es gibt noch viele kleine Orte in denen man sich das Leben der Völker in den Bergen anschauen kann. Wir hatten allerdings nicht mehr viel Zeit. Nur noch eine gute Woche verriet uns der Stempel im Reisepass. Einen Ort haben wir uns dann aber doch noch rausgepickt und der hieß Pai. Pai ist etwa hundert Kilometer nordwestlich von Chiang Mai gelegen. Man brauch dorthin trotzdem gute drei Stunden, da wir uns nun auf bergigen Terrain befanden und sich die Straßen dementsprechend durch die üppige Landschaft schlängelten. Der Ort an sich ist mit 2000 Einwohnern eher ein Dorf, aber wir staunten nicht schlecht, wie viele Touristen es dort gab. Mindestens genauso viele wie Einheimische. Eigentlich war unser Plan dem ganzen Tourismus mal für eine Station lang zu entkommen, aber ich schätze das ist, zumindest in Thailand, kaum noch möglich. Mittlerweile schreibe ich diese Zeilen aus Laos und im Vergleich zu Thailand fühlen wir uns hier in manchen Orten wie Christoph Kolumbus. Aber dazu später mehr, wenn ich für Laos einen Bericht verfasse.
In Pai kann man den örtlichen Trubel trotzdem gut entkommen, indem man in die Natur flüchtet. Und ehrlich gesagt kommt man auch nur deshalb hierher, denn der Ort an sich hat nichts zu bieten bis auf dem Nachtmarkt, auf dem wir eine weitere thailändische Leckerei in Form von Kokosbällchen mit Kokoszucker gefüllt gefunden haben. Boah, das war das leckerste, was wir hier je gegessen haben und die Verkäuferin hat sich immer so gefreut, wenn wir gleich für 100 statt der üblichen 20 Baht bei ihr einkauften. Aber ich schweife schon wieder ab. In Pai lässt sich also super die Umgebung und Natur erkunden. Dazu liehen wir uns einen Motorroller vor Ort aus. Das hat gleich mehrere Vorteile. Zum einen die Freiheit. So schön die Touren in Chiang Mai auch waren, wenn man eine Tour mitmacht hat man sich an Zeiten zu halten. „Zwanzig Minuten könnt ihr euch das anschauen, danach geht’s wieder zum Bus.“ oder „eine Stunde Wasserfall, dann machen wir kehrt“ sind halt Sätze, die passen nicht zu unserer Reisekultur. Wir haben Zeit und die wollen wir so gut es geht auch genießen. Wenn wir uns etwas anschauen, was uns gefällt, dann wollen wir nicht schon vom ersten Moment an wieder die olle Zeit im Hinterkopf haben. Schon gar nicht auf Reisen. Hier dirigiert uns maximal der Stempel im Reisepass, wenn die nächsten 30 Tage im jeweiligen Land ablaufen. Ging in Chiang Mai nun nicht anders und war trotzdem alles schön, aber sich selber fortbewegen zu können ist einfach Freiheit. Egal ob per Fuß, Fahrrad oder nun mit dem Motorroller. Zweiter Pluspunkt ist natürlich, dass man mit dem Roller weitere Strecken zurücklegen kann. Und dann kommt noch der unschlagbar günstige Preis dazu. 24 Stunden kosteten uns knappe 6 Euro und davon habe ich sogar nochmal vollgetankt. So schauten wir uns an einem Tag die volle natürliche Pracht um Pai an. Zuerst fuhren wir zu einem der vielen Wasserfälle, die um dieses kleine Örtchen gelegen sind. Dieser war komischerweise kaum besucht und so machten wir uns es dort schön gemütlich. Gegen Mittag ging es dann weiter zum Pai Canyon. Auch dort war es super, wir hatten wie fast immer schönes Wetter und konnten von dort die weite Umgebung von oben begutachten und etwas wandern und klettern. Nach einem kleinen Snack dort fuhren wir weiter raus. Es gab noch ein paar Hot Springs, natürliche Quellen, in denen man sich ein Bad gönnen konnte. Und so schön wie es sich anhört war es auch gewesen. Bei kuschligen 36° Grad badeten wir im abfließendem Wasser. Weiter oben an der Quelle, war die Temperatur bei über 80° Grad. Dort konnte man sich Eier kaufen und mit einem Stock mit Behälter vorne dran Eier kochen. Sah auf jeden Fall witzig aus und schien auch zu funktionieren wie wir den eierpellenden und -essenden Leuten entnahmen. Zu guter Letzt fuhren wir noch etwas durch die Idylle. Ich hatte mich nun an den Linksverkehr und den Roller, der übrigens Scoopy hieß, gewöhnt, sodass das Rollerfahren für mich schon ein einziges Highlight war an diesem Tag. Wir fanden dann noch einen tollen Aussichtspunkt gegen Ende des Tages an dem wir uns den Sonnenuntergang anschauten. Danach erreichten wir wohlauf wieder Pai und den Nachtmarkt, die Kokosbällchen wartenden bereits auf uns. Auch am nächsten Morgen standen wir in der Früh auf, die 24 Stunden Rollerfahren endeten erst offiziell um 9.40 Uhr. Da ging noch was und so suchten wir einen anderen Wasserfall auf, den wir aber nicht wirklich fanden. Wir fuhren mit Scoopy immer weiter rein ins Grüne, aber es brachte nichts. Wir fanden ihn einfach nicht, aber auch das gehört dazu und ist Teil des Spiels.
An unserem letzten Tag setzten wir uns an ein Flussufer, welches zwar in Pai lag, jedoch etwas unauffällig gelegen war. So konnten wir uns in Ruhe sonnen, Karten spielen und lesen. Auch trotz der touristischen Masse, die sich in und um Pai bewegt und von der wir ja auch ein Teil sind, ist dies ein herrlicher Ort um abzuschalten von Tempeln, wirklich großen Scharen an Menschen und Stadtverkehr. Hätten wir noch mehr Zeit gehabt, wären wir noch ein oder zwei Orte weiter Richtung burmesischer Grenze gefahren. Ich denke dort wäre es noch ein paar Oktaven ruhiger geworden. Von Pai ging es dann nach drei Tagen wieder nach Chiang Mai zurück. Jedoch nur zum Umsteigen. Noch am selben Tag fuhren wir drei weitere Stunden weiter Richtung Laos und erreichten unsere letzte Station in Thailand, die Stadt Chiang Rai. Dort verbrachten wir noch einmal zwei ganze Tage und genossen ein letztes Mal die allgegenwärtige thailändische Atmosphäre. Passend dazu fanden wir dort einen schönen Nachtmarkt, der nicht nur Essenstände und ein umfangreiches Angebot an Textilien und sonstigem Schnickschnack bot, sondern auch zwei Bühnen, auf denen jeden Abend mit Live-Musik unterhalten wurde. Dort verbrachten wir alle drei Abende während unseren Aufenthalts in der nördlichsten Provinzstadt Thailands. Die Stadt schauten wir uns natürlich auch an, welche genau groß genug ist, um sie an einem Tag bequem zu erkunden ohne zu hetzen. Eine der schönsten Sehenswürdigkeiten liegt jedoch etwa 20 Kilometer außerhalb der Stadt und zwar der sogenannte weiße Tempel. Er macht seinen Namen wirklich alle Ehre und ist komplett in weiß gehalten. Durch seine weißen Verzierungen und einem kleinen See um ihm herum sieht das Gesamtbild einfach nur wunderschön aus. Auf dem Gelände gibt es noch andere kleinere Gebäude, die aber nicht weniger spektakulär aussehen. Selbst das Gebäude, in dem sich die Toiletten befinden, sieht aus wie ein Tempel, ist allerdings in Gold gehalten. 
An unserem letzten Abend auf dem Nachtmarkt kam etwas Wehmut hoch. Kaum hatten wir uns an Thailand gewöhnt, ging es auch schon weiter. Ein Monat vergeht sooo schnell und trotzdem haben wir allerhand gesehen. Auf jeden Fall ein tolles Land mit lieben Menschen, was zum länger bleiben einlädt.

Sonntag, 25. Dezember 2016

Bilder aus Thailand

Ayutthaya



Affenstadt Lop Buri

eine Verkäuferin beschützt ihren Laden 

keine Vogelscheiße auf den Autos

wie wir sie lieben!


Sukhothai - Geschichtspark

Lichterfest in Lampang


Freitag, 23. Dezember 2016

Mit dem Zug durch Thailand

Am nächsten Morgen standen wir dann in Bangkok auf dem Bahnhof. Natürlich hatten wir keine Probleme beim Ticketkauf. Ganz im Gegenteil, es gab sogar ein Kartenschalter nur für Ausländer. Und wie günstig die Zugpreise in Thailand sind, so etwas haben wir noch nicht gesehen. Ich habe alle Teilstrecken zusammengerechnet, vom Preis sowie auch von der Entfernung. Ein Blick auf das Zahlenmaterial zeigt auf, dass Zugfahren in Thailand praktisch gratis ist: Wir sind alle Strecken zwischen Bangkok und Chiang Mai mit dem Zug gefahren. Das sind etwa 670 Kilometer. Für diese Gesamtstrecke haben wir grade mal 6 Euro pro Person ausgegeben! Die Strecke gleicht auf deutschen Boden etwa der Entfernung von Hamburg nach Stuttgart. Und der Komfort ist einfach, aber okay. Einmal nur saßen wir auf richtigen Holzbänken. Ansonsten sind die Waggons ausgestattet wie in Deutschland die Regionalzüge.

Ayutthaya war einst die Hauptststadt des Königreichs Thailand gewesen. Die Stadt bietet neben den üblichen Tempeln viele durchaus gut erhaltene Ruinenstätten. Ayutthaya lässt sich gut an einem Tag mit dem Fahrrad erkunden. Und so taten wir es auch. Ein alter Drahtesel kostet dabei grade mal einen Euro pro Tag Leihgebühr. Da wir genügend Zeit haben, ließen wir uns gleich zwei volle Tage in diesem gemütlichen Ort nieder, nicht zuletzt, um die erste Welle der Reizüberflutung aus Bangkok zu verarbeiten. Hier gibt es keine aufdringlichen Tuk-Tukfahrer mehr an jeder Ecke und die Menschen sind viel offener und freundlicher. Abends hatten wir das Glück immer einen Nachtmarkt in der Nähe unseres Hotels zu haben. Dort schlemmten wir uns weiter durch die Stände. Ein weiteres Leckerli, welches wir in Ayutthaya entdeckten, war hausgemachtes Kokoseis. Das war wirklich sehr lecker und das Ehepaar, dass den Stand leitete, war unverschämt nett zu uns. Uns hat es dort gut gefallen, die Uhren ticken dort schon sehr viel langsamer als in der Hauptstadt, auch wenn Ayutthaya mit über einhunderttausend Einwohner auch nicht grade ein Dorf ist.
Als nächstes machten wir in Lop Buri Halt. Die Stadt ist wirklich richtig klein, aber hat dennoch eine einzigartige Besonderheit zu bieten. Neben den Menschen, die dort leben, gibt es jede Menge wildlebender Affen! Sie sind wirklich überall. Auf den Straßen, an und auf den Häusern und ihr zu Hause ist sogar auf einem der wenigen Denkmäler. Dort tummeln sich zumindest die meisten. Alle Fenster, auch die von unserem Zimmer, sind vergittert. Und tatsächlich. Wenn wir mal das Fenster öffneten kamen gleich ein paar neugierige Affen und schauten durch die Gitter in unser Zimmer. Vor allem wenn wir grade aßen. So beeindruckend das für uns Besucher auch ist. Für die Menschen dort sind die Affen eine regelrechte Plage. So ziemlich jeder Ladenbesitzer hat einen Bambusstock bei sich, damit die Affen nicht ihre Geschäfte plündern. Auch im Verkehr muss auf die ganzen Affen Rücksicht genommen werden. Und auch als Tourist ist man nicht sicher. Grade bei dem Denkmal, an dem sich die Affen zu Scharen tummeln, gibt es richtige „Überfälle“ auf Touristen. Die Kamera sollte man gut im Griff haben und am besten keinen Schmuck tragen oder etwas zu Essen in den Händen halten. Einige Passanten wurden richtig angesprungen. Es handelt sich immerhin noch um wildlebende Tiere. Aber ein Besuch war dieser kuriose Ort allemal wert.
Nächste Station war die Stadt Phitsanulok. Eigentlich hatten wir uns dort nur einquartiert, um in die Nachbarstadt Sukhothai zu kommen, die nicht auf der Bahnstrecke lag. Wir blieben dann aber doch zwei ganze Nächte dort und entspannten tagsüber am Fluß und genossen den örtlichen Nachtmarkt.
Außerdem hatten wir an einem Essensstand eine wundersame Begegnung mit einem Inder. Wir bestellten uns grade unser Pad Thai (gebratene Nudeln mit Gemüse), da sprach uns ein Sikh an, ein Mann mit orangefarbenen Turban. Er war schon steinalt, 86 Jahre wie sich später rausstellte, und meinte wir sollen mit ihm kommen. Er hätte zu Hause richtiges Besteck und wir könnten dort vernünftig Essen. Wir wartenden auf unser Essen und als es fertig war nahm es der Inder gleich in die Hand, in der anderen seinen Holzstock zum Gehen. Nur ein paar hundert Meter weiter nahmen wir dann in seiner „Wohnung“ Platz, gespannt, wie so eine Bleibe in Thailand wohl von Innen aussieht. Eigentlich war es eher eine Werkstatt. Wir bekamen Sitzplätze an einem Tisch, Besteck sowie Wasser und Milch und als Nachtisch bekamen wir Kekse und Papaya serviert. Der Sikh war wirklich sehr gastfreundlich und konnte sogar ein paar Brocken Englisch, das er in Pakistan gelernt hatte. Er zeigte uns ein paar Methoden, um immer gesund zu bleiben und sagte er gehe jeden Morgen an den Fluss und mache dort Atemübungen. Dies sei sein Geheimnis, weshalb er noch so gut funktioniere. Nach dem Essen trugen wir uns in sein Gastbuch ein, anscheinend waren wir nicht die ersten Besucher, die er auf der Straße aufsammelte. Wir wechselten ins Nebenzimmer, um etwas Fernsehen zu gucken. Dort stand wirklich nur ein Bett, der Fernseher und ein paar Regale an den Wänden. Es führte zwar noch eine kleine Treppe nach oben, aber so wie es aussah lebte der Sikh in diesem Raum. Da wir nicht viel aus dem TV verstanden und uns die Stadt noch anschauten wollten, verabschiedeten wir uns herzlich und machten uns weiter auf den Weg. So spazierten wir noch durch die Stadt und später über den Nachtmarkt, an dem wir auch unser Abendmahl zu uns nahmen.
Am nächsten Tag liefen wir das Flussufer entlang und schauten uns zwei Tempel an. Den Rest des Tages ruhten wir uns auf unserem Hotelzimmer aus, dem modernsten und edelsten in dem wir je geschlafen haben. Neunter Stock, mit Blick über die Stadt und sogar einer Badewanne. Die Minibar sorgte für stets kühles Wasser und nach zwei Nächten bequemsten Schlafens machten wir uns auf nach Sukhothai, welches etwa eine Stunde mit dem Bus entfernt liegt.
Die Stadt selber hat nicht all zu viel zu bieten, wartet jedoch mit einem historischen Park etwa 14 Kilometer außerhalb auf. Dorthin machten wir uns dann auf am nächsten Tag und erkundeten das Gelände, das so riesig war, das wir uns sogar verliefen und Schwierigkeiten hatten wieder zum Bus zu gelangen. Leider regnete es zwischendurch ziemlich heftig, aber zum Glück bleiben selbst dann die Temperaturen im 25° Grad-Bereich. Abends in Sukhothai angelangt, ging es dann natürlich wieder auf den Nachtmarkt, inzwischen ein fester Bestandteil unseres Abendprogramms.
Da wir mit dem Zug weiterreisen wollten, ging es dann wieder zurück nach Phitsanulok, wo wir noch eine Nacht in unserem Edelhotel zubrachten. Am nächsten Morgen standen wir dann aber auch schon auf dem Bahnhof und warteten auf den Zug, der uns nach Lampang, unserem nächsten Ziel, bringen sollte. Lampang ist ein auch ziemlich gemütliches, jedoch mittelgroßes Städtchen. Hier gibt’s einige Tempel und Brücken zu begutachten, aber das absolute Highlight war der Nachtmarkt, der ausschließlich am Wochenende stattfand. Wir hatten das Glück an einem Samstag angereist zu sein, konnten so also beide Abende dort mitnehmen.Und das war auch gut so. Der Markt ist so riesig, das wir irgendwo in Bangkok hätten sein können. Und wie es sich für so eine Superlative gehört entdeckten wir dort auch eine Neuigkeit für den Gaumen. Sweet Potatos, kleine süße Kartoffelbällchen. Eigentlich ist es nicht ganz richtig, wie ich es beschrieben habe. Wir haben diese gelben Bällchen schon ab und an vorher irgendwo gesehen, dachten aber dass das nicht schmeckt. Welch ein Irrtum! Uns schmecken sie beide ausgezeichnet, aber Jenny geht seitdem regelrecht auf Jagd, sobald wir einen Tages-/Nachtmarkt betreten.

In Lampang war waren wir zwei volle Tage und am letzten Abend erfuhren wir, dass in Thailand grade Lichterfest ist. Die ganze Stadt versammelt sich dazu am Fluss, an dem eine tolle Show aufgeführt wurde. Den ganzen Abend über fuhren toll beleuchtete Schiffe den Fluss hoch und runter und viele Stände verkauften Kerzen und Lampions, die man auf den Fluss setzen oder in den Nachthimmel aufsteigen lassen konnte. Die Straßen waren gesäumt von unzähligen Straßenständen und es war am Montag quasi noch einmal mehr Nachtmarkt angesagt. Mit diesen tollen Eindrücken im Hinterkopf ging es dann weiter gen Norden.

Freitag, 9. Dezember 2016

Bilder aus Bangkok

der liegende Buddha im Wat Pho



es wird Abschied vom König genommen (70 Jahre hat er regiert!)

am Fuße des Aussichtspunkts

und hier ganz oben über der Stadt

Khaosan Road, berühmte Meile unter Reisenden